Trump fährt Frontalattacke gegen mutmassliches Missbrauchsopfer

AFP

21.9.2018 - 18:01

US-Präsident Donald Trump hat erstmals die Professorin direkt angegriffen, die seinem Gerichtskandidaten Brett Kavanaugh versuchte Vergewaltigung vorwirft.

Trump stellte am Freitag die Glaubwürdigkeit von Christine Blasey Ford massiv in Frage, nach deren Schilderung Kavanaugh Anfang der achtziger Jahre bei einer Teenager-Party über sie hergefallen sein soll.

Er habe «keinen Zweifel», dass Ford oder ihre «liebenden Eltern» damals unverzüglich Anzeige erstattet hätten, wenn der Angriff «so schlimm» gewesen wäre wie von der Psychologieprofessorin geschildert, schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er forderte die Wissenschaftlerin auf, Dokumente über eine solche Anzeige vorzulegen, «so dass wir Datum, Zeit und Ort erfahren können».

Stellt die Glaubwürdigkeit jener Frau in Frage, die seinem Wunschkandidaten für den Supreme Court sexuelle Übergriffe vorwirft: US-Präsident Donald Trump.
Evan Vucci/AP

Aus Fords Schilderungen geht allerdings hervor, dass eine solche Anzeige damals offensichtlich nicht erstattet worden war. Die heute 51-Jährige hatte sich erst vor wenigen Tagen mit ihrer Anschuldigung gegen den Kandidaten für das Oberste Gericht an die Öffentlichkeit gewandt. Kavanaugh weist ihren Vorwurf scharf zurück.

Fords Anwälte stehen derzeit in Gesprächen mit dem Justizausschuss des Senats darüber, unter welchen Bedingungen sie in der kommenden Woche vor dem Gremium aussagen könnte. Die Kongresskammer spielt bei der Nominierung des Richters eine entscheidende Rolle. Ohne Zustimmung des Senats kann Kavanaugh den Posten auf Lebenszeit am mächtigen Supreme Court nicht antreten.

Blasey Ford im Jahrbuch der Univerity of North Carolina in Chapel Hill.

Trump hatte sich in den vergangenen Tagen mit Angriffen auf Ford noch zurückgehalten und sich vor allem darauf konzentriert, seinen Gerichtskandidaten anzupreisen. Nun aber prangerte er auch die von Ford über ihre Anwälte erhobene Forderung an, die Bundespolizei FBI solle den von ihr erhobenen Vorwurf untersuchen.

«Radikale linke Anwälte» wollten jetzt eine FBI-Untersuchung, twitterte Trump und fügte hinzu: «Warum hat nicht jemand das FBI vor 36 Jahren angerufen?» Auch die oppositionellen Demokraten haben eine FBI-Untersuchung gefordert.

Trump rühmte Kavanaugh erneut als «feinen Mann» von «tadelloser Reputation». Der Richter werde von «Politikern des radikalen linken Flügels» attackiert, denen es lediglich darum gehe, «zu zerstören und verzögern».

Der Streit um den Supreme-Court-Kandidaten spielt sich vor dem Hintergrund der Anfang November stattfindenden Kongresswahlen statt. Die Demokraten haben dabei Chancen, Trumps Republikanischer Partei ihre Mehrheiten in beiden Kongreyysskammern abzuringen. Deswegen wollen führende Republikaner im Senat die Beförderung des erzkonservativen Kavanaugh in das höchstricherliche Amt möglichst zügig durchziehen.

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