«State of the Union»-Ansprache Drei Szenen zeigen auf, wie absurd Trumps Rede war

Petar Marjanović

25.2.2026

«State of the Union»-Ansprache: Drei Szenen zeigen auf, wie absurd Trumps Rede war

«State of the Union»-Ansprache: Drei Szenen zeigen auf, wie absurd Trumps Rede war

Mehr als zwei Stunden lang feierte Donald Trump vor dem Kongress ein Amerika, das unter seiner Führung nur noch siegt. Zwischen göttlicher Auserwähltheit, fragwürdigen Job-Rekorden und einem fast kindlichen «Nein, nein, nein».

25.02.2026

Mehr als zwei Stunden lang feierte Donald Trump vor dem Kongress ein Amerika, das unter seiner Führung nur noch siegt. Zwischen göttlicher Auserwähltheit, fragwürdigen Job-Rekorden und einem fast kindlichen «Nein, nein, nein» geriet die Rede zur Selbstinszenierung.

Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In der Nacht auf Mittwoch pries Donald Trump vor dem Kongress ein Amerika, das unter seiner Führung nur noch «gewinnt», und stilisierte die USA am Ende gar zur von Gott auserwählten Nation.
  • Seine wirtschaftlichen Superlative blendeten aus, dass die Arbeitslosigkeit zuletzt stieg – besonders bei Jugendlichen.
  • Für Symbolik sorgten ein pathetisches «Nein, nein, nein» samt Eishockey-Team als Beweis fürs «Gewinnen» und der Scherz, er würde sich die höchste Militärmedaille am liebsten selbst verleihen.

In der Nacht auf Mittwoch trat Donald Trump vor den Kongress. Mehr als zwei Stunden sprach er über ein Amerika, das unter seiner Führung nur noch siege. Drei Szenen blieben besonders haften – wegen ihres Pathos, ihrer Übertreibung und ihrer Selbstinszenierung.

Da war etwa das Ende der Rede: «Und wenn Gott eine Nation braucht, um seine Wunder zu vollbringen, dann weiss er genau, wen er fragen muss. Es gibt keine Herausforderung, die Amerikaner nicht überwinden können, keine Grenze zu gross, kein Traum zu kühn, kein Horizont zu fern.»

«Und wenn Gott eine Nation braucht, um seine Wunder zu vollbringen, dann weiss er genau, wen er fragen muss.»

President Donald Trump delivers the State of the Union address to a joint session of Congress in the House chamber at the U.S. Capitol in Washington, Tuesday, Feb. 24, 2026. (AP Photo/Matt Rourke)

Donald Trump

US-Präsident

Er zeichnete die USA als auserwählte Nation. Damit griff er den amerikanischen Exzeptionalismus auf – die historisch gewachsene Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten einzigartig seien und eine besondere Mission hätten. Trump lud dieses Selbstbild religiös auf und stellte es an das Ende seiner Rede.

Trump ignoriert Arbeitslosigkeit

Zuvor hatte er ausführlich über die Wirtschaft gesprochen. «Mehr Amerikaner arbeiten heute als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes. Denken Sie darüber nach: mehr als zu irgendeinem Zeitpunkt in unserer Geschichte. Und hundert Prozent aller unter meiner Regierung geschaffenen Jobs sind im Privatsektor entstanden», sagte er.

Er reihte Superlative aneinander. Doch die Realität wirkt weniger rosig: Die Arbeitslosigkeit ist nicht historisch tief, sondern zuletzt gestiegen. Besonders deutlich nahm die Jugendarbeitslosigkeit zu. Diese Entwicklung erwähnte Trump nicht.

Eishockey-Team muss für Symbolik herhalten

Am klarsten zeigte sich sein Stil beim Leitmotiv vom «Gewinnen». «Der Lage unserer Union ist stark. Unser Land gewinnt wieder. Tatsächlich gewinnen wir so viel, dass wir gar nicht wissen, was wir damit anfangen sollen. Die Leute bitten mich: Bitte, bitte, bitte, Herr Präsident, wir gewinnen zu viel. Wir halten das nicht mehr aus.»

«Die Leute bitten mich: Bitte, bitte, bitte, Herr Präsident, wir gewinnen zu viel. Wir halten das nicht mehr aus.»

President Donald Trump delivers the State of the Union address to a joint session of Congress in the House chamber at the U.S. Capitol in Washington, Tuesday, Feb. 24, 2026. (

Donald Trump

US-Präsident

Kurz darauf steigerte er sich weiter hinein: «Wir sind es in unserem Land nicht gewohnt zu gewinnen. Bis Sie kamen, haben wir immer nur verloren, aber jetzt gewinnen wir zu viel. Und ich sage: Nein, nein, nein, ihr werdet wieder gewinnen. Ihr werdet gross gewinnen. Ihr werdet grösser gewinnen als je zuvor.»

Trump sprach diese Passage fast wie zu einem Kind. Das wiederholte «Nein, nein, nein» klang infantil. Dieselbe Formulierung hatte er bereits am Weltwirtschaftsforum benutzt.

«Und ich sage: Nein, nein, nein, ihr werdet wieder gewinnen.»

President Donald Trump delivers the State of the Union address to a joint session of Congress in the House chamber at the U.S. Capitol in Washington, Tuesday, Feb. 24, 2026. (

Donald Trump

US-Präsident

Absurd wirkte nicht nur der Ton, sondern auch die Szene, die folgte: Als Beleg für das «Gewinnen» holte er das Männer-Eishockeyteam mit der Goldmedaille in den Saal. «Sie haben ein fantastisches kanadisches Team in der Verlängerung geschlagen, wie alle gesehen haben – genauso wie die amerikanischen Frauen, die bald ins Weisse Haus kommen werden», sagte er. Im Saal ertönte «USA».

Das US-Männer-Eishockeyteam gewann an der Winterolympiade eine Goldmedaille.
Das US-Männer-Eishockeyteam gewann an der Winterolympiade eine Goldmedaille.
KEYSTONE

Trump will sich selbst mit Medaille ehren

In der Rede setzte er noch einen persönlichen Akzent: «Ich wollte schon immer die Congressional Medal of Honor, aber man hat mir gesagt, ich dürfe sie mir nicht selbst verleihen. Und ich wüsste auch nicht, wofür ich sie bekommen sollte. Aber wenn sie dieses Gesetz jemals ändern, werde ich eines Tages mit euch dort stehen.»

«Ich wollte schon immer die Congressional Medal of Honor, aber man hat mir gesagt, ich dürfe sie mir nicht selbst verleihen.»

President Donald Trump delivers the State of the Union address to a joint session of Congress in the House chamber at the U.S. Capitol in Washington, Tuesday, Feb. 24, 2026. (

Donald Trump

US-Präsident

Im Vergleich dazu wirkt die Schweizer Regierung erfrischend langweilig, wenn sie dem Parlament einen Rechenschaftsbericht ablegt: Der Bundesrat tat dies zuletzt auf rund 200 nüchternen Seiten.