Weltweit höchster Infektions-Anstieg innerhalb 24 Stunden – Trump fordert weniger Tests

Agenturen/red.

22.6.2020 - 22:00

Die Weltgesundheitsorganisation meldet einen weltweiten Rekord an Neuinfektionen. Impfstoff für alle wohl erst in zweieinhalb Jahren erhältlich. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger dürfte in der Schweiz steigen.  Die Entwicklungen des Tages im Überblick.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Bund registriert 18 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den letzten 24 Stunden.
  • Inzwischen mehr als 120'000 Coronavirus-Tote in den USA.
  • In New York startet die zweite Phase der Lockerungen.
  • WHO will Produktion von Dexamethason beschleunigen
  • Bis etwaige Impfprogramme alle Menschen erreicht haben, dürfte es laut WHO wohl noch zweieinhalb Jahre dauern.
  • Wegen der Coronakrise dürften in der Schweiz die Zahl derer wachsen, die Sozialhilfe benötigen.
  • Die Wirtschaftsprofessorin von der Universität St. Gallen (HSG), Monika Bütler, spricht sich gegen eine Verlängerung der Kurzarbeit aus.
  • Brasilien beklagt bereits über 50’000 Corona-Tote.
  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Sonntag den höchsten Anstieg von Coronavirus-Fällen innerhalb eines Tages registriert.

Laut Angaben der Johns-Hopkins-Universität liegt die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus in der Schweiz bei bislang insgesamt 31’310 Personen; davon gelten 29’000 als genesen. 1’956 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 verstorben. Weltweit stieg die Zahl der Infizierten auf 9’008’850, die Zahl der Toten auf 469’239.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Sonntag den höchsten Anstieg von Coronavirus-Fällen innerhalb eines Tages registriert. In den 24 Stunden zuvor seien weltweit mehr als 183'000 neue Fälle festgestellt worden, teilte die WHO mit.  Brasilien war demnach trauriger Spitzenreiter mit 54'771 neuen Fällen, die USA verzeichneten 36'617 und Indien mehr als 15'400.

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages nur 18 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden.

Nach einem grossangelegten Ausbruch des Corona-Virus rund um einen Schlachtbetrieb des Unternehmens Tönnies setzt die deutsche Regierung auf örtliche Massnahmen zur Eindämmung der Gefahr.

Die Menge an Antikörpern im Blut von genesenen Covid-19-Patienten sinkt laut einer Studie von chinesischen Wissenschaftlern nach zwei bis drei Monaten erheblich ab. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Chongqing hatten 37 symptomatische und 37 asymptomatische Patienten untersucht. Bei 90 Prozent von ihnen sank die Menge der Antikörper im angegebenen Zeitraum im Schnitt um über 70 Prozent ab.

22.00 Uhr: Wir beenden unseren heutigen Ticker

21.43 Uhr: Verleihung der Golden Globes 2021 später

Nach der Oscar-Gala soll auch die Verleihung der Golden Globes wegen der Coronavirus-Pandemie im kommenden Jahr später als bislang üblich stattfinden. Die feierliche Vergabe der Filmpreise sei für den 28. Februar 2021 geplant, teilten die Veranstalter am Montag in Los Angeles mit. Bislang waren die Golden Globes stets Anfang Januar verliehen worden.

Die glänzenden Weltkugeln, die in diesem Januar zum 77. Mal ausgegeben worden waren, sind nach den Oscars Hollywoods bedeutendste Filmpreise. Sie werden von der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), dem Verband der Auslandspresse, in 25 Film- und Fernseh-Kategorien verliehen.

Zuvor war bereits bekannt gegeben worden, dass die Oscars 2021 wegen der Coronavirus-Pandemie erst am 25. April vergeben werden – acht Wochen später als geplant. Die Independent Spirit Awards, die traditionell einen Tag vor der Oscar-Gala verliehen werden, wurden auf den 24. April verschoben.

21.18 Uhr: Saudi-Arabien begrenzt Pilgerzahl bei Hadsch-Wallfahrt

Wegen des weiteren Anstiegs der Corona-Zahlen begrenzt Saudi-Arabien die Zahl der Pilger bei der diesjährigen muslimischen Wallfahrt Hadsch drastisch. Teilnehmen dürfe in diesem Jahr nur eine «sehr begrenzte Zahl» von Gläubigen, die sich bereits im Land befänden, teilte das saudische Hadsch-Ministerium mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Montagabend meldete.

Die Wallfahrt in die für Muslime heilige Stadt Mekka gehört für gläubige Muslime zu einer von fünf religiösen Grundpflichten. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern.

Die Hadsch beginnt in diesem Jahr Ende Juli. 2019 hatten mehr als zwei Millionen Gläubige an der Wallfahrt teilgenommen. Rund 1,8 Millionen Muslime reisten dafür aus dem Ausland ein. Die Hadsch ist für das Königreich auch eine wichtige Einnahmenquelle.

Saudi-Arabien hat bisher mehr als 160'000 Infizierungen mit dem Corona-Virus und mehr als 1'300 Tote gemeldet. Es ist damit das arabische Land mit den meisten Fällen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen war zuletzt noch einmal deutlich angestiegen und kletterte in der vergangenen Woche auf fast 5'000. Trotzdem lockerte die Regierung am Sonntag die Ausgangsbeschränkungen.

20.38 Uhr: Inzwischen mehr als 120'000 Coronavirus-Tote in den USA

In den USA ist die Zahl der Coronavirus-Toten auf mehr als 120'000 angestiegen. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität wurden bis Montagmittag (Ortszeit) rund 120'050 Todesfälle registriert. Das ist die mit grossem Abstand höchste Zahl von Corona-Toten weltweit. Laut der Johns-Hopkins-Universität wurden in den USA bislang zudem knapp 2,3 Millionen Infektionsfälle bestätigt – auch das ist mehr als in jedem anderen Land weltweit.

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt am Wochenende mit der Aussage für Aufsehen gesorgt, er habe seine Mitarbeiter aufgefordert, beim Testen «langsamer» zu machen. Tests seien ein «zweischneidiges Schwert», weil mehr Tests zu mehr bestätigten Coronavirus-Infektionen führen würden, sagte der Präsident in Tulsa bei seiner ersten Wahlkampfveranstaltung nach dreieinhalbmonatiger Lockdown-Pause.

