Late Night USA«Wenn wir Sch***** brauchen und sie nicht zu weit weg ist, werden wir sie nehmen»
Philipp Dahm
7.1.2026
«Daily Show»-Host Jon Stewart nimmt Trumps Venezuela-Einsatz unter die Lupe.
YouTube/Tne Daily Show
Jon Stewart ist von Donald Trumps Venezuela-Abenteuer überrascht. Nicht, weil der Präsident früher ganz anders über solche Einsätze geredet hat – und auch nicht, weil er bei anderen Diktatoren nicht so kritisch ist. Was den «Daily Show»-Host wundert, ist die brutale Offenheit über die Motive.
«Meine Damen und Herren, an diesem Wochenende haben Präsident Trump und ein Elite-Team von Delta-Force-Soldaten einen gefährlichen ausländischen Diktator abgesetzt», eröffnet Jon Stewart seinen Monolog in der «Daily Show».
«Nicht diesen», ergänzt er zu diesem Bild.
Von links: Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman, Donald Trump und Jon Stewart.
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«Tatsächlich sind sie Freunde. Und ganz ehrlich: Ich glaube, auch Geschäftspartner.» Und schon folgt das nächste Foto.
Trump mit Russlands Präsident Wladimir Putin.
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«Nein, nein, nicht den», rudert Stewart zurück. «Sie sind ebenfalls recht eng.»
Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un.
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«Okay», Stewart atmet durch, «ich glaube, diese beiden haben eher so eine hitzige Rivalen-Atmosphäre, wenn Sie wissen, was ich meine.»
Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?
Die Rede ist natürlich von Nicolas Maduro, dessen «A-cappella-Terror» – siehe unten stehenden Post – am 3. Januar sein Ende bei einem Einsatz in Caracas gefunden hätte – «Venezuelas einzige Stadt, nach dem, was wir wissen», scherzt Stewart mit Blick auf Amerikas Geografie-Kenntnisse.
Amidst recent diplomatic tensions with the US, Nicolás Maduro of Venezuela sings "Don't Worry Be Happy". pic.twitter.com/rzWIFduPIi
«Und während der Einsatz sich abspielte, hat Donald Trump alles von einem sicheren Ort aus überwacht: dem Lage-Zelt in Mar-a-Lago», lästert der New Yorker weiter «Ich will ja kein A**** oder Erbsenzähler sein, aber ist das der sicherste Ort in Mar-a-Lago? Hinter dem Vorhang, den du vor der Catering-Küche aufziehst?»
Situation room war gestern: Trump im «Lage-Zeilt» in seinem Luxusclub Mar-a-Lago in Flordia.
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Stewart erinnert sein Publikum daran, dass der Präsident seine Anhänger aussenpolitisch auch damit überzeugt habe, dass man «bei so einer Sch*****» nicht mehr mitmache: «Wir sind nicht auf Krieg aus», sagt Trump im folgenden Ausschnitt eines früheren Auftritts. «Wir sind nicht darauf aus, Staaten aufzubauen. Wir sind nicht auf Regimewechsel aus.» Und: «Wir wollen kein Weltpolizist sein.»
Die «Donroe-Doktrin»
«Wollen wir nicht!», äfft Stewart den 79-Jährigen nach. «Diese Tage sind jetzt vorbei! Keine Bodentruppen mehr!» Nur damit Trump im nächsten aktuellen Ausschnitt sagt: «Wir haben keine Angst vor Bodentruppen.» «Kein Aufbau der Infrastruktur von anderen Ländern mehr», kräht dann wieder Stewart.» Gefolgt von Trump: «Wir müssen [Venezuelas] gesamte Infrastruktur wieder aufbauen.»
Der Late-Night-Host schaut gespielt irritiert in die Kamera: «Nun, aber ist es nicht so, dass wir ein anderes Land führen?!» «Wir werden das Land führen», sagt Tump im nächsten Einspieler. Stewart so:
Ohne Worte.
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Was in so einem Moment nicht fehlen darf, ist das berüchtigte «Trump-Marketing», wie es Stewart ausdrückt. Beim Präsidenten tönt das so: «Die Monroe-Doktrin ist eine grosse Sache, aber wir haben sie um Längen ersetzt – um echte Längen. Man nennt sie jetzt die ‹Donroe-Doktrin›.» «Es ist offensichtlich ein Wortspiel aus ‹Monroe› und ‹Donald›», so Stewart, der Trump zuflüstert: «Ehrlich: nicht deine beste Arbeit.»
Late Night USA – Amerika verstehen
blue News
50 Staaten, 330 Millionen Menschen und noch mehr Meinungen: Wie soll man «Amerika verstehen»? Wer den Überblick behalten will, ohne dabei aufzulaufen, braucht einen Leuchtturm. Die Late-Night-Stars bieten eine der besten Navigationshilfen: Sie sind die perfekten Lotsen, die unbarmherzig Untiefen bei Land und Leuten benennen, und dienen unserem Autor Philipp Dahm als Komik-Kompass für die Befindlichkeit der amerikanischen Seele.
Öl, Öl, Öl
Wenn die USA angreifen, schieben sie stets hehre Gründe vor, heisst es weiter – wie «Demokratie verbreiten oder den Japanern Baseball bringen». Welche moralischen Motive gibt es nun? Trump antwortet im Einspieler: «Wir werden wegen des Öls in Venezuela präsent sein.» Und: «Wir werden das Öl so fliessen lassen, wie es sollte.»
«Das scheint ein wenig zu offensichtlich», moniert der Late-Night-Host: Gibt es keinen nobleren Vorwand? Einspieler Trump: «Wir werden eine gewaltige Menge Reichtum aus dem Boden ziehen.» Und: «Wir brauchen totalen Zugang. Wir brauchen Zugang zum Öl.» Und: «Anders gesagt: Wir werden Öl verkaufen.»
Stewart verzweifelt. Kann der republikanische Senator Lindsey Graham ihn retten? Von wegen:
Graham: This is not interventionism. This is making America safer. We're going to be more prosperous because of the business deals.
Trump: The oil companies are going to go in… and we’re taking back what they stole. They took our oil
Aber Geflohene könnten doch zurückkehren und politische Häftlinge freigelassen werden, oder? Trump. «Was wir jetzt machen wollen, ist, das Öl und das Land zum Laufen zu bringen.»
Öl-Riesen «davor und danach» informiert
Stewart fasst zusammen: «Wir holen die Leute aus dem Knast, aber zuerst müssen wir das Öl aus seinem Boden-Gefängnis befreien. Das Öl ist seit Millionen Jahren eingeschlossen und sehnt sich danach, frei zu brennen.»
Reporter: Are you going to demand that Delcy Rodriguez allow opposition figures to return or free any political prisoners?
Trump: We haven't gotten to that. Right now, we want to do is fix up the oil
Die Demokraten hat Trump über den bevorstehenden Venezuela-Einsatz nicht unterrichtet: «Man könnte sagen, das ist im Interesse der nationalen Sicherheit und operativer Vertraulichkeit», sagt Stewart, «wenn es nicht diese eine Gruppe geben würde, mit der er geredet hat.» Denn: Trump hat «davor und danach» mit den US-Ölfirmen über die Aktion beraten.
Reporter: Did you speak with the oil companies before the operation? Did you tip them off?
Trump: Before and after. They want to go in and they’re going to do a great job.
Der Einsatz wird kein Einzelfall bleiben: Trump droht auch Kolumbien, Mexiko, Kuba und Grönland. «Wenn wir Sch***** brauchen und sie nicht zu weit weg ist, werden wir sie nehmen», beschreibt Stewart das neue US-Motto – und brandmarkt die «Kluft zwischen den hohen Zielen, die die Gründung dieses Landes verkörpern, und dem verbrecherischen Gangstertum, von dem diese Mannschaft denkt, dass sie uns wieder grossartig macht».