Dubrovnik wird Opfer des Massentourismus

AP

26.9.2018 - 15:30

Zigtausende Besucher fallen täglich in Dubrovnik ein, weil sie die Drehorte von «Game of Thrones» sehen wollen oder von einem Kreuzfahrtschiff ausgespuckt werden. Die «Perle der Adria» ächzt unter den Touristenmassen – sogar der Welterbe-Status steht auf der Kippe.

Marc van Bloemen lebt seit Jahrzehnten in der Altstadt von Dubrovnik. Bisher sah er darin ein Privileg, wie er erzählt. Doch nun sei das Leben in der südkroatischen Stadt, der sogenannten «Perle der Adria», zum Alptraum geworden.

Heerscharen von Touristen verstopften täglich die Eingänge in den historischen Stadtkern, der auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco steht. Tausende weitere gehen täglich von Bord riesiger Kreuzfahrtschiffe. In der berühmten Fussgängergasse Stradun mit ihrem Pflaster aus Kalksandstein und ihren mittelalterlichen Kirchen und Palästen rempeln sich die Besucher an, während Fans der Erfolgsserie «Game of Thrones» nach deren Drehorten Ausschau halten.

«Als würden wir mitten in Disneyland leben»

Die Altstadt von Dubrovnik ist mit ihren 2500 Einwohnern ein Paradebeispiel für die Auswirkungen des Massentourismus an einem relativ kleinen Ort. Angesichts steigender Gästezahlen überlegen die örtlichen Behörden nun, wie sie mit dem Besucherstrom umgehen sollen, ohne den Charme der Stadt aufs Spiel zu setzen.

«Es ist unvorstellbar, es ist, als würden wir mitten in Disneyland leben», klagt van Bloemen, der seit seiner Kindheit in der Altstadt von Dubrovnik wohnt. Von seinem Haus aus hat er einen Blick auf den geschäftigen Alten Hafen in der Nähe der historischen Stadtmauer.

Perlen der Adria: Die schönsten Orte an der Küste Dalmatiens

An einem typischen Tag laufen hier etwa acht Kreuzfahrtschiffe ein, von denen jedes etwa 2000 Besucher ausspuckt. An einem Tag zählte van Bloemen sogar 13 Schiffe. «Wir bemitleiden uns selbst, aber auch die Touristen, denn sie können die Stadt nicht mehr spüren, weil sie ständig mit anderen Touristen zusammenstossen», sagt der Bewohner. «Es ist ein einziges Chaos.»

«Ein Problem von epischem Ausmass»

Das Problem schadet bereits dem internationalen Ruf Dubrovniks. Die Unesco warnte im vergangenen Jahr, dass wegen des Anstiegs der Urlauberzahlen der Welterbe-Status der Stadt auf der Kippe stehe.

In dem beliebten Reiseblog Discoverer hiess es kürzlich, ein Besuch in der historischen Stadt sei «ein Höhepunkt jeder Kroatien-Reise, aber die Menschenmassen in den engen Strassen und Passagen verhindern ein hochwertiges Reiseerlebnis». Die besondere Aufmerksamkeit, die der Stadt als Drehort von «Game of Thrones» zuteil werde, schaffe zusammen mit dem Anlaufen der Schiffe «ein Problem von epischem Ausmass».

Die Autoren raten Reisenden zum Besuch anderer malerischer Altstädte in der Nähe: «Anstatt zu versuchen, zu den Glücklichen zu gehören, die eine Eintrittskarte für die Sehenswürdigkeiten von Dubrovnik ergattern, testen Sie die reizvolle Stadt Ohrid im nahe gelegenen Mazedonien.»

«Respektieren Sie die Stadt»

Im vergangenen Jahr hatten die örtlichen Behörden bereits einen Plan unter dem Motto «Respektieren Sie die Stadt» ausgerufen. Damit soll die Zahl der Kreuzfahrtgäste auf ein Maximum von 4000 zu jedem Zeitpunkt am Tag begrenzt werden. Allerdings steht die Umsetzung des Vorhabens noch aus.

«Uns sind die Menschenmassen bewusst», sagt Romana Vlasic, die Leiterin der Tourismuszentrale von Dubrovnik. Doch während sie einerseits verspricht, die Zahl der Besucher zu begrenzen, rühmt sie andererseits, dass die Stadt «sehr gut dastehe mit einem leichten Anstieg der Zahlen». Der Erfolg der kroatischen Fussballnationalteams bei der diesjährigen Weltmeisterschaft –die Mannnschaft erreichte das Finale –, lockte weitere Touristen an.

Seit Jahresbeginn besuchten laut Vlasic mehr als 800'000 Urlauber Dubrovnik. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg um sechs Prozent. Die Zahl der Übernachtungen nahm um vier Prozent auf drei Millionen zu.

«Wohin rennen diese Menschen?»

Die Kreuzfahrtschiffe spülen zwar Einnahmen in Form von Hafengebühren in die Stadtkasse. Doch die örtlichen Unternehmen profitieren kaum von den Besuchern. Denn diese haben All-inclusive-Pakete an Bord ihrer Schiffe und geben bei Landgängen nur sehr wenig Geld in Restaurants oder Geschäften aus.

Der Strassenmusikant Krunoslav Djuricic beobachtet täglich die Besucherströme. «Massentourismus ist vermutlich nicht das, was wir wirklich brauchen», sagt der Musiker, der am Pile-Tor zur Altstadt E-Gitarre spielt.

Die Kreuzfahrturlauber haben nur wenige Stunden Zeit für einen Besuch der Stadt. Deshalb laufen viele hektisch umher, um die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und Selfies für die sozialen Medien zu machen. «Wir haben hier Massen von Leuten, die einfach nur rennen», sagt Djuricic, «wohin rennen diese Menschen?»

Bilder des Tages
Zurück zur Startseite