Die oppositionellen Demokraten reagierten empört auf Trumps Äusserung. Das Weisse Haus beeilte sich zu versichern, der Präsident habe nur einen Witz gemacht.

Kritiker werfen Trump vor, die Gefahr durch das Coronavirus zu Beginn der Krise heruntergespielt zu haben – und dies jetzt wieder zu tun. Der Präsident drängt im Wahljahr 2020 auf eine rasche Rückkehr zur Normalität, um die Wirtschaft in Gang zu bringen. Während die Corona-Beschränkungen in den USA schrittweise aufgehoben werden, verzeichnen viele Bundesstaaten einen starken Anstieg bei den Neuinfektionen, insbesondere im Süden der USA.

Trumps Wahlkampfauftritt in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma war auch deswegen stark kritisiert worden: Die Gesundheitsbehörden und Experten warnten vor einer Ausbreitung des Virus in einer Veranstaltungshalle mit tausenden Teilnehmern.

Womöglich aus Sorge vor einer Ansteckung blieben viele Trump-Anhänger dem Auftritt fern. In der Arena mit Platz für 19'000 Menschen kamen nach Angaben der Feuerwehr nur rund 6'200 Anhänger zusammen. Trumps Wahlkampfteam sprach von mindestens 12'000 Teilnehmern.

20.22 Uhr: Niedrigste Zahl an neuen Todesfällen in Grossbritannien seit März

Die Zahl der neu gemeldeten Todesfälle durch die Coronavirus-Pandemie in Grossbritannien war am Montag so niedrig wie seit Mitte März nicht mehr. Das geht aus einer Mitteilung des britischen Gesundheitsministeriums hervor. Demnach wurden in den 24 Stunden bis Sonntagabend 15 Sterbefälle von mit dem Coronavirus infizierten Menschen verzeichnet. Auch die Zahl der Neuinfizierten lag seit Monaten erstmals unter 1'000.

Für Dienstag wurde erwartet, dass Premierminister Boris Johnson weitere Lockerungen der Kontaktbeschränkungen in England ankündigt. Medienberichten zufolge soll der Mindestabstand von zwei Metern reduziert werden. Johnson will sich demnach auch zur möglichen Öffnung von Restaurants und Pubs vom 4. Juli an äussern.

Grossbritannien ist das am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa. Dort starben mehr als 42'600 Menschen, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Zahl der Todesfälle, bei denen die Lungenkrankheit Covid-19 als Ursache festgestellt wurde, liegt bei mehr als 53'000.

19.04 Uhr: WHO will Produktion von Dexamethason beschleunigen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Steigerung der Produktion des Wirkstoffs Dexamethason gefordert, der laut einer britischen Studie die Sterblichkeit von schwerkranken Covid-19-Patienten senken könnte. Die Herausforderung sei nun, die Produktion zu erhöhen und das Medikament «schnell und gerecht» weltweit dort zu verteilen, wo es «am meisten gebraucht» werde, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag.

Wissenschaftler unter Leitung eines Teams der Universität Oxford hatten für die Studie das weithin verfügbare entzündungshemmende Steroid-Medikament zehn Tage lang mehr als 2'000 mit dem Coronavirus infizierten Patienten verabreicht. Demnach reduzierte Dexamethason die Sterblichkeit der von Beatmungsgeräten abhängigen Patienten um 35 Prozent. Bei Kranken, die lediglich Sauerstoff verabreicht bekamen, wurde die Sterblichkeit um ein Fünftel gesenkt. Bei Patienten mit milderem Krankheitsverlauf zeigte Dexamethason hingegen keinerlei Wirkung.

18.57 Uhr: Lissabon führt nach neuen Corona-Ausbrüchen wieder regionale Beschränkungen ein

Die portugiesische Regierung führt wegen mehrerer neuer Corona-Infektionsherde wieder Beschränkungen in der Hauptstadt Lissabon ein. Wie Portugals Ministerpräsident Antonio Costa am Montag mitteilte, sind in Lissabon ab Dienstag wieder Versammlungen von mehr als zehn Personen verboten. Cafés und Geschäfte müssen um 20.00 Uhr schliessen.

In Portugal wurden örtlichen Medienberichten zufolge zwischen dem 21. Mai und dem 21. Juni mehr als 9'000 neue Coronavirus-Infektionen registriert, die meisten davon in Lissabon und angrenzenden Regionen. Insgesamt haben die portugiesischen Behörden bisher mehr als 39'000 Infektionen und mehr als 1'500 Todesfälle durch die Lungenkrankheit Covid-19 registriert.

Am Samstag hatten die portugiesischen Behörden Ermittlungen zu einer Geburtstagsparty nahe der südportugiesischen Stadt Faro bekanntgegeben, die der Grund für rund hundert Neuinfektionen sein könnte. Auch aus Lissabon wurden zahlreiche Feiern vor allem junger Leute gemeldet. «Diejenigen, die glauben, wieder zum normalen Leben zurückkehren zu können, haben sich schwer getäuscht», sagte Gesundheitsministerin Marta Temido.

18.21 Uhr: Schärfere Strafe für Verstosss gegen Maskenpflicht in Israel

Nach einem starken Anstieg der Corona-Infektionen sollen Verstösse gegen die Maskenpflicht in Israel strenger geahndet werden. Wer es in der Öffentlichkeit versäumt, eine Maske zu tragen, der soll künftig umgerechnet rund 130 Euro zahlen müssen. Dies beschloss das Corona-Kabinett des Landes am Montag, wie das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach mehrstündigen Beratungen mitteilte. Zuvor betrug die Strafe etwa 50 Euro.

Israel hatte zu Beginn der Corona-Pandemie sehr schnell mit rigorosen Massnahmen reagiert. Nach einem vergleichsweise glimpflichen Verlauf begann das Land im Mai mit schrittweisen Lockerungen. Seit Ende Mai ist die Anzahl der Neuinfektionen jedoch wieder deutlich gestiegen. Die Regierung mahnt die Bevölkerung immer wieder, Masken zu tragen und Abstandsregeln einzuhalten.

17.15 Uhr: Zweite Phase von Lockerungen in New York

Friseure, Büros und Aussenbereiche von Restaurants: Nachdem die Corona-Fallzahlen in den vergangenen Wochen deutlich nach unten gegangen sind, hat in der Millionenmetropole New York am Montag die zweite Phase der Lockerungen begonnen.

Damit dürfen unter Einhaltung von Masken-, Abstands- und Hygieneregeln unter anderem Büros, Friseure und Geschäfte wieder öffnen und Restaurants draussen Gäste bewirten. Ausserdem dürfen beispielsweise Makler ihren Kunden Wohnungen und Häuser wieder vor Ort zeigen.

Seit dem Beginn der ersten Phase vor zwei Wochen kann bereits auf mehr als 32'000 Baustellen in der Stadt wieder gearbeitet werden. Ausserdem durften Einzelhändler telefonisch und online Bestellungen annehmen und ihren Käufern im Laden übergeben – jetzt ist in der zweiten Phase auch Publikumsverkehr erlaubt. Zwei weitere Phasen stehen noch aus, jede der vier Phasen des Lockerungsprozesses ist auf zwei Wochen angesetzt.

Der Bundesstaat New York mit rund 19 Millionen Einwohnern, in dem die gleichnamige Millionenmetropole liegt, ist von der Coronavirus-Pandemie schwer getroffen worden. Mehr als 390'000 Menschen haben sich bislang mit dem Virus infiziert, rund 30'000 sind nach einer Infektion gestorben. Die Fallzahlen sanken nach strengen Beschränkungen und Hygieneregeln in den vergangenen Wochen deutlich.

16.52 Uhr: Start in Afrikas Freihandelszone verschoben

Der Start des Handels innerhalb der künftig weltgrössten Freihandelszone in Afrika ist wegen der Corona-Krise um sechs Monate verschoben worden. Ursprünglich hätte der Handel am 1. Juli beginnen sollen, dies sei aber «wegen der Pandemie» auf den 1. Januar 2021 verschoben worden, sagte Patient Atcho, ein Sprecher der Afrikanischen Union (AU), am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Der Handel innerhalb Afrikas ist derzeit durch hohe Einfuhrzölle und Bürokratie-Hürden erschwert, das soll sich aber ändern. Mit allen afrikanischen Staaten wird das panafrikanische Freihandelsabkommen AfCFTA einen Markt von 1,2 Milliarden Menschen umfassen und somit die weltgrösste Freihandelszone sein. Bislang haben fast alle Länder Afrikas unterschrieben, aber lediglich 30 das Abkommen bestätigt. Zudem warnen Experten, dass die Mitglieder die Einigung auch tatsächlich umsetzen müssen, was oftmals bei Abkommen der AU ein Problem ist. Der Startschuss für AfCFTA fiel im Juli vergangenen Jahres.

16.25 Uhr: Impfstoff für alle in zweieinhalb Jahren

Bis alle Menschen auf der Welt Zugang zu einem Coronavirus-Impfstoff haben, braucht es nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation einen langen Atem. Zweieinhalb Jahre werde es wohl dauern, bis ein Mittel für alle verfügbar sei, sagte der WHO-Sondergesandte für Covid-19, David Nabarro, am Montag. «Selbst wenn es bis Jahresende einen (Impfstoff-)Kandidaten gibt, werden Tests auf Sicherheit und Wirksamkeit eine Weile dauern.» Danach, so gab Nabarro zu bedenken, werde die Produktion der gewaltigen Mengen und das Organisieren von Impfprogrammen weitere Zeit in Anspruch nehmen.

Nabarro sprach auf einer Konferenz in Dubai, dort hatte zuvor WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus die Staats- und Regierungschefs gewarnt, die Pandemie nicht zu politisieren. «Nicht das Virus selbst ist die grösste Gefahr vor der wir jetzt stehen, sondern der Mangel an weltweiter Solidarität und Führung», sagte Tedros. In einer gespaltenen Welt könne die Pandemie nicht besiegt werden. Dabei beschleunige sich die Pandemie global gesehen weiter. Es habe mehr als drei Monate gedauert, um weltweit mehr als eine Million Virusinfektionen zu sehen – die jüngsten eine Million Fälle seien innerhalb von bloss acht Tagen verzeichnet worden.

Auf der ganzen Welt haben sich nahezu neun Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt, mehr als 468'000 Menschen sind nach Berechnungen der Johns-Hopkins-Universität gestorben. Experten zufolge dürften die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen. Pharmakonzerne forschen mit Hochdruck an einem Impfstoff für Covid-19. Parallel läuft die Debatte darüber, wie das Mittel fair verteilt werden kann

15.16 Uhr: Erstmals seit März kein Todesfall in Niederlanden

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise in den Niederlanden Anfang März ist kein Todesfall durch Covid-19 gemeldet worden. Das teilte das für Infektionskrankheiten zuständige Institut für Volksgesundheit und Umwelt RIVM am Montag in Bilthoven bei Utrecht mit. Bisher wurden 6090 Todesopfer registriert.

Am 10. März war das erste Todesopfer in den Niederlanden gemeldet worden. Am 31. März wurde mit 175 die bisher höchste Zahl an einem Tag registriert. Insgesamt wurde das Virus bisher bei rund 50'000 Personen nachgewiesen.

14.55 Uhr: Die am stärksten betroffenen Länder

Die am stärksten betroffenen Länder - Infizierte, Todesfälle, Genesene, Quelle: Johns Hopkins University
Grafik: dpa

14.42 Uhr: Deutschland will Ausbruch vor Ort eindämmen

Nach einem grossangelegten Ausbruch des Corona-Virus rund um einen Schlachtbetrieb des Unternehmens Tönnies setzt die deutsche Regierung auf örtliche Massnahmen zur Eindämmung der Gefahr.

Es handele sich um einen «massiven Ausbruch», der sehr ernst zu nehmen sei, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Für die Region bestehe ein hohes Infektionsrisiko. Es sei nun alles zu tun, um diesen Ausbruch einzudämmen.

Am Wochenende waren zunächst mehr als 1331 Infizierte registriert worden. In den vier Krankenhäusern im Kreis Gütersloh wurden am Sonntag 21 Covid-19-Patienten stationär behandelt. Sechs Personen lagen auf der Intensivstation. Der Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück im Land Nordrhein-Westfalen ist vorerst geschlossen.

Laut dem deutschen Gesundheitsministerium sind seit vergangenem Samstag auch drei Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) vor Ort. Im Landkreis helfen demnach zudem 15 RKI-Mitarbeiter beim Nachverfolgen von Kontakten, im Nachbarlandkreis Warendorf drei Mitarbeiter. Laut Verteidigungsministerium unterstützen momentan 39 Mitarbeiter der Bundeswehr die Corona-Reihentests, auch mit eigenen Testteams.

Über die konkreten Massnahmen zur Eindämmung entscheide das Land Nordrhein-Westfalen, betonte die Bundesregierung. Sie verwies auch auf schon örtlich verhängte Schliessungen von Schulen und Kitas und Anordnungen von Quarantäne in den umliegenden Kreisen.

14.20 Uhr: Zahl der Antikörper bei Genesenen sinkt rasch

Die Menge an Antikörpern im Blut von genesenen Covid-19-Patienten sinkt laut einer Studie von chinesischen Wissenschaftlern nach zwei bis drei Monaten erheblich ab.

Laut der Untersuchung, die im Fachjournal «Nature Medicine» veröffentlicht wurde, hatten die Wissenschaftler der Medizinischen Universität Chongqing 37 symptomatische und 37 asymptomatische Patienten untersucht. Bei 90 Prozent von ihnen sank die Menge der Antikörper im angegebenen Zeitraum im Schnitt um über 70 Prozent ab.

Wie die «New York Times» dazu schreibt, stellt das Ergebnis sogenannte «Covid-19-Immunitätspässe» in Frage, wie sie in einigen Ländern für jene Personen diskutiert werden, die die Krankheit nachweislich hinter sich haben. Sie sollten sich dann gegebenenfalls freier bewegen dürfen, so die Überlegung. 

Der Virologieprofessor Jin Dong-Yan von der der Universität Hongkong, der nicht Teil der Forschungsgruppe war, erklärte der «New York Times», trotz der Studie sei denkbar, dass das Immunsystem von Genesenen längeren Schutz bieten könne. So seien etwa auch bestimmte Zellen in der Lage, sich zu merken, wie man nach der Infektion mit dem Virus umgeht und könnten womöglich einen wirksamen Schutz bei einer zweiten Infektionswelle bieten.

Medizinisches Personal mit einer Blutprobe für einen Covid-19-Antikörpertest. (Archiv)
Bild: Keystone

14.13 Uhr: Südkorea vor zweiter Corona-Welle

Die Gesundheitsbehörden in Südkorea sehen das Land mittlerweile einer zweiten Welle der Coronavirus-Ausbreitung ausgesetzt. Ursprünglich seien sie davon ausgegangen, dass eine zweite Infektionswelle im Herbst oder Winter beginnen könnte, sagte die Direktorin der Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (KCDC), Jeong Eun Kyeong, laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap am Montag bei einer Pressekonferenz. «Unsere Voraussage erwies sich als falsch.»

Schwerpunkt der zweiten Welle ist demnach zunächst die Hauptstadt und Umgebung. Im Grossraum Seoul lebt fast die Hälfte der etwa 51,6 Millionen Einwohner. Die Einschätzung kommt ungeachtet der Tatsache, dass die Behörden zuvor den geringsten landesweiten Anstieg bestätigter Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 seit fast einem Monat vermeldet hatten. Am Sonntag seien 17 Fälle hinzugekommen. Das war das erste Mal seit dem 26. Mai, dass weniger als 20 Neuinfektionen nachgewiesen wurden.

Südkorea hatte die Einschränkungen für soziale Kontakte und andere Schutzmassnahmen gegen das Virus Anfang Mai gelockert. Doch hatten die Behörden seitdem Probleme, einzelne Häufungen von Infektionsfällen in der Hauptstadtregion, etwa unter Clubgästen und Kirchgängern, in den Griff zu bekommen. Die erste Welle datierte Jeong bis Ende April. Die zweite Welle breitete sich demnach seit den Urlaubstagen im Mai aus.

13.25 Uhr: Weitere Corona-Lockerungen in Frankreich

In Frankreich sind neue Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Kraft getreten. Alle Schulen mit Ausnahme von Gymnasien öffneten am Montag wieder unter Auflagen. Auch Campingplätze und Kinos können wieder aufmachen. Zudem waren erstmals seit gut drei Monaten alle Stationen der Pariser Metro wieder geöffnet.

Für Frankreichs Schüler gilt seit Montag eine Anwesenheitspflicht, nur Gymnasiasten sind ausgenommen. Allerdings hatte das Bildungsministerium Verständnis für Eltern signalisiert, die ihr Kind zwei Wochen vor Beginn der Sommerferien nicht zum Unterricht schicken wollen. Theoretisch droht beim Verstoss gegen die Schulpflicht ein Bussgeld von 750 Euro.

Ab Mittwoch können Touristen auch den Eiffelturm wieder besuchen. Für Freitag ist zudem die Öffnung des Pariser Flughafens Orly angekündigt. Die Einreise nach Frankreich ist seit einer Woche für Deutsche und die meisten anderen EU-Bürger wieder uneingeschränkt möglich

12.37 Uhr: Britische Industrie fährt in Rekordtempo runter

Die britische Industrie hat wegen der Coronakrise ihre Produktion zwischen April und Juni so stark heruntergefahren wie seit mindestens 45 Jahren nicht mehr. Wie der Branchenverband CBI am Montag mitteilte, lag das Barometer zur Produktion auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Datenerhebung Mitte 1975.

Allein im Juni brachen die Exportaufträge so stark ein wie noch nie. «Die Covid-19-Krise hat das Verarbeitende Gewerbe vor enorme Herausforderungen gestellt, und diese Zahlen spiegeln die schwierigen Umstände wider, mit denen die Unternehmen im ganzen Land konfrontiert sind», sagte CBI-Experte Tom Crotty, der auch Manager beim Chemieproduzenten Ineos ist. Die Betriebe zeigten sich laut CBI aber etwas weniger pessimistisch für die nächsten drei Monate.

12.14 Uhr: 18 Neuinfektionen registriert

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 18 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Insgesamt gab es bisher 31'310 laborbestätigte Covid-19-Fälle, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilt.

Die Fallzahlen unterliegen einer wöchentlichen Schwankung mit tieferen Zahlen am Wochenende. Am Sonntag waren 35 neue Fälle vermeldet worden, dazu kamen 14 Nachmeldungen aus den Monaten April und Mai. Am Samstag waren es 26 neue Fälle gewesen, am Freitag und Donnerstag je 17. Auf 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner entfielen 365 Fälle.

Bisher starben in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein gemäss BAG 1680 Menschen, die positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Das Bundesamt bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis Montagmorgen übermittelt hatten.

11:50 Uhr: Mehr Sozialhilfefälle wegen Corona 

Wegen der Corona-Krise rechnet die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) mit einem Anstieg der auf Sozialhilfe angewiesene Personen in den nächsten zwei Jahren. Eine Auswertung von Mitte Mai zeigt bereits ein leichter Anstieg der Sozialhilfefälle in der Schweiz. Gemäss der ersten Umfrage bei den Sozialdiensten ist gesamtschweizerisch Mitte Mai ein leichter Anstieg der Fallzahlen um 2,7 Prozent bemerkbar.

In der Romandie und der Zentralschweiz sei der Anstieg mit 4,4 Prozent und 4,2 Prozent gegenüber dem Durchschnittsmonat vor einem Jahr deutlich. In den Regionen Nordwestschweiz (+0,9 Prozent), Ostschweiz (+0,6 Prozent) und im Kanton Tessin (+2,3 Prozent) sei der Anstieg nur leicht. Die Skos geht davon aus, dass sich das ganze Ausmass der Krise auf den Anstieg der Sozialhilfe erst nach einigen Monaten bemerkbar machen wird.

Im Moment wirkten noch die Instrumente der Arbeitslosenversicherung und die Corona-Erwerbsersatzentschädigung, so die Skos. Zudem könne Sozialhilfe erst dann bezogen werden, wenn das Vermögen aufgebraucht ist. Die Skos hat die Auswertung zu den Fallzahlen in der Sozialhilfe in Koordination mit dem Bundesamt für Statistik (BFS) realisiert. Insgesamt repräsentieren die Teilnehmenden 57 Prozent der Sozialhilfebeziehenden in der Schweiz.

11.30 Uhr: Rekord von Coronavirus-Fällen an einem Tag

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Sonntag den höchsten Anstieg von Coronavirus-Fällen innerhalb eines Tages registriert. In den 24 Stunden zuvor seien weltweit mehr als 183'000 neue Fälle festgestellt worden. Brasilien war demnach trauriger Spitzenreiter mit 54'771 neuen Fällen, die USA verzeichneten 36'617 und Indien mehr als 15'400. Am Montag vermeldete das indische Gesundheitsministerium 14'821 neue Fälle.

Experten zufolge können steigende Zahlen sowohl auf mehr Tests als auch auf mehr Infektionen zurückzuführen sein. Weltweit wurden laut der WHO bis Sonntag 8'708'008 Fälle registriert. 461'715 Menschen waren mit dem Coronavirus verstorben, ein Anstieg um 4'743 Menschen im Vergleich zu Samstag. Mehr als zwei Drittel der Toten entfielen auf Nord- und Südamerika.

In Indien nahmen die Infektionszahlen in ländlichen Gebieten zu, in die Binnenmigranten in den vergangene Wochen aus den Grossstädten zurückgekehrt waren. In 98 der 112 ärmsten Bezirken seien nun Infektionen festgestellt worden, teilte die staatliche Planungsbehörde Niti Aayog mit. Etwa 60 Prozent der Fälle entfallen gleichwohl auf drei Bundesstaaten, in denen sich grosse Metropolen befinden: die Bundesstaaten mit der Hauptstadt Neu Delhi, dem Finanzzentrum Mumbai und dem Industriezentrum Chennai.

7.55 Uhr: 60 Prozent weniger Fahrgäste bei BLS 

Seit Beginn des Lockdowns sind rund 60 Prozent weniger Fahrgäste mit der BLS gereist als zuvor. Das Transportunternehmen rechnet 2020 mit einem Verlust von 40 Millionen Franken im Regionalverkehr. Das teilte die BLS mit. In der zweiten Jahreshälfte rechnet die BLS ebenfalls mit 20 bis 30 Prozent weniger Fahrgästen als üblich.

Ein Güterzug mit einer BLS Cargo Lokomotive fährt durch den Bahnhof in Pratteln.
Bild: Keystone

Der Verlust entsteht laut BLS durch die geringeren Einnahmen im Verkauf von Billetten. Die Verkehrserträge würden jedoch weniger stark sinken als die Fahrgastzahlen, weil die Einnahmen aus nicht hinterlegten Abonnementen weiterlaufen würden, so die BLS.

Die BLS rechnet zudem mit weiteren 10 Millionen Franken Verlust durch die sinkenden Einnahmen in der Benutzung ihrer Infrastruktur. Durch das geringere Verkehrsaufkommen könne sie den Verkehrsunternehmen weniger Kosten verrechnen, teilte die BLS mit.

7.45 Uhr: Japan sorgt sich um Millionen alleinstehender Senioren

Im rasant alternden Japan wächst angesichts der andauernden Corona-Krise die Sorge über Millionen von alleinstehenden Senioren. Experten rufen zu verstärkter Hilfe für die Betreuung dieser alten Menschen auf. Schätzungen zufolge leben in der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt inzwischen rund sieben Millionen Senioren allein.

Doch wegen der Pandemie ist es für Betreuer oft nicht möglich, die Senioren zu Hause aufzusuchen und sich in direkten Gesprächen nach ihrem Befinden zu erkundigen. Dies schüre die Sorge, dass mehr alte Menschen einen einsamen Tod sterben, so die Wirtschaftszeitung «Nihon Keizai Shimbun».

«Kodokushi» (Einsamer Tod) ist in Japan seit Längerem ein ernstes gesellschaftliches Problem. In der Corona-Krise wird jetzt versucht, zumindest telefonisch Kontakt zu den Senioren zu halten und sich nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen.

6.29 Uhr: HSG-Ökonomin hält Lockerung für verfrüht

Monika Bütler, Wirtschaftsprofessorin und Mitglied der Corona-Taskforce des Bundes, sieht die heute in Kraft tretenden Öffnungsschritte «kritisch». «Gerade auch wegen der Erfahrungen im Ausland», sagte Bütler in einem Interview mit den Zeitungen von CH Media vom Montag. «In Israel etwa nahmen die Infektionen ebenfalls ab, und jetzt sind sie wieder angestiegen. Natürlich hoffe ich, dass ich zu pessimistisch bin. Was mir fast noch mehr Sorgen bereitet als die Lockerungen selber, ist die Botschaft, dass wir wieder weitgehend Normalität hätten.» Taskforce-Chef Matthias Egger hatte die heute in Kraft tretenden Öffnungsschritte ebenfalls als «verfrüht» kritisiert.

Monika Bütler, Wirtschaftsprofessorin und Mitglied der Corona-Taskforce des Bundes, sieht die heute in Kraft tretenden Öffnungsschritte «kritisch».
Bild: Keystone

Einen landesweiten Lockdown wird es laut Bütler bei einer zweiten Welle nicht mehr geben, möglicherweise aber regional begrenzte Schliessungen und Massnahmen. Der im März verordnete Lockdown sei aber nötig gewesen, denn man wisse heute viel, viel mehr als noch im Februar über das Virus, über seine Verbreitung, über die Wirksamkeit der Massnahmen, sagte die Professorin für Volkswirtschaftslehre und Prorektorin an der Universität St. Gallen (HSG) weiter: «Wir sind auf dem richtigen Weg mit der Rückverfolgung der Fälle und haben die notwendigen Testkapazitäten.»

Bütler spricht sich in dem Interview gegen eine Verlängerung der Kurzarbeit aus. «Ein Ausbau der Kurzarbeit wäre der falsche Weg», sagte die Ökonomin. «Sonst würden Wirtschaftsstrukturen zementiert werden, die ohnehin nicht länger haltbar sind», erklärte sie. Der Staat solle in erster Linie Individuen retten, nicht Firmen, betonte die HSG-Wissenschaftlerin. Unternehmen, die zum Entscheid kämen, dass eine Restrukturierung nötig sei, würden damit ohnehin kaum zwölf Monate zuwarten, sagte Bütler.

Ansatzpunkte sehe sie eher bei Investitionen in die Weiterbildung von Arbeitnehmern, «sodass diejenigen, die eine Stelle verlieren, besser Chancen haben». Einem weiteren Ausbau der Sozialstaaten erteilte sie grundsätzlich eine Absage. «Wir haben im internationalen Vergleich bereits stark ausgebaute Sozialversicherungen. 20- bis 60-Jährige sind relativ gut abgesichert», betonte Bütler. Eine Lücke sehe sie allenfalls bei älteren Arbeitnehmern, die ihre Stelle verlören und wenig Chancen hätten, wieder einen Job zu finden, erklärte sie.



Keinen Anpassungsbedarf sieht Bütler, die auch Mitglied der Coronavirus-Taskforce des Bundes ist, bei der Schuldenbremse. Es gebe einen Passus, der es erlaube, die Rückzahlung von Schulden zu verlängern. «Statt sie über sechs Jahre abzubauen, beispielsweise über 15 Jahre», sagte sie.

In der Coronavirus-Taskforce habe es ausserdem keinen Graben zwischen Gesundheits- und Wirtschaftsvertretern gegeben. «Es zeichnete sich relativ schnell ab, dass nicht primär die staatlichen Massnahmen entscheidend dafür sind, wie gravierend die Wirtschaftskrise wird – sondern das Verhalten der Menschen, die Verbreitung des Virus, sowie die Situation im Ausland», erklärte Bütler.

6.23 Uhr: Ex-SNB-Chef zuversichtlich für Konjunktur

Der Ex-Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, sieht die aktuelle Wirtschaftskrise als nicht so gravierend an, wie die jüngste Finanzkrise im Jahr 2008. Er glaubt zudem nicht, dass Unternehmen ihre Arbeitsweise grundlegend ändern werden. «Während der Finanzkrise machte der kumulierte Verlust der Wirtschaftstätigkeit in den Vereinigten Staaten im folgenden Jahrzehnt rund 50 Prozent des Bruttoinlandproduktes BIP des Jahres 2008 aus», sagte er in einem Interview, das am Montag in der Zeitung «Le Temps» veröffentlicht wurde. In Europa seien es bei dem Wert rund 120 Prozent des 2008er BIP gewesen. Während der Covid-19-Krise sollte diese Kennzahl deutlich niedriger sein, betonte Hildebrand.

Für ihn seien aber zwei Bedingungen notwendig, damit die Wirtschaft wieder durchstartet. «Die erste besteht darin, eine zweite Welle der Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern», sagte er. Als zweite Bedingung sei zu verhindern, dass die aktuelle Krise zu einer Bankenkrise werde, hiess es. Dank der Lehren aus der Finanzkrise und den neuen Vorschriften sei «das Finanzwesen heute in einer viel besseren Position als 2008», sagte er zudem.

Die Globalisierung werde zudem weitergehen. Der derzeitige Vizepräsident des amerikanischen Finanzkonglomerats BlackRock, ein weltweit führender Vermögensverwalter, glaubt nicht, dass die Pandemie die Arbeitsweise von Unternehmen gross verändern werde. «Die Globalisierung wird anders sein. Aber sie wird nicht verschwinden», sagte er.

Viele Unternehmen hätten sich aber zu sehr auf die Effizienz und Gewinnmaximierung konzentriert, sagte er. «Die Kosten eines übermässig effizienten Systems sind im Falle eines Unfalls zu hoch», kommentierte er. Von «just in time» werde es künftig wahrscheinlich zu einem System «just in case» übergehen. Viele Gegebenheiten, wie Rechenzentren in Indien oder die Abhängigkeit von chinesischen Zulieferer, würden künftig hinterfragt.

5.48 Uhr: Wieviel hat SNB in Franken-Schwächung investiert?

Die Schweizerische Nationalbank SNB gibt heute um 9:00 Uhr ihre Zahlungsbilanz für das erste Quartal 2020 bekannt. Darin sind Anhaltspunkte über Eingriffe der SNB an den Märkten enthalten. Besonders interessant dürften die Hinweise auf den Umfang der Massnahmen sein, mit dem die Zentralbank den Schweizer Franken während der Coronavirus-Pandemie geschwächt hat.



5 Uhr: China: geringste Infektionszahl seit neuem Ausbruch

Nach dem neuen Coronavirus-Ausbruch in Peking hat die chinesische Hauptstadt am Montag neun weitere Infektionen gemeldet. Es ist die geringste Zahl von Infektionen, seit vor zwölf Tagen ein neuer Ausbruch auf einem Grossmarkt der Stadt bekannt geworden war. Als Reaktion auf den neuen Ausbruch hatten die Behörden vergangenen Dienstag die zweithöchste Sicherheitsstufe ausgerufen, womit Peking teilweise abgeriegelt wurde. Menschen sollen die Stadt nicht mehr verlassen. Wenn doch Reisen notwendig sind, muss ein negativer Corona-Test vorliegen.

Landesweit meldete China am Montag insgesamt 18 neue Infektionen. So gab es zwei weitere lokale Fälle in der an Peking angrenzenden Provinz Hebei. Sieben «importierte» Infektionen wurden bei Menschen auf der Einreise nach China nachgewiesen.

5.49 Uhr: Ende einer Ära: Lufthansa steigt aus dem DAX ab

Der Swiss-Mutterkonzern Lufthansa muss seinen Platz im Deutschen Aktienindex DAX räumen. Von heute an wird Deutschlands grösste Fluggesellschaft im weniger wichtigen MDax der mittelgrossen Werte gehandelt. Ihren Platz in der ersten deutschen Börsenliga übernimmt der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen.

Das DAX-Gründungsmitglied Lufthansa war fast genau 32 Jahre im deutschen Leitindex gelistet. Massgeblich für die Zugehörigkeit sind Börsenumsatz (Handelsvolumen) und Börsenwert (Marktkapitalisierung). In der Coronavirus-Krise war die Lufthansa schwer unter Druck geraten; der Aktienkurs brach ein.

4.23 Uhr: Mehrheit der Japaner will lieber zu Hause arbeiten

Sie gehören zu den beliebten Klischeebildern von Japan: Szenen von Bahnmitarbeitern in Tokio, die an manchen Stationen die Fahrgäste ins knallvolle Abteil schieben. «Tsukin Jigoku», «Pendler-Hölle» nennen die Japaner den alltäglichen Berufsverkehr in den überfüllten Bahnen des grössten Ballungsraums der Welt. Genau das ist der Grund, warum sich viele einer am Montag veröffentlichten Umfrage zufolge jetzt dafür aussprechen, dass auch nach Bewältigung der Corona-Pandemie mehr von zu Hause aus gearbeitet werden sollte.

70 Prozent der Befragten finden demnach, dass das während der Pandemie auch in Japan vermehrt eingesetzte Arbeiten zu Hause ausgeweitet werden sollte, wie aus der Umfrage der japanischen Nachrichtenagentur Jiji unter 2'000 Frauen und Männern hervorgeht. Als ein Vorteil des Homeoffice nannten die meisten (68,2 Prozent), dass dadurch «die Quälerei des Pendelns» für sie aufhöre, hiess es.

Weiterer Vorteil sei, dass sie dadurch in weiter entfernten Gegenden leben und dort arbeiten könnten, wo die Miet- und Bodenpreise günstiger seien. Zudem würde so auch Menschen ermöglicht, Geld zu verdienen, die zu Hause Familienangehörige pflegen müssen, hiess es. Japan will als Lehre aus der Corona-Krise die Digitalisierung vorantreiben. So will die Regierung das Arbeiten im Homeoffice fördern. Japan hinkt ungeachtet seines Rufes als Hochtechnologieland in Sachen Digitalisierung deutlich hinter anderen Ländern hinterher.

3.30 Uhr: Brasilien beklagt bereits über 50’000 Corona-Tote

Die Zahl der Corona-Toten in Brasilien ist auf über 50’000 gestiegen. Insgesamt seien bisher 50’617 Patienten im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte das brasilianische Gesundheitsministerium am Sonntagabend (Ortszeit) auf seiner Website mit. Über eine Million Menschen haben sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Die tatsächliche Zahl dürfte nach Einschätzung von Experten allerdings wesentlich höher sein, da Brasilien nur relativ wenig testet.

Damit liegt das grösste Land Lateinamerikas sowohl bei Infektionen als auch bei Toten an zweiter Stelle hinter den USA. Der rechte Präsident Jair Bolsonaro bezeichnete das Coronavirus zunächst als «leichte Grippe» und wehrt sich noch immer gegen Ausgangsbeschränkungen. Der Staatschef fürchtet die wirtschaftlichen Schäden eines Lockdowns. Zwar haben eine Reihe von Bundesstaaten und Städten auf eigene Faust Schutzmassnahmen ergriffen, allerdings werden die Einschränkungen an vielen Orten bereits wieder gelockert.

2.56 Uhr: American Airlines will 3,5 Milliarden Dollar einsammeln

Die US-Fluggesellschaft American Airlines will sich mit dem Verkauf von Aktien sowie zusätzlichen Schuldverschreibungen rund 3,5 Milliarden Dollar an Liquidität sichern. Damit will die Airlines die Coronavirus-Krise bewältigen. Das Unternehmen plane, 1,5 Milliarden Dollar mit dem Verkauf von Aktien und Wandelanleihen einzusammeln, erklärte American Airlines am Sonntag (Ortszeit). Zusätzlich sollen Schuldverschreibungen sowie ein Neukredit in Höhe von 500 Millionen Dollar weitere 1,5 Milliarden in die Kasse der Fluggesellschaft spülen.

Die Branche verzeichnete im Juni eine leichte Erholung, nachdem der Flugbetrieb infolge des Coronavirus-Ausbruchs fast zum Erliegen gekommen war.

2 Uhr: Schweizer Gutschein-Plattform nimmt Millionen ein

Eine Westschweizer Plattform, die Gewerbetreibenden während der Coronavirus-Krise hilft, hat eine positive Bilanz ihrer Gutschein-Verkäufe gezogen. Es seien mehr als 2,4 Millionen Franken an rund 4'400 registrierte Händler weitergeleitet worden, teilten die Organisatoren in der Nacht auf Montag mit. «Es übertrifft alle unsere Erwartungen», sagten die beiden Initiatoren des Projekts, die Freiburger Oliver und Eléonore Price, gemäss einer Mitteilung. Sie dankten zudem den rund 15'000 Verbrauchern, «die zu diesem Erfolg beigetragen haben».

Die Plattform bietet Konsumenten an, Gutscheine zu kaufen, die nun nach der Aufhebung des Coronavirus-Lockdowns eingelöst werden können. Der Gutscheinbetrag sei vollständig an Geschäfte, Bars, Restaurants, Friseure und andere Unternehmen gespendet worden, hiess es.

Ziel der Initiative war es laut den Initiatoren des Projekts, Kleinunternehmern in der Romandie zu helfen, sich in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit, über Wasser zu halten. Mit den Transaktionen sei aber kein Gewinn erzielt worden.

1.29 Uhr: Grösste Zunahme von Fällen an einem Tag

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Sonntag den höchsten Anstieg von Coronavirus-Fällen innerhalb eines Tages registriert. In den 24 Stunden zuvor seien weltweit mehr als 183'000 neue Fälle festgestellt worden, teilte die WHO mit.

Brasilien war demnach trauriger Spitzenreiter mit mehr als 54’771 neuen Fällen, die USA verzeichneten 36’617 und Indien mehr als 15’400. Den Experten zufolge können steigende Zahlen sowohl auf mehr Tests als auch mehr Infektionen zurückzuführen sein. Weltweit wurden laut der WHO 8 708’008 Fälle registriert. 461’715 Menschen starben mit dem Coronavirus, täglich waren es mehr als 4'743 Menschen. Mehr als zwei Drittel starben in Nord- und Südamerika.

1.47 Uhr: Bulgariens Tennisstar Dimitrow infiziert

Einen Tag nach seinem letzten Spiel bei der Adria Tour ist der bulgarische Tennisprofi Grigor Dimitrow positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte der 29-Jährige am Sonntag auf seinem Instagram-Account mit. «Ich möchte sicher gehen, dass jeder, der mit mir in den letzten Tagen in Kontakt war, sich testet und die nötigen Vorsichtsmassnahmen ergreift», schrieb Dimitrow, der sich aktuell in seiner Wahlheimat Monaco aufhält. «Grischo», wie ihn seine bulgarischen Fans nennen, entschuldigte sich wegen möglicher Unannehmlichkeiten.

Bei der vom Weltranglistenersten Novak Djokovic organisierten Adria Tour im kroatischen Zadar hat auch der deutsche Tennisstar Alexander Zverev teilgenommen. Der Australian-Open-Halbfinalist verpasste am Sonntag den Einzug in das Finale, das nach dem Bekanntwerden von Dimitrows Positivtest laut serbischen Medienangaben nicht mehr ausgetragen wurde.

Das Turnier war ohnehin in die Kritik geraten, weil die Vorsichtsmassnahmen nicht allzu ernst genommen wurde. Bei den Spielen waren Zuschauer zugelassen worden, ein Sicherheitsabstand von einem Meter wurde entsprechend der TV-Bilder aber nicht eingehalten. Zverev verabschiedete sich mitunter per Handschlag und Schulterklopfen von seinem Gegner, gab auch dem Schiedsrichter die Hand. Auch Ballkinder waren auf dem Platz.

Dimitrow hatte sich nach eigenen Angaben bereits am Vortag unwohl gefühlt. Dort war aufgefallen, dass er ein Händeschütteln mit Borna Coric und dem Schiedsrichter vermieden hatte. Auf das Spiel gegen Pedja Krastin verzichtete er.

0.25 Uhr: Vucics Partei siegt bei serbischer Parlamentswahl

Unter mässiger Wahlbeteiligung hat die Partei von Präsident Aleksandar Vucic laut wichtigen Teilergebnissen die Parlamentswahl in Serbien gewonnen. Bei der Abstimmung am Sonntag kam die rechtsnationale SNS (Serbische Fortschrittspartei) auf 63 Prozent der Stimmen. Damit dürfte sie 179 der 250 Parlamentsmandate errungen haben, wie die Wahlforschungsgruppe Cesid nach Auszählung von 76 Prozent der Wahllokale berichtete. Die Wahlbeteiligung gaben die Wahlforscher mit 48 bis 49 Prozent an. Vor vier Jahren hatte sie noch bei 56 Prozent gelegen.

Den Urnengang überschatteten ein Boykott der wichtigsten Oppositionsparteien sowie die Folgen der Coronavirus-Pandemie.

23 Uhr: Festnahmen nach Protest gegen Auflagen in Holland

In den Niederlanden ist eine Demonstration gegen Auflagen wegen der Coronavirus-Pandemie in Gewalt umgeschlagen. Fussballfans seien in der Nähe des Den Haager Bahnhofs mit Beamten aneinander geraten, teilte die Polizei am Sonntag mit. Die Beamten seien mit Steinen und Rauchbomben angegriffen worden und hätten berittene Polizei und einen Wasserwerfer eingesetzt. Etwa 400 Personen seien festgenommen worden. Viele seien aber schon wieder auf freiem Fuss.

Wie viele Menschen zu der Demonstration gegen ein geplantes Gesetz über Pandemiemassnahmen gekommen waren, blieb zunächst unklar. Bürgermeister Johan Remkes hatte einen kurzen Protest erlaubt, weil sich weniger Leute versammelten, als zunächst erwartet. Die Stadtverwaltung teilte mit, es sein aber auch Fussballfans und andere Gruppen aus dem ganzen Land erschienen. «Das hat nichts mit Demonstration oder Meinungsfreiheit zu tun», sagte Remkes. «Diese Gruppe hatte das vorsätzliche Ziel, die öffentliche Ordnung zu stören.»

Am späten Nachmittag kreiste die Polizei Dutzende Demonstranten ein, die sich geweigert hatten, den Malieveld-Park zu verlassen. Sie wurden für verhaftet erklärt und in Bussen weggebracht. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

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