«Dieser Krieg ist illegal»Das sind die ersten Reaktionen auf Trumps Venezuela-Angriff
Philipp Fischer
3.1.2026
Menschen versuchen sich in Sicherheit zu bringen, nachdem in Caracas Explosionen und tieffliegende Flugzeuge zu hören waren.
Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
Der Angriff der USA auf Venezuela hat international teils scharfe Kritik hervorgerufen. Auch in den USA wird die Rechtmässigkeit von Trumps Vorgehen hinterfragt – von Demokraten und Republikanern gleichermassen.
Philipp Fischer
03.01.2026, 15:31
Philipp Fischer
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Nach dem US-Angriff auf Venezuela reagiert die Welt auf die Ereignisse in dem südamerikanischen Land.
Mehrere US-Parlamentarier üben harsche Kritik an Trumps eigenmächtigem Vorgehen.
Russland verurteilte den US-Militärangriff auf Venezuela mit deutlichen Worten.
Auch andere Länder missbilligen den Militärschlag der Trump-Regierung.
Die USA haben einen gross angelegten Militärangriff auf Venezuela ausgeführt und nach Angaben von US-Präsident Donald Trump den dortigen Staatschef Nicolás Maduro entmachtet. Die US-Attacken und die Gefangennahme von Staatschef Maduro werden weltweit unterschiedlich bewertet. Das sind die Reaktionen:
Aus den USA
Ein für Militärangelegenheiten zuständiger Senatsausschuss wurde laut Medienbericht nicht über den US-Angriff auf Venezuela vorab informiert. Vertreter der Regierung von US-Präsident Donald Trump hätten dafür keine Notwendigkeit gesehen, berichtete der US-Sender CNN und berief sich auf eine damit vertraute Quelle. Einige der Kongressmitglieder hätten dagegen darauf bestanden, vor militärischen Vorgehen benachrichtigt zu werden.
Unter den Demokraten herrscht Fassungslosigkeit über Trumps eigenmächtigen Angriff auf Venezuela. Sie bezeichnen das Vorgehen der Trump-Regierung als illegal. Auch aus den Reihen der Republikaner fallen kritische Worte zur Rechtmässigkeit des Vorgehens durch den US-Präsidenten.
Der demokratische Senator von Arizona, Ruben Gallego schrieb im Kurznachrichtendienst X: «Dieser Krieg ist illegal. Es ist beschämend, dass wir uns vom Weltpolizisten zum Weltmobber entwickelt haben. Es gibt keinen Grund, warum wir mit Venezuela im Krieg sein sollten».
Second unjustified war in my life time. This war is illegal, it’s embarrassing that we went from the world cop to the world bully in less than one year. There is no reason for us to be at war with Venezuela.
Auch ein Parteifreund von US-Präsident Donald Trump, der republikanische Senator Mike Lee von Utah, meldete Zweifel an: «Ich bin gespannt darauf zu erfahren, was – falls überhaupt etwas – diese Handlung verfassungsrechtlich rechtfertigen könnte, angesichts des Fehlens einer Kriegserklärung oder einer Genehmigung zum Einsatz militärischer Gewalt.»
I look forward to learning what, if anything, might constitutionally justify this action in the absence of a declaration of war or authorization for the use of military force https://t.co/f5ackJn5Mi
Russland hat den US-Militärangriff auf Venezuela mit deutlichen Worten verurteilt. Das Vorgehen sei «zutiefst beunruhigend und verwerflich», erklärte das russische Aussenministerium in Moskau am Samstag. Es gebe keine Rechtfertigung für diese «bewaffnete Aggression». «Ideologische Feindseligkeit hat über sachlichen Pragmatismus gesiegt», hiess es in der Mitteilung des Ministeriums aus Moskau weiter.
BREAKING:
Russia’s Foreign Ministry condemns U.S. actions in Venezuela:
“It’s an unacceptable violation of the sovereignty of an independent state, respect for which is a key principle of international law” pic.twitter.com/Oy9zjp7iqp
In der Erklärung des russischen Aussenministeriums wurde Maduro nicht erwähnt, auch wenn Moskau erneut seine «Solidarität mit dem venezolanischen Volk» zum Ausdruck brachte. Venezuela ist Russlands wichtigster Verbündeter in Südamerika, allerdings hatte Moskau dem Land keine Unterstützung mehr im Falle eines US-Angriffs zugesichert.
Aus dem Iran
Der Iran hat die US‑Angriffe auf Venezuela scharf verurteilt. «Die militärische Intervention der USA gegen einen unabhängigen Staat und Mitglied der Vereinten Nationen stellt einen klaren Verstoss gegen die Prinzipien der UN‑Charta sowie gegen grundlegende Regeln des Völkerrechts dar», erklärte das Aussenministerium laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Dieser «aggressive Akt» müsse umgehend und eindeutig verurteilt werden, so das Ministerium weiter.
Aus Mittel- und Südamerika
Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hat die Militärschläge in Venezuela als «kriminellen US-Angriff» auf das verbündete südamerikanische Land verurteilt. «Unsere Friedenszone wird gerade brutal angegriffen», schrieb der Präsident des sozialistischen Karibikstaates auf X. Díaz-Canel forderte die internationale Gemeinschaft auf, dringend darauf zu reagieren. Es handele sich um «Staatsterror gegen das mutige venezolanische Volk und gegen unser Amerika».
#Cuba denuncia y demanda URGENTE reacción de la comunidad internacional contra criminal ataque de E.U a #Venezuela. Nuestra #ZonaDePaz está siendo brutalmente asaltada. Terrorismo de Estado contra el bravo pueblo venezolano y contra Nuestra América.
Argentiniens Präsident Javier Milei feiert die von den USA verkündete Festsetzung von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro. «DIE FREIHEIT SCHREITET VORAN, ES LEBE DIE FREIHEIT VERDAMMT NOCHMAL», schrieb der ultraliberale Politiker auf X in Versalien zu einem Nachrichtenbericht, den er auf der Plattform teilte.
Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat den Angriff des US-Militärs auf Venezuela und die Festnahme des autoritären Präsidenten Nicolás Maduro verurteilt. «Die Bombardierungen von venezolanischem Gebiet und die Gefangennahme seines Präsidenten überschreiten auf inakzeptable Weise eine Grenze», schrieb der Linkspolitiker auf der Nachrichtenplattform X. «Diese Aktionen stellen eine schwerwiegende Verletzung der Souveränität Venezuelas dar und sind ein weiterer äusserst gefährlicher Präzedenzfall für die gesamte internationale Gemeinschaft.»
Os bombardeios em território venezuelano e a captura do seu presidente ultrapassam uma linha inaceitável. Esses atos representam uma afronta gravíssima à soberania da Venezuela e mais um precedente extremamente perigoso para toda a comunidade internacional.
Kolumbiens Präsidenten Gustavo Petro, ein grosser Kritiker von US-Präsident Donald Trump, liess wissen, dass er den UN-Sicherheitsrat auffordern werde, sich mit dem zu befassen, was er als «Aggression gegen die Souveränität Venezuelas und Lateinamerikas» beschrieb. «Ohne Souveränität gibt es keine Nation», teilte Petro in den sozialen Medien mit.
Colombia desde ayer es miembro del Consejo de Seguridad de las Naciones Unidas, debe ser convocado de inmediato. Establecer la legalidad internacional de la agresión sobre Venezuela.
Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas hat nach dem US-Angriff auf Venezuela zur Achtung des Völkerrechts aufgerufen. «Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des internationalen Rechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden. Wir rufen zur Zurückhaltung auf», schrieb Kallas auf X. Nach eigenen Angaben hatte sie zuvor mit US-Aussenminister Marco Rubio telefoniert.
I have spoken with Secretary of State Marco Rubio and our Ambassador in Caracas. The EU is closely monitoring the situation in Venezuela.
The EU has repeatedly stated that Mr Maduro lacks legitimacy and has defended a peaceful transition. Under all circumstances, the principles…
Die Europäische Union beobachte die Lage in Venezuela aufmerksam, heisst es im Post von Kallas. Die EU habe wiederholt erklärt, dass Maduro Legitimität fehle, und sich für einen friedlichen Übergang ausgesprochen. «Die Sicherheit der EU-Bürger in diesem Land hat für uns oberste Priorität», fügte die estnische Politikerin hinzu.
Spanien hat angesichts der US-Angriffe in Venezuela und der Mitteilung über eine Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro zur Mässigung aufgerufen. Das Völkerrecht und die UN-Charta müssten beachtet werden, stand in einer ersten Erklärung des spanischen Aussenministeriums zur Lage in dem südamerikanischen Land.
Zugleich bot die linke Regierung in Madrid ihre Hilfe an, um «eine friedliche und durch Verhandlungen erzielte Lösung der gegenwärtigen Krise zu erreichen». Das Aussenministerium beobachte die Lage in Venezuela und in Abstimmung mit seinen Partnern in der EU und den Ländern der Region, hiess es weiter in der Mitteilung.
Deutsche Regierung zeigt sich besorgt
Die deutsche Bundesregierung hat sich mit Blick auf den US-Militäreinsatz in Venezuela besorgt gezeigt. «Wir beobachten die Lage in Venezuela sehr aufmerksam und verfolgen die aktuellen Meldungen mit grösster Sorge», hieß es am Samstag aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die Lage in dem südamerikanischen Land «ist derzeit in Teilen noch unübersichtlich». Das Aussenministerium stehe «im engen Kontakt mit der Botschaft in Caracas». Der Krisenstab der Bundesregierung werde im Ministerium zusammentreten.
Der CDU-Aussenpolitiker Roderich Kiesewetter verurteilte das Vorgehen der USA als «Putsch». «Die USA verlassen mit Präsident Trump endgültig die regelbasierte Ordnung, die uns seit 1945 geprägt hat», sagte er der «Bild». «Venezuela ist zwar ein Unrechtsstaat, aber kein Iran, der Nachbarländer wie Israel in der Existenz bedroht.» Washington kehre zur US-Doktrin von vor 1940 zurück - «ein Denken in Einflusszonen in denen das Recht des Stärkeren gilt und nicht internationales Völkerrecht».
«Wer wie Trump das Völkerrecht bricht und Präsidenten entführen lässt, der betreibt brutalen Staatsterrorismus», sagte der Parteichef der Linken, Jan van Aken, dem Portal t-online. Er forderte Sanktionen wie gegen Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin wegen dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine. «Wer Putin sanktioniert, muss auch Trump sanktionieren.»
Artikel mit Material von Keystone-SDA, dpa und AFP.
USA greifen Venezuela an – Maduro gefasst und ausgeflogen
Neue Eskalationsstufe in Venezuela: Die USA haben in der Nacht zu Samstag nach Angaben von Präsident Donald Trump Venezuela angegriffen und Staatschef Nicolás Maduro und dessen Ehefrau gefasst.