Die schönsten Schweizer Schluchten

Marianne Siegenthaler

10.8.2019 - 10:00

Schöllenenschlucht.
Bild: bergwelten.com

Schluchten sind das ganze Jahr über schaurig-schön. An heissen Sommertagen lohnt sich ihr Besuch aber ganz besonders, denn sie bieten eine willkommene Abkühlung.

65‘000 Kilometer Bäche und Flüsse fliessen durch die Schweiz und gehören nebst den Bergen zu den ganz grossen Attraktionen. Dies erst recht, wenn sie sich in Tausenden von Jahren ihren Weg durch den Stein gefressen haben.

Steile Felswände, schwindelerregende Abgründe, schmale Pfade, dunkle Galerien, schäumende Wasserfälle, strudelnde Flüsse – Schluchten sind faszinierende Naturerlebnisse, Orte der Kraft und manchmal auch Quelle für Mythen und Sagen.

Wir stellen sechs besonders schöne Schweizer Schluchten vor:

1. Die Touristische

Da lohnt es sich, eine Jacke mitzunehmen: Gerade mal 15 Grad wird es in der Aareschlucht im Berner Oberland, selbst wenn draussen die Temperaturen auf 30 Grad klettern. Die Laufstege führen direkt an den steilen Wänden entlang, es ist eng, feucht und kalt. Manchmal sieht man kaum mehr etwas vom Himmel, und unter den Füssen tost das Wasser durch die Schlucht.

Aareschlucht.
Bild: Keystone

Etwas unheimlich ist es hier schon – an der engsten Stelle hat man beinahe das Gefühl, vom Fels verschluckt zu werden. Aber die Faszination der wildromantischen Natur ist grösser, und es ist deshalb nicht weiter erstaunlich, dass man hier in dieser engen Schlucht zwischen Meiringen und Innertkirchen auf Menschen aus der ganzen Welt trifft.

2. Die Romantische

Auch wenn man dem Namen nach etwas anderes erwarten würde: Die Tüfelsschlucht in Hägendorf AG gehört unter den Juraschluchten zu den schönsten und romantischsten. Der Sage nach hat ein Teufel im Cholergraben sein Unwesen getrieben, bis er von einem Pater aus dem Kloster Olten für immer in die Flucht geschlagen wurde.

Tüfelsschlucht.
Bild: Olten Tourismus

Geblieben ist der Name Tüfelsschlucht. Der Eingang befindet sich in der Mitte des Dorfs Hägenbach. Von da aus führt ein Fussweg in unzähligen Windungen über Brücken und Stege, vorbei an Höhlen und Klüften bis hinauf auf den Allerheiligenberg.

3. Die Unbekannte

Es sind riesige, ineinander verkeilte Felsblöcke, zwischen denen sich die tosenden Wassermassen der Aa ihren Weg ins Tal bahnen. Sonnenstrahlen finden auch im Sommer kaum in die Aaschlucht zwischen Grafenort und Engelberg im Kanton Obwalden. Perfekt also für eine Abkühlung an einem heissen Sommertag.

Aaschlucht.
Bild: bergwelten.com

Der Einstieg erfolgt in der Nähe des Eugenisees beziehungsweise gleich nach der Zentralbahn-Haltestelle Grafenort. Rund zwei Stunden braucht man durch die Schlucht mit den vielen Stein-, Metall- oder Hängebrücken.

4. Die Sagenhafte

Diese Sage kennt praktisch jedes Kind: Der Teufel bot den Urnern an, beim Bau der Brücke in der Schöllenenschlucht bei Andermatt UR zu helfen. Dafür forderte er die Seele des Ersten, der die Brücke überschritt. Die Urner schickten eine Ziege, worauf der Teufel einen Fels auf die Brücke warf.

Schöllenenschlucht.
Bild: andermatt.ch

Zum Glück war da aber eine fromme Frau, die ein Kreuz in den Stein ritzte, so dass der Fels die Teufelsbrücke verfehlte. Nebst der Teufelsbrücke gibt es seit Kurzem eine weitere Attraktion: Ein neuer Veloweg führt von Göschenen  hinauf nach Andermatt. Immer noch eine anstrengende Passage, aber dank der laut in die Tiefe donnernden Reuss ist es immerhin angenehm kühl.

5. Die Aussergewöhnliche

Die Rofflaschlucht zwischen Andeer und Sufers im Bündnerland liegt unweit ihrer berühmten Schwester Viamala und hat etwas ganz Einmaliges zu bieten: Man kann einen tosenden Wasserfall in einem Tunnel unterqueren und spaziert so unter dem Rhein hindurch.

Rofflaschlucht.
Bild: rofflaschlucht.ch/Familie Melchior

Zu verdanken ist dieses einzigartige Erlebnis Christian Pitschen Melchior, der mit viel Handarbeit und ein paar Sprengungen von 1907 bis 1914 eine Galerie in die Felswand schlug. Für seine Familie schaffte er so ein Auskommen, für die zahlreichen Besucher ein spezielles Naturerlebnis.

6. Die Prähistorische

Es ist ein Naturschauspiel aus der letzten Eiszeit: die Gornerschlucht bei Zermatt VS. Ein gesicherter Weg mit Galerien und Holzstegen führt durch die Schlucht mit ihren bizarren Gesteinsformen, den glattgeschliffenen Felsen und stiebenden Wasserfällen.

Gornerschlucht.
Bild: zermatt.ch

Das grünliche Gestein namens Serpentinit ist rund 220 Millionen Jahre alt und lässt die Schlucht je nach Lichteinfall in Türkisblau erstrahlen. Vom Dorfende von Zermatt ist die Gornerschlucht in einer Viertelstunde erreichbar.

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