Andrea Stauffacher schwänzt den Prozessauftakt

18.11.2021

Die Kommunistin Andrea Stauffacher spricht an einer unbewilligten Demonstation am Freitag, den 4 November 2016, in Zuerich. In der Tuerkei hat die tuerkische Polizei bei Razzien die Chefs der prokurdischen Oppositionspartei HDP verhaftet. Kurz danach gab es bei einem Autobombenanschlag in der Kurdenstadt Diyarbakir acht Tote und über 100 Verletzte. Die demonstration in Zuerich richtet sich gegen das Vorgehen der tuerkischen Regierung. (KEYSTONE/Siggi Bucher)
Andrea Stauffacher im November 2016: Die linksextreme Aktivistin muss sich seit heute in Bellinzona vor Gericht verantworten.
Bild: Keystone

Am Donnerstagvormittag hat in Bellinzona der Prozess gegen Andrea Stauffacher begonnen. Die Linksextremistin erschien allerdings nicht vor Gericht, sondern demonstrierte lieber in Zürich.

18.11.2021

Vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona hat heute der Prozess gegen Andrea Stauffacher begonnen. Ihr werden Beschimpfung, Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Hinderung einer Amtshandlung, unbefugter Verkehr sowie Verstoss gegen die Covid-19-Verordnung 2 vorgeworfen.

Die Angeklagte selbst schwänzte den Prozess zunächst. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, ging Stauffacher stattdessen in Zürich vor dem türkischen Generalkonsulat demonstrieren. Es sei eine kurze, aber starke Aktion gewesen, sagte Stauffacher der Zeitung. Beteiligt gewesen seien mehrere Aktivisten, unter anderem aus Deutschland.



Trotz Stauffachers Abwesenheit vor Gericht begann in Bellinzona am Donnerstagvormittag die Beweisaufnahme. Falls die Angeklagte auch am Freitag nicht erscheint, wird der Hauptprozess in ihrer Abwesenheit geführt.

Lange Liste an Anklagepunkten

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, wird Andrea Stauffacher beschuldigt, im Januar 2017 zusammen mit einer unbekannten Täterschaft eine Feuerwerksbatterie und zwei Horror-Knall-Raketen auf das Gebäude des Generalkonsulats der Republik Türkei an der Weinbergstrasse in Zürich abgefeuert zu haben. Dabei habe sie vorsätzlich und in verbrecherischer Absicht Leib und Leben von Menschen sowie fremdes Eigentum in Gefahr gebracht.

An einer unbewilligten Demonstration zum Thema «Black Lives Matter» soll Stauffacher bei einer Personenkontrolle im Juni 2020 mit Armen und Beinen auf einen Einsatzoffizier der Stadtpolizei Zürich eingeschlagen und diesen so an seiner Amtshandlung gehindert haben.



Anlässlich der polizeilichen Festnahme sieben Tage später durch denselben Polizeioffizier soll Stauffacher diesem Faust- und Ellbogenschläge versetzt und ihn wiederum an seiner Amtshandlung gehindert haben.

Des Weiteren wird die 71-Jährige beschuldigt, im Februar 2018 vier Polizisten während ihres Einsatzes bei einer unbewilligten Kundgebung beim türkischen Konsulat in Zürich den Mittelfinger gezeigt und sie als «Marionetten» bezeichnet zu haben. Dadurch habe Stauffacher die Polizeibeamten in ihrer Ehre angegriffen, heisst es in der Anklageschrift.

Mutmasslicher Verstoss gegen Covid-Verordnung

Ausserdem wird Stauffacher vorgeworfen, während des Frauenstreiktages am 14. Juni 2019 im Hauptbahnhof Zürich in unzulässiger Weise und inmitten von Demonstrationsteilnehmerinnen eine Rauchpetarde abgebrannt haben.

Die Bundesanwaltschaft wirft der mehrfach vorbestraften Autonomen-Anführerin zudem vor, im April 2020 verbotenerweise eine Demonstration zum Thema «Safety for all refugees» mit über 300 Personen organisiert und an dieser selber teilgenommen zu haben. Damit habe die 71-Jährige der Covid-19-Verordnung 2 zuwidergehandelt, heisst es in der Anklageschrift.

Andrea Stauffacher gilt als Leitfigur des sogenannten Revolutionären Aufbaus. Der Linksextremen wurden bereits in früheren Jahren mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht, Sachbeschädigungen sowie Aufbewahrung von Sprengstoffen angelastet.

SDA/tsha