Enge Rennen

In mehreren Kantonen kämpfen Spitzