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Russland installiert Flugabwehr um AKW Saporischschja +++ Explosion auf russischem Stützpunkt auf der Krim 

Agenturen/red.

9.8.2022

Russische Rakete bringt iranischen Satelliten ins All

Russische Rakete bringt iranischen Satelliten ins All

STORY: Der iranische Satellit «Chayyam» ist am Dienstag an Bord einer russischen Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur aus ins All gestartet. Laut Angaben der islamischen Republik handelt es sich um einen Forschungssatelliten, der unter anderem Erkenntnisse zu Strahlung und Umweltdaten für die Landwirtschaft liefern soll. Vorwürfe, Russland könne den Satelliten für Aufklärungszwecke im Krieg mit der Ukraine nutzen, hat die Regierung in Teheran zurückgewiesen. Die US-Regierung fürchtet zudem, der Satellit könne auch dem Iran bei der Identifizierung potenzieller Militärziele, unter anderem in Israel, helfen. In Washington wird die Weltraum-Kooperation zwischen Russland und dem Iran insgesamt skeptisch gesehen. Vor drei Wochen hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den Iran besucht. Es war seine erste Auslandsreise ausserhalb der ehemaligen Sowjet-Staaten seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Russland und Iran sind beide von Sanktionen des Westens betroffen.

09.08.2022

Eine Explosion erschüttert einen russischen Stützpunkt auf der Krim, eine Person stirbt. Unterdessen installiert Russland ein Flugabwehrsystem um das besetzte ukrainische AKW Saporischschja. Die Ereignisse des Tages im Überblick.

Agenturen/red.

9.8.2022

Nach dem mehrfachen Beschuss von Europas grösstem Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine rüstet Russland die von ihm besetzte Anlage mit einer eigener Flugabwehr aus.

«Die Luftabwehrsysteme des Kraftwerks werden verstärkt», sagte der Chef der von Moskau eingesetzten Militärverwaltung in der Region, Jewgeni Balizki, am Dienstag im russischen Staatsfernsehen. Das unter russischer Kontrolle stehende AKW im Süden der Ukraine wurde in den vergangenen Tagen mehrfach mit Raketen beschossen, was international Sorgen um die Sicherheit der Anlagen auslöste.

Moskau und Kiew weisen sich gegenseitig die Schuld für die Angriffe zu. Auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim explodierte am Dienstag lokalen und Moskauer Angaben nach ein Munitionsdepot auf einem Luftwaffenstützpunkt.

Russische Militärverwaltung: AKW arbeitet normal

Nach Angaben der russischen Militärverwaltung arbeitet das Atomkraftwerk Saporischschja derzeit normal. Stromleitungen und beschädigte Blöcke des Meilers seien repariert worden, sagte Behördenchef Balizki. Saporischschja ist das leistungsstärkste Atomkraftwerk in Europa. Bis zum Beschuss am Wochenende waren laut ukrainischen Angaben noch drei von sechs Blöcken in Betrieb. UN-Generalsekretär António Guterres hatte verlangt, Experten der Internationalen Atomenergie-Behörde Zugang zu der Anlage zu gewähren, was Russland aber bislang ablehnt.

Explosion auf Halbinsel Krim auf Luftwaffenstützpunkt

Auf der von Russland annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist lokalen und Moskauer Angaben zufolge ein Munitionsdepot auf einem Luftwaffenstützpunkt explodiert. In sozialen Netzwerken kursierende Videos zeigten am Dienstag zudem Explosionen und grosse Rauchwolken, die bei dem Ort Nowofjodorowka unweit des Badeortes Jewpatorija aufgenommen worden sein sollen. Ein Mensch sei getötet worden, teilte Krim-Chef Sergej Aksjonow nach Angaben russischer Agenturen mit. Erst hatte es geheissen, dass es keine Opfer gebe.

Touristen verliessen das Gebiet fluchtartig. Aksjonow sagte, dass ein Bereich im Radius von fünf Kilometern rund um den Stützpunkt abgesperrt werde. Zur Ursache der Explosion äusserte er sich nicht. Beobachter gingen von einem Sabotageakt aus, da die ukrainischen Truppen über 200 Kilometer entfernt sind. Bisherigen Berichten zufolge verfügt die ukrainische Armee derzeit nicht über Raketen mit dieser Reichweite. Eine Quelle im russischen Verteidigungsministerium nannte einen Verstoss gegen Brandschutzregeln auf dem Stützpunkt als wahrscheinlichste Ursache. Es gebe keinen Hinweis auf eine Einwirkung von aussen.

Russland hatte die Krim im Jahr 2014 annektiert. Im Zuge des Ende Februar begonnenen Angriffskriegs forderte Moskau wiederholt die Anerkennung der Krim als russisches Staatsgebiet — was Kiew klar ablehnt. Auch international wird die Halbinsel mit ihren über zwei Millionen Einwohnern weiterhin als ukrainisches Territorium angesehen.

Geheimdienste: Russland auf Verteidigung in Süd-Ukraine fokussiert

Laut britischer Militärexperten haben die russischen Truppen ihre Bemühungen in den vergangenen Tagen darauf konzentriert, eine ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes abzuwehren. Trotzdem seien die russischen Angriffe in der östlichen Region Donezk weitergeführt worden, hiess es im täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministeriums in London.

Weitere Getreidetransporte auf dem Weg

Im Zuge der Wiederaufnahme von Getreide-Exporten aus der Ukraine legten in der Hafenstadt Tschornomorsk zwei weitere Schiffe ab. Insgesamt werden von den beiden Frachtern über 70 000 Tonnen Lebensmittel durch einen Sicherheitskorridor im Schwarzen Meer transportiert, wie das ukrainische Infrastrukturministerium am Dienstag mitteilte. Im Juli hatten die Kriegsparteien Abkommen mit der Türkei und der UN für den Export von Agrarprodukten und Dünger aus drei ukrainischen Schwarzmeerhäfen abgeschlossen.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Auf der von Russland annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist lokalen und Moskauer Angaben zufolge ein Munitionsdepot auf einem Luftwaffenstützpunkt explodiert.
  • Die Regierungen von Estland und Finnland haben andere europäische Länder zu einem Verbot von Touristenvisa für Russen aufgefordert.
  • Nach mehrfachem Beschuss des südukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja stationieren die russischen Besatzungstruppen eigenen Angaben zufolge Luftabwehrsysteme rund um die Anlage.
  • Nach dem Beschuss des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja hat das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bisher keine Hinweise auf freigesetzte Radioaktivität.
  • Mehrere ausländische Schiffe mit Getreide an Bord haben in den vergangenen Tagen ukrainische Schwarzmeerhäfen verlassen können.
  • Mit einem Appell zur Abschaffung aller Atomwaffen in der Welt hat die japanische Stadt Nagasaki der Opfer des Atombombenabwurfs vor 77 Jahren gedacht.
  • Hier geht es zu den Ereignissen vom Montag.
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  • 21.02 Uhr
    Biden betont Stärke der Nato

    US-Präsident Joe Biden hat mit Blick auf den geplanten Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens die Stärke der Allianz betont. «Unser Bündnis ist enger denn je. Es ist geeinter denn je. Und wenn Finnland und Schweden die Zahl der Verbündeten auf 32 erhöhen, werden wir stärker sein als je zuvor», sagte Biden bei der Unterzeichnung der US-Ratifizierungsurkunden für den Beitritt. Mit überraschend breiter Mehrheit hatten in der vergangenen Woche Demokraten und Republikaner im US-Senat für die Nato-Norderweiterung gestimmt. Sie sind nach Angaben aus Washington der 23. der 30 Nato-Mitgliedstaaten, der dem Beitritt zugestimmt hat.

    US-Präsident Joe Biden hat anlässlich des Beitritts von Finnland und Schweden die Stärke der Nato betont. (Archivbild)
    US-Präsident Joe Biden hat anlässlich des Beitritts von Finnland und Schweden die Stärke der Nato betont. (Archivbild)
    Bild: Keystone/AP/Susan Walsh

    «In einer Zeit, in der Putins Russland den Frieden und die Sicherheit in Europa erschüttert hat, in der Autokraten die Grundlagen einer regelbasierten Ordnung in Frage stellen, sind die Stärke des transatlantischen Bündnisses und Amerikas Engagement für die Nato wichtiger denn je», sagte Biden weiter. «Putin dachte, er könne uns auseinanderbringen. Stattdessen bekommt er jetzt genau das, was er nicht wollte.» Biden forderte die übrigen Verbündeten auf, ihre eigenen Ratifizierungsprozesse so schnell wie möglich abzuschliessen.

    Finnland und Schweden hatten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Aufnahme in das westliche Verteidigungsbündnis beantragt. Bevor die Beitrittsprotokolle in Kraft treten können, müssen sie von den 30 Nato-Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Noch offen ist, ob sich die Türkei anschliessen wird — sie hatte den Beitrittsprozess zunächst als einziges Land blockiert.

  • 20.37 Uhr
    EDF will Entschädigung für Schritt gegen Strompreisanstieg

    Der französische Energiekonzern EDF verlangt vom Staat Entschädigung für Massnahmen gegen den Strompreisanstieg. Das Unternehmen teilte mit, eine entsprechende Forderung um bislang geschätzte 8,34 Milliarden Euro (rund 8,12 Milliarden Franken) beim Staat eingereicht zu haben.

    Auch den Staatsrat habe man eingeschaltet. EDF befindet sich mehrheitlich in Staatshand und soll nach dem Willen der Regierung bald wieder vollständig nationalisiert werden.

    Der französische Energiekonzern EDF verlangt vom Staat Entschädigung für Massnahmen gegen den Strompreisanstieg.
    Der französische Energiekonzern EDF verlangt vom Staat Entschädigung für Massnahmen gegen den Strompreisanstieg.
    KEYSTONE/AP/JACQUES BRINON (Archivbild)

    Die französische Regierung hatte den Konzern zu Jahresbeginn verpflichtet, eine höhere Menge Atomstrom zu festgelegtem Preis an Konkurrenten zu verkaufen. Das sollte den Strompreis auch bei denjenigen Menschen deckeln, die Strom nicht direkt von EDF beziehen. Der Energieriese hatte noch im Januar angekündigt, der Schritt könne das Ebitda in diesem Jahr um bis zu 8,4 Milliarden Euro drücken.

  • 19.50 Uhr
    Lettland verlängert erneut Ausnahmezustand an der Grenze zu Belarus

    Lettland hat den Ausnahmezustand an der Grenze zu Belarus bis zum 10. November verlängert. Dies beschloss die Regierung in Riga. Der Ausnahmezustand gilt bereits seit fast genau einem Jahr. Er wurde im August 2021 beschlossen, weil Tausende Migranten über die EU-Aussengrenzen nach Polen oder in die baltischen Staaten gelangen wollten. Die Europäische Union wirft den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, in organisierter Form Migranten aus Krisenregionen an die EU-Aussengrenze zu bringen.

    Der lettische Grenzschutz soll mit der Verlängerung des Ausnahmezustands ermächtigt bleiben, illegal aus Belarus eingereiste Migranten zurückzuschicken. Nach Angaben des Innenministeriums in Riga ist die Zahl der illegalen Grenzübertritte zuletzt zurückgegangen. Dennoch müsse sich der Grenzschutz weiter mit Migranten auseinandersetzen, die versuchten, von Belarus aus nach Lettland zu gelangen. Ein weiterer wichtiger Faktor für die erneute Verlängerung des Ausnahmezustands sei auch Russlands Krieg in der Ukraine, hiess es. Lettland grenzt an Russland und dessen autoritär regierten Verbündeten Belarus.

    Nach offiziellen Angaben wurden in Lettland seit Ausrufung des Ausnahmezustands fast 6'800 Versuche von Migranten verhindert, die Grenze illegal zu überqueren.

  • 19.29 Uhr
    Ukraine bringt 3000 Zivilisten aus Region Donezk in Sicherheit

    Die Ukraine hat mehr als 3000 Zivilisten aus der schwer umkämpften Region Donezk im Osten des Landes fortgebracht. In den vergangenen sechs Tagen seien mehr als 3000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, darunter fast 600 Kinder und 1400 Frauen, erklärte der Vizechef der Präsidialverwaltung, Kyrylo Timoschenko. Die Evakuierung dauere an.

    Laut Timoschenko haben seit der russischen Invasion im Februar 1,3 Millionen Menschen die Region verlassen. Viele der nach ukrainischen Angaben noch verbliebenen rund 350'000 Bewohner — darunter 50'000 Kinder — zögern jedoch, da ihnen die Mittel zum Neuanfang fehlen und sie nicht wissen, wohin sie gehen sollen.

    Ende Juli hatte Kiew eine verpflichtende Evakuierung der Bewohner angekündigt. Angesichts des bevorstehenden Winters und fehlender Heizmöglichkeiten hatte die ukrainische Regierung ihre Bemühungen seit Juli verstärkt, noch mehr Menschen in Sicherheit zu bringen.

    Unmittelbar vor Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar hatte der russische Staatschef Wladimir Putin die Unabhängigkeit der beiden selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine anerkannt. Dort kämpfen pro-russische Separatisten bereits seit 2014 gegen ukrainische Streitkräfte.

  • 18.44 Uhr
    Website des finnischen Parlaments wegen Cyberangriff über Stunden nicht erreichbar

    Die Internetseite des finnischen Parlaments ist nach einem Cyberangriff vorübergehend lahmgelegt worden. Gegen 14.30 Uhr (Ortszeit) sei ein sogenannter Denial-of-Service-Angriff auf die Seite verübt worden, teilte die Parlamentsverwaltung auf Twitter mit. Man arbeite unter anderem mit Sicherheitsspezialisten daran, den Schaden zu begrenzen.

    Bei Denial-of-Service-Angriffen ist der betroffene Server durch eine künstlich erhöhte hohe Nachfrage nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr erreichbar. Am Abend war die Seite des finnischen Parlaments weiterhin nicht aufzurufen.

    Dem finnischen Sender Yle zufolge sollen russische Hacker hinter dem Angriff stecken: Auf Telegram schrieb das russische Kollektiv «NoName057(16)», man habe sich entschlossen, dem Nachbarn Finnland einen «freundschaftlichen Besuch» abzustatten, der so darauf bedacht sei, der Nato beizutreten.

    Das finnische Parlament hat im Mai für den Beitritt Finnlands zu dem Militärbündnis gestimmt. Damit reagierte das Land auf eine veränderte Sicherheitslage durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

  • 18.19 Uhr
    Scholz warnt: Energiereise werden so schnell nicht wieder sinken

    Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich angesichts der hohen Energiepreise für die Entwicklung neuer Technologien zum Energiesparen ausgesprochen. Die Preise «werden nicht so schnell wieder sinken, wie wir uns das vorstellen», sagte Scholz beim Besuch einer Heiztechnikfirma im nordhessischen Allendorf. Für den Klimaschutz, aber auch die Wahrung des Wohlstands und der Unabhängigkeit von Ländern wie Russland brauche es daher Einsparungen.

    Den Klimaschutz bezeichnete Scholz als «ein wichtiges Vorhaben für uns in Deutschland, in Europa, für die Welt». Denn «wenn wir es nicht schaffen, den menschengemachten Klimawandel aufzuhalten, dann werden wir keine lebenswerte Zukunft mehr haben».

    Neben dem Klima gehe es aber auch darum, «dass das Leben bezahlbar bleibt». Denn die Nutzung fossiler Ressourcen «wird immer mehr finanzielle Aufwendungen kosten». Scholz verwies hier insbesondere auf Gas und «die russischen Restriktionen, die wir gegenwärtig erleben».

    Energieeinsparungen brauche es daher auch, um sich von Ländern wie Russland unabhängig zu machen. «Wir merken gerade, was es bedeutet, wenn man praktisch alles das, was man an Energie einsetzt, mehr oder weniger importiert», sagte der Kanzler. Das gelte neben Gas im übrigen auch für Atomenergie, wo Brennstoffe im Ausland eingekauft werden müssten.

  • 17.38 Uhr
    Moskau stellt Zugang zu besetztem AKW in Ukraine in Aussicht
    Generalsekretär António Guterres hatte den Beschuss des Kernkraftwerks Saporischschja «selbstmörderisch» genannt und internationalen Zugang zum Gelände gefordert.  (Archivbild)
    Generalsekretär António Guterres hatte den Beschuss des Kernkraftwerks Saporischschja «selbstmörderisch» genannt und internationalen Zugang zum Gelände gefordert.  (Archivbild)
    Bild: Andrey Borodulin/AFP via Getty Images

    Russland will eigenen Angaben zufolge einen Besuch der Internationalen Atombehörde im kürzlich beschossenen Kernkraftwerk Saporischschja im von eigenen Truppen besetzten Süden der Ukraine ermöglichen. «Von unserer Seite aus sind wir bereit, maximal mögliche Unterstützung zur Lösung organisatorischer Fragen zu leisten», teilte das russische Aussenministerium am Dienstag mit. Zugleich beschuldigte Moskau die Vereinten Nationen, eine bereits geplante Inspektionsreise angeblich abgesagt und damit eine neue Eskalation herbeigeführt zu haben.

    Das in der Stadt Enerhodar gelegene AKW Saporischschja war am vergangenen Wochenende mehrfach beschossen und teils beschädigt worden. Die kritische Infrastruktur soll aber weiter intakt sein. Russland und die Ukraine geben sich gegenseitig die Schuld. Unabhängig zu überprüfen sind die Vorwürfe bislang nicht.

  • 16.16 Uhr
    Keine Opfer bei Explosionen auf annektierter Halbinsel Krim

    Auf der von Russland annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist lokalen und Moskauer Angaben zufolge ein Munitionsdepot auf einem Luftwaffenstützpunkt explodiert.

    In sozialen Netzen kursierende Videos zeigten am Dienstag zudem Explosionen und grosse Rauchwolken, die bei dem Ort Nowofjodorowka unweit des Badeortes Feodossija aufgenommen worden sein sollen. Es gebe keine Opfer, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Das Munitionslager sei weder beschossen noch bombardiert worden, zitierten russische Nachrichtenagenturen die russische Armee.

    Touristen verliessen das Gebiet fluchtartig. Krim-Chef Sergej Aksjonow teilte mit, dass ein Bereich im Radius von fünf Kilometern rund um den Stützpunkt abgesperrt werde. Zur Ursache der Explosion äusserte er sich nicht. Beobachter gingen von einem Sabotageakt aus, da die ukrainischen Truppen über 200 Kilometer entfernt sind. Bisherigen Berichten zufolge verfügt die ukrainische Armee derzeit nicht über Raketen mit dieser Reichweite.

  • 15.54 Uhr
    Grosse Explosion auf russischer Militärbasis

    Drei lokale Zeugen bestätigen gegenüber Reuters, dass es am Dienstag beim russischen Luftwaffenstützpunkt in Novofiedorovka auf der Westkrim zu einer Explosion kam. 

    Der Militärflugplatz befindet sich etwa 60 Kilometer nördlich von Sewastopol auf der Westseite der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim nahe der Stadt Saky. Derzeit ist noch völlig unklar, was die Explosion ausgelöst haben könnte.

  • 15.10 Uhr
    Kreml kritisiert Selenskyjs Forderung nach Reisebann für Russen

    Der Kreml hat die Forderung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach einem Reisebann westlicher Länder für alle Russen als völlig überzogen kritisiert. «Die Irrationalität des Gedankengangs übersteigt jedes Mass» und könne in Moskau nur «extrem negativ» aufgenommen werden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag vor Reportern. Jeder Versuch, Russen oder Russland zu isolieren, sei aussichtslos.

    Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte am Montag der Zeitung «Washington Post» gesagt, dass die vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen nicht ausreichten und dass der Westen seine Grenzen für russische Bürger schliessen solle. Die Russinnen und Russen sollten unabhängig von ihrer politischen Einstellung «in ihrer eigenen Welt leben, bis sie ihre Philosophie ändern», sagte Selenskyj der Zeitung.

    Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kritisiert Selenskyjs Aussagen bezüglich Reisebann. 
    Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kritisiert Selenskyjs Aussagen bezüglich Reisebann. 
    KEYSTONE/AP Photo/Alexander Zemlianichenko

    Nach dem Aufruf forderte Estlands Ministerpräsidentin Kaja Kallas am Dienstag auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter europäische Länder auf, keine Touristenvisa mehr für Russen auszustellen. Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew warf Kallas daraufhin «Nazi»-Äusserungen vor.

  • 14.40 Uhr
    Kiew erhält 50 türkische Militärtransporter

    Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge 50 Militärtransporter von der Türkei erhalten. Weitere 150 sollen folgen, wie ukrainische Medien berichteten.

    Die gepanzerten Mannschaftstransporter vom Typ Kirpi sind mit Allradantrieb ausgestattet und können neben der Besatzung zwölf Soldaten transportieren. Bei der Abwehr russischer Angriffe ist die Ukraine stark auf internationale Militärhilfe angewiesen, ihr wichtigster Waffenlieferant sind die USA.

    Die Türkei unterhält enge Beziehungen zur angegriffenen Ukraine – aber auch zu Russland. So gehörte sie zu den Vermittlern im Streit um monatelang in der Ukraine blockierte Getreideexporte. Die Mediation endete Ende Juli mit der Einigung auf ein Abkommen, das den Export von Lebensmitteln aus drei ukrainischen Häfen vorsieht.

  • 13.24 Uhr
    Staatsunternehmen Transneft stellt Öl-Lieferungen durch Ukraine ein

    Durch die Druschba-Pipeline fliesst nach Angaben der Betreiberfirma seit Donnerstag kein russisches Erdöl mehr durch die Ukraine nach Europa. Die Lieferungen seien eingestellt worden, nachdem eine Banktransaktion aufgrund westlicher Sanktionen gegen Russland abgelehnt worden sei, erklärte das russische Staatsunternehmen Transneft am Dienstag. Über die Leitung werden vor allem Ungarn, die Slowakei und Tschechien versorgt.

    Hauptsitz des russischen Staatsunternehmens Transneft in Moskau. 
    Hauptsitz des russischen Staatsunternehmens Transneft in Moskau. 
    KEYSTONE/EPA/YURI KOCHETKOV
  • 13.10 Uhr
    Estland und Finnland fordern Verbot von Touristenvisa für Russen

    Die Regierungen von Estland und Finnland haben andere europäische Länder zu einem Verbot von Touristenvisa für Russen aufgefordert. Es sollte Menschen aus Russland nicht gestattet sein, in Europa Urlaub zu machen, während Russland in der Ukraine einen Krieg führt, argumentierten die Regierungschefinnen von Estland, Kaja Kallas, und Finnland, Sanna Marin.

    «Europa zu besuchen ist ein Privileg, kein Menschenrecht», schrieb Kallas am Dienstag bei Twitter. Marin hatte dem finnischen Sender YLE am Montag gesagt, es sei ein Unding, dass trotz des «brutalen Aggressionskriegs in Europa» Menschen aus Russland «ein normales Leben leben, in Europa reisen, Touristen sein können».

    Die EU hat nach dem Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine den Luftverkehr aus Russland verboten. Doch ist es noch möglich, von Russland aus auf dem Landweg nach Estland und Finnland zu reisen, die auch zur EU gehören. Von dort aus fliegen Russen offenbar zu anderen Zielen in Europa.

    Einige EU-Länder geben bereits keine Visa mehr für Russen aus, darunter Lettland. Über das Thema soll YLE zufolge bei einem Treffen der EU-Aussenminister am 31. August gesprochen werden.

  • 12.50 Uhr
    Weitere 70'000 Tonnen Getreide verlassen ukrainischen Schwarzmeer-Hafen

    Zwei weitere Schiffe mit insgesamt rund 70'000 Tonnen Getreide an Bord haben den ukrainischen Schwarzmeer-Hafen Tschornomorsk in Odessa verlassen. «Das Schiff Rahmi Yaggi wird 5300 Tonnen in die Türkei liefern, und fast 65'000 Tonnen Mais werden vom Frachter Ocean Lion nach Südkorea geliefert», teilte das ukrainische Ministerium für Infrastruktur am Dienstag über den Onlinedienst Telegram mit.

    Wegen des russischen Angriffskrieges waren in den vergangenen Monaten alle Getreide-Exporte der Ukraine aus ihren Schwarzmeer-Häfen blockiert, was zu einer Lebensmittelkrise weltweit beigetragen hatte. Erst kürzlich einigten sich Russland, die Ukraine, die Türkei und die UNO auf ein Abkommen, um die Blockade zu überwinden.

    In den vergangenen Tagen hatten dadurch bereits mehrere Schiffe die Ukraine mit Getreidelieferungen verlassen können. Das erste Frachtschiff, das die Ukraine verlassen hat, sorgt aktuell für Spekulationen, da es von seiner ursprünglichen Route abgewichen ist. 

    Menschen in Odessa winken am 5. August einem Frachtschiff zu, das den Schwarzmeer-Hafen verlässt. Zu sehen ist die «Navi Star», die 33'000 Tonnen Mais nach Irland bringt. 
    Menschen in Odessa winken am 5. August einem Frachtschiff zu, das den Schwarzmeer-Hafen verlässt. Zu sehen ist die «Navi Star», die 33'000 Tonnen Mais nach Irland bringt. 
    Bild: Keystone/EPA/STR
  • 12.22 Uhr
    116 Personen mehr haben seit gestern Status S erhalten

    Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat die neusten Zahlen zur Situation der ukrainischen Geflüchteten publiziert: Insgesamt haben bis jetzt 59'829 Personen den Status S, bis heute sind 61'828 Gesuche gestellt worden.

  • 10.40 Uhr
    Russische Truppen stationieren Luftabwehr um Atomkraftwerk

    Nach mehrfachem Beschuss des südukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja stationieren die russischen Besatzungstruppen eigenen Angaben zufolge Luftabwehrsysteme rund um die Anlage. «Die Luftabwehrsysteme des Kraftwerks werden verstärkt», sagte der Chef der von Moskau eingesetzten Militärverwaltung in der Region, Jewgeni Balizki, am Dienstag im russischen Staatsfernsehen. Moskau und Kiew hatten sich in den vergangenen Tagen wiederholt gegenseitig für Angriffe auf das AKW verantwortlich gemacht. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen.

    Russische Truppen haben nach eigenen Angaben die Luftabwehr rund um das Atomkraftwerk Saporischschja verstärkt. 
    Russische Truppen haben nach eigenen Angaben die Luftabwehr rund um das Atomkraftwerk Saporischschja verstärkt. 
    Bild: Keystone/Russian Defense Ministry Press Service via AP

    Balizkis Angaben zufolge arbeitet das Kraftwerk derzeit normal. Die Stromleitungen und beschädigten Blöcke des Meilers seien repariert, sagte er. Das Atomkraftwerk Saporischschja verfügt über insgesamt sechs Blöcke mit einer Gesamtleistung von 5700 Megawatt. Damit ist es das leistungsstärkste Kernkraftwerk in Europa. Bis zum Beschuss am Wochenende waren davon laut ukrainischen Angaben noch drei Blöcke in Betrieb.

  • 10.10 Uhr
    London: Russland fokussiert sich auf Verteidigung in Süd-Ukraine

    Die russischen Invasionstruppen in der Ukraine haben nach Angaben britischer Militärexperten ihre Bemühungen in den vergangenen Tagen darauf konzentriert, eine ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes abzuwehren.

    Trotzdem seien die russischen Angriffe in der östlichen Region Donezk weitergeführt worden, hiess es in dem täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministeriums in London am Dienstag.

    Die Fortschritte der russischen Aggressoren seien weiterhin begrenzt, so das Fazit der britischen Experten. Den grössten Erfolg in den vergangenen 30 Tagen haben die Russen demnach beim Vorrücken auf die Stadt Bachmut erreicht. Doch auch dort sei die Frontlinie in diesem Zeitraum um gerade einmal zehn Kilometer verschoben worden. In anderen Gebieten seien es nur drei Kilometer gewesen.

    Als Grund dafür sehen die Briten unter anderem Personalmangel bei den Russen. «Trotz des weiterhin starken Einsatzes von Artillerie in diesen Gebieten, war Russland nicht in der Lage, fähige Infanterie-Kampftruppen in ausreichender Zahl aufzubringen, um grössere Gebietsgewinne zu sichern», hiess es.

  • 9.30 Uhr
    Russland schiesst neuen Überwachungssatelliten ins All

    Russland hat für den Iran einen militärischen Überwachungssatelliten ins All geschossen. Der Start ist laut der Raumfahrtbehörde Roskosmos am Morgen auf dem russischen Weltraumbahnhof Baikonur erfolgt, wie die Agentur Interfax am Dienstag berichtete. Nach Medienangaben will Moskau den Satelliten zunächst für seinen Krieg in der Ukraine selbst nutzen.

    Die Sojus-Rakete hat am Morgen insgesamt 17 Sonden ins All gebracht. Die grösste davon ist der Überwachungssatellit für den Iran «Chayyam» - benannt nach einem persischen Mathematiker und Astronomen Omar Chayyam - den Russland im Auftrag von Teheran gebaut hat.

    Das Kosmodrom Baikonur, der weltgrösste Weltraumbahnhof in Kasachstan, von dem die russischen Überwachungssatelliten gestartet sind. (Archivbild)
    Das Kosmodrom Baikonur, der weltgrösste Weltraumbahnhof in Kasachstan, von dem die russischen Überwachungssatelliten gestartet sind. (Archivbild)
    KEYSTONE/EPA/ROSCOSMOS PRESS SERVICE

    Nach Angaben der «Washington Post» kann der Satellit hochauflösende Aufnahmen von der Erde machen und erhöht damit die militärischen Möglichkeiten Teherans im Persischen Golf deutlich. In den nächsten Monaten werde aber zunächst Russland selbst die Sonde im Krieg gegen die Ukraine nutzen, schrieb das Blatt. Der von Präsident Wladimir Putin im Februar befohlene Angriffskrieg gegen das Nachbarland hat Moskau nach mehr als fünf Monaten noch nicht den erhofften Erfolg gebracht.

  • 8.00 Uhr
    Rätsel um Getreidefrachter «Razoni» geht weiter

    Das mit ukrainischem Getreide beladene Frachtschiff «Razoni» hat unerwartet vor dem türkischen Hafen in Mersin geankert. Das zeigten die Schiffsortungsdienste vesselfinder.com und marinetraffic.com am Dienstag. Eigentlich sollten die 26'000 Tonnen Mais in den libanesischen Hafen Tripoli und von dort nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur weiter ins benachbarte Syrien transportiert werden. Etwa einen Tag vor Ankunft änderte das Schiff dann seinen Kurs.

    Die «Razoni» hatte den ukrainischen Schwarzmeer-Hafen Odessa vor einer Woche verlassen - als erstes Schiff nach Ende einer Getreide-Blockade Russlands. Nach einer Inspektion in Istanbul steuerte sie zuerst den Libanon an, erklärte als neues Ziel dann aber unerwartet «Order», also einen unbestimmten Ort, von dem aus ein Händler die geladene Ware dann bestellt.

    Der Getreidefrachter «Razoni» am 3. August auf seiner geplanten Route durch den Bosporus. 
    Der Getreidefrachter «Razoni» am 3. August auf seiner geplanten Route durch den Bosporus. 
    KEYSTONE/EPA/TOLGA BOZOGLU

    Seit Samstag lag die «Razoni» nahe der türkischen Küste bei Iskenderun vor Anker - und machte sich laut Marinetraffic dann in der Nacht zum Dienstag auf in Richtung des Hafens von Mersin. Der Hafenbetreiber war vorerst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

    Die ukrainische Botschaft im Libanon teilte am Montagabend unter Berufung auf die Spediteure mit, der Käufer sei abgesprungen - unter Verweis auf eine fünf Monate lange Wartezeit. 

    Libanesische Regierungsvertreter hatten der dpa zuvor gesagt, Händler hätten wohl einen Teil der erwarteten Mais-Ladung vom Libanon ins benachbarte Syrien bringen wollen. Der Export von Lebensmitteln nach Syrien ist legal, wird aber erschwert durch Finanzsanktionen des Westens gegen die syrische Regierung. 

    Beobachter im Libanon machte die grosse Ladung Mais ebenfalls stutzig, die angeblich gemahlen und an Tiere verfüttert werden sollte. 

  • 5.57 Uhr
    Nagasaki gedenkt des Atombombenabwurfs vor 77 Jahren

    Mit einem Appell zur Abschaffung aller Atomwaffen in der Welt hat die japanische Stadt Nagasaki der Opfer des Atombombenabwurfs vor 77 Jahren gedacht. Angesichts der weltweiten Sorgen, Russland könnte bei seinem Angriffskrieg in der Ukraine womöglich Atomwaffen einsetzen, forderte Bürgermeister Tomihisa Taue die Atomwaffenstaaten zum Handeln auf. Sie sollten konkrete Wege aufzeigen, die Waffen abzuschaffen, forderte Taue am Dienstag bei einer Gedenkzeremonie. Zugleich müsse sich Japan für eine atomwaffenfreie Zone in Nordostasien einsetzen, erklärte Taue.

    Um 11.02 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt, als am 9. August 1945 die von einem US-Bomber abgeworfene Atombombe «Fat Man» über Nagasaki explodierte, legten die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung eine Schweigeminute ein. Allein in Nagasaki wurden damals etwa 70'000 Menschen durch direkte Einwirkung getötet, 75'000 weitere verletzt.

    Drei Tage zuvor hatten die USA bereits Hiroshima durch eine Atombombe mit geringerer Sprengkraft verwüstet. Unter dem Eindruck der Zerstörungen kapitulierte das Kaiserreich Japan am 15. August 1945. Hiroshima und Nagasaki wurden als die ersten von einer Atombombe verwüsteten Städte weltweit als Symbol für den Frieden bekannt.

  • 5.23 Uhr
    Ukrainische Getreide-Exporte per Schiff laufen an

    Mehrere ausländische Schiffe mit Getreide an Bord haben in den vergangenen Tagen ukrainische Schwarzmeerhäfen verlassen können. Der erste Frachter namens «Razoni» wurde allerdings vom Zielhafen Tripoli im Libanon in die Türkei umgeleitet und lag laut dem Informationsdienst Marine Traffic am frühen Dienstagmorgen vor der türkischen Küste vor Anker. Im Libanon habe der Besteller die seit Kriegsausbruch verzögerte Maisfracht nicht annehmen wollen, berichteten ukrainische Medien unter Berufung auf Diplomaten.

    Vier weitere Schiffe verlassen ukrainische Häfen

    Vier weitere Schiffe verlassen ukrainische Häfen

    Vier weitere Getreidefrachter haben aus ukrainischen Häfen abgelegt Die unter anderem mit Sonnenblumenöl und Mais beladenen Schiffe seien auf dem Weg nach Istanbul.

    09.08.2022

    Die deutsche Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) warnte nach den ersten Transporten vor zu grosser Euphorie. «Die Getreidepreise sind zwar leicht gesunken, aber immer noch auf hohem Niveau», sagte sie der Düsseldorfer «Rheinischen Post» und dem Bonner «General-Anzeiger» (Dienstag). Man könne aber nicht sicher sein, ob Putin nicht «weiter Getreide als Waffe nutzen» werde. Der Krieg hatte die ukrainischen Häfen seit Februar blockiert. Im Juli vermittelten die UN und die Türkei eine Einigung auf sichere Ausfuhren des wichtigen Produzenten.

  • 2.55 Uhr
    Deutschland: Kein Hinweis auf freigesetzte Radioaktivität in Saporischschja

    Nach dem Beschuss des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja hat das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bisher keine Hinweise auf freigesetzte Radioaktivität. «Es liegen keine Hinweise vor, dass in der Ukraine radioaktive Stoffe freigesetzt worden sein könnten», teilte das Amt den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag) mit. Alle vorliegenden radiologischen Messwerte bewegten sich demnach «im normalen Bereich». «Das BfS sieht keine akute Gefahr einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen, teilt aber die Sorge um einen dauerhaft sicheren Betrieb des AKW Saporischschja.»

    Saporischschja ist das grösste AKW Europas. Die von russischen Verbänden besetzte Anlage wurde in den vergangenen Tagen mehrfach beschossen. Kiew und Moskau geben sich gegenseitig die Schuld.

  • 2.15 Uhr
    EU-Notfallplan für Gas ist in Kraft

    Der europäische Gas-Notfallplan zur Vorbereitung auf einen möglichen Stopp russischer Erdgaslieferungen ist an diesem Dienstag in Kraft getreten. Der Plan sieht vor, dass alle EU-Länder ihren Gasverbrauch von Anfang August bis März freiwillig um 15 Prozent senken.

    Als Grundlage für die Reduktion dient der Durchschnittsverbrauch der vergangenen fünf Jahre in diesem Zeitraum. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine hat Russland seine Lieferungen an die EU bereits drastisch reduziert. Insgesamt müssen nach Zahlen der EU-Kommission 45 Milliarden Kubikmeter Gas gespart werden. Deutschland müsste etwa 10 Milliarden Kubikmeter Gas weniger verbrauchen, um das 15-Prozent-Ziel zu erreichen.

    Falls nicht genug gespart wird und es weitreichende Versorgungsengpässe gibt, kann im nächsten Schritt ein EU-weiter Alarm mit verbindlichen Einsparzielen ausgelöst werden. Die Hürde dafür ist allerdings hoch: Nötig wäre die Zustimmung von mindestens 15 EU-Ländern, die zusammen mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der Union ausmachen.

    Zugleich haben mehrere Länder – etwa Spanien und Italien – für diesen Fall Ausnahmen von den verbindlichen Sparzielen ausgehandelt und wollen weniger als 15 Prozent sparen. Der Notfallplan gilt zunächst für ein Jahr.

  • 1 Uhr
    Selenskyj fordert internationalen Reisebann für Russen

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert einen internationalen Reisebann für alle Russen, um Moskau von einer Annexion besetzter Gebiete abzuhalten. «Die wichtigsten Sanktionen sind es, die Grenzen zu schliessen, denn die Russen nehmen anderen ihr Land weg», sagte er der US-Zeitung «Washington Post» in einem Interview vom Montag. Die Russen sollten «in ihrer eigenen Welt leben, bis sie ihre Philosophie ändern».

    Im russisch besetzten Teil des südukrainischen Gebiets Saporischschja wurde am Montag ein Referendum über einen Beitritt zur Russischen Förderation angekündigt. Ähnliche Pläne gibt es für das besetzte Gebiet Cherson.

    Selenskyjs Äusserungen stossen auch auf eine wachsende Diskussion in der EU, die Erteilung von Touristenvisa an Russen zu erschweren oder ganz einzustellen. Auch wenn der Reiseverkehr durch gekappte Flug- und Bahnverbindungen erschwert ist, sind doch im Sommer viele Russen trotz Krieges in die EU gereist. Russlands Nachbar Lettland im Baltikum hat bereits die Visa-Bestimmungen verschärft. Finnland erwägt dies, fordert aber eine Lösung für den ganzen Schengen-Raum.

    Nach Russlands Krieg gegen die Ukraine sollte es weder einen schwelenden noch einen eingefrorenen Konflikt geben, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. «Die Ukraine muss alles zurückbekommen, was Russland vorübergehend besetzt hat.» Nur eine offensichtliche Niederlage des Angreifers sei ein Schutz vor einem weiteren Krieg, sagte der ukrainische Präsident in Kiew.

  • 0 Uhr
    Prozess gegen Verteidiger von Azovstal – Todesstrafe gefordert

    Einer Gruppe gefangener ukrainischer Verteidiger des Stahlwerks Azovstal in Mariupol droht vor einem Gericht der von Russland kontrollierten Separatistenregion Donezk die Todesstrafe. In dem Strafprozess forderte die Staatsanwaltschaft am Montag die Höchststrafe, wie die offizielle Nachrichtenagentur der sogenannten Volksrepublik Donezk meldete. Ein Urteil solle am Mittwoch fallen.

    Das während der Belagerung von Mariupol fast vollständig zerstörte Azovstal-Stahlwerk am 13. Juni 2022.
    Das während der Belagerung von Mariupol fast vollständig zerstörte Azovstal-Stahlwerk am 13. Juni 2022.
    Bild: Keystone/Russian Defense Ministry Press Service via AP

    Den Angeklagten, deren genaue Zahl nicht genannt wurde, werde die Tötung von mehr als 100 Menschen zur Last gelegt. Die Ukrainer gehörten zu einer Gruppe von Neonazis, die in dem nationalistischen Regiment Asow als eigene Einheit für Überfälle und Sabotage gedient hätten. In der ukrainischen Öffentlichkeit wird die Gruppe «Bären» genannt, in der russischen Presse ist von «Bären SS» die Rede.

    Soldaten des Regiments Asow hatten sich noch bis Ende Mai in dem Stahlwerk verschanzt gehalten, als der Rest der Hafenstadt Mariupol schon von russischen Truppen erobert war. Dann gingen die letzten Verteidiger in Gefangenschaft. Die Ukraine bemüht sich seitdem um ihre Freilassung. Nach ukrainischen Berichten wurden viele Gefangene in russischer Hand misshandelt. Etwa 50 von ihnen wurden Ende Juli unter noch ungeklärten Umständen in dem Gefängnis Oleniwka bei Donezk bei einem Angriff getötet.

    Russland stufte das Regiment Asow Anfang August als terroristische Organisation ein. Damit könnten Asow-Mitglieder in russischer Kriegsgefangenschaft nach russischem Recht verurteilt werden. Die Separatistenrepublik Donezk will nach eigenen Angaben noch mehr Verteidiger aus Mariupol vor ihr eigenes Oberstes Gericht stellen.

    Das Regiment dient Moskau immer wieder als Rechtfertigung für den bereits mehr als fünf Monaten dauernden Angriffskrieg und für die Behauptung, die Ukraine angeblich von «Faschisten» zu «befreien». Tatsächlich sind sich internationale Experten weitgehend einig darüber, dass Nationalisten und Rechtsradikale nur einen Bruchteil der ukrainischen Kämpfer ausmachen.