Neue Lungenkrankheit immer schlimmer Europa schlägt Alarm: Das Coronavirus ist da

dpa/tasc

25.1.2020

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus auch Europa erreicht. Frankreich meldet drei Fälle mit der Lungenkrankheit. In China steigt die Zahl der Infizierten und Toten weiter stark an.

Die neue Lungenkrankheit aus China verbreitet sich weiter und hat erstmals auch Europa erreicht. In Frankreich wurden drei Fälle entdeckt. Die Patienten sind in Quarantäne. Sprunghaft stieg die Zahl der Infizierten in China in einem Tag um mehr als 400 auf mehr als 1300. Ausser Tibet sind alle Regionen des Landes betroffen. Die Zahl der Toten kletterte am Samstag von 26 auf 41. Um eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern, hat China drastische Massnahmen ergriffen. Mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen des Landes wurden weitgehend von der Aussenwelt abgeschottet, indem der Verkehr gestoppt wurde.

Als erstes Land in Europa meldete Frankreich drei Patienten mit dem neuen Virus. Wie das französische Gesundheitsministerium mitteilte, wurden zwei Fälle in Paris diagnostiziert, ein weiterer in Bordeaux. Alle Patienten hätten sich zuvor in China aufgehalten. Jeder, der in engem Kontakt mit den drei Infizierten stand, werde jetzt überprüft. Die Regierung werde alles unternehmen, um eine Ausbreitung des Erregers einzudämmen, sagte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn. «Wir müssen eine Epidemie behandeln wie einen Flächenbrand.» In Bordeaux wurden die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr an diesem Sonntag abgesagt.

Europa will vorbereitet sein

Für die EU-Präventionsbehörde ECDC kamen die Fälle nicht unerwartet. «Zu diesem Zeitpunkt ist es wahrscheinlich, dass es mehr importierte Fälle in Europa geben wird», teilte die im schwedischen Solna ansässige Behörde mit. Auch wenn viele Dinge über das Virus weiter unbekannt seien, hätten die europäischen Länder die nötigen Kapazitäten, um einen Ausbruch direkt nach der Entdeckung von Fällen zu verhindern und zu kontrollieren.

Frankreichs Gesundheitsministerin Buzyn rief zur Achtsamkeit auf und appellierte an alle Reisenden aus China, genau darauf zu achten, ob sie Lungenprobleme oder Fieber bekämen. Im Fall der Fälle sollten sie unter keinen Umständen einen Arzt oder Notdienst aufsuchen, sondern den Notdienst kontaktieren. Dieser würde die Betroffenen zu Hause abholen und direkt ins Krankenhaus bringen.

Bestätigte Infektionen wurden auch aus Ländern wie den USA, Hongkong, Japan, Südkorea, Thailand, Vietnam, Singapur, Taiwan und Australien gemeldet. In Grossbritannien wollten Gesundheitsexperten etwa 2000 Fluggäste aus China aufspüren, die in den vergangenen zwei Wochen ins Vereinigte Königreich geflogen sind. Mediziner hielten es für wahrscheinlich, dass sich Infizierte bereits in Grossbritannien aufhalten.

In China ist die elf Millionen Einwohner zählende Metropole Wuhan schwer betroffen. Dort hat das Virus vermutlich von einem Tiermarkt seinen Ausgang genommen. Die Krankenhäuser sind völlig überfordert. Es gibt lange Schlangen. Nach offiziell unbestätigten Berichten werden Patienten sogar zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gibt. Nachdem in Wuhan mit dem Bau eines Krankenhauses mit 1000 Betten begonnen worden war, soll ein weiteres mit 1300 Betten folgen. Das erste Hospital in Schnellbauweise soll am Montag in einer Woche erste Patienten aufnehmen, das zweite zwei Tage später.

Zahlreiche Ärzte sind alarmiert

Aus anderen Teilen Chinas wurden mehr als 1680 Ärzte und Pfleger mobilisiert und nach Wuhan entsandt, darunter 450 vom Militär. Auch wurden 14 000 Schutzanzüge bereitgestellt. Augenzeugen berichten von langen Schlangen an überfüllten Krankenhäusern. Wie die Lage in den anderen abgeschotteten Millionenstädten ist, war unklar. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden gestoppt und Ausfallstrassen gesperrt. Von Sonntag an wird auch der gewöhnliche Autoverkehr in den grossen Stadtbezirken Wuhans gestoppt.

Trotz der Abschottung wird die Versorgung der Metropole nach amtlichen Angaben weiter gesichert. «Die Versorgung der Märkte ist gesichert», versicherte der Gouverneur der Provinz Hubei, Wang Xiaodong. Die Frachtkanäle blieben offen. Auch würden weiter Agrarprodukte aus anderen Provinzen nach Wuhan transportiert.

Bewegungsfreiheit beschränkt

Die grösste Gefahr sei die Zu- und Abwanderung der Menschen. Deswegen sei die wichtigste Massnahme im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus die Beschränkung der Bewegungsfreiheit. «Wenn dieses Problem nicht gelöst worden wäre, hätte es grösseren Schaden für Leben und Gesundheit der Menschen auslösen können», rief er nach Angaben der «China Daily» zu Verständnis für die drastischen Massnahmen auf.

Massive Kontrollen

Die Regierung ordnete landesweit Kontrollen und Hygienemassnahmen im Transportwesen an. An Flughäfen, Bahnhöfen, Busstationen und Passagierhäfen sollen Fiebermessgeräte installiert werden. Auch müssten Vorkehrungen getroffen werden, wie Infizierte isoliert oder Verdachtsfälle beobachtet werden können. Am Samstag stand an vielen Verkehrsknotenpunkten schon Personal, das mit Hand-Messgeräten die Temperatur von Reisenden mass.

Alle zuständigen Stellen «müssen dem Problem der Übertragung der Lungenkrankheit durch das neue Coronavirus im Transportsystem grosse Aufmerksamkeit schenken», forderte der Staatsrat. Die Behörden sollten dafür sorgen, dass die Hygiene von Zügen, Flugzeugen und anderen Verkehrsmitteln gesichert sei. Vorkehrungen sollen an Bahnhöfen, Flughäfen und anderen Drehscheiben getroffen werden.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts relativierte die länderübergreifende Gefahr durch das neue Virus. «Ausserhalb Chinas gibt es bisher keine grossen Infektionsketten», sagte Lothar Wieler im «Heute Journal» des ZDF. Allerdings betonte der Mikrobiologe, man könne die Schwere der Erkrankungen noch nicht genau beurteilen. «Wir haben keine vollständigen Informationen.»

Die weltweiten Vorsichtsmassnahmen begründete er unter anderem damit, dass der neue Erreger dem Sars-Virus genetisch sehr ähnlich sei und über die Atemwege verbreitet werde. An Sars (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) waren 2002/2003 etwa 800 Menschen gestorben. «Die Schwere, die Krankheitslast der Grippe ist schwerer», sagte Wieler.

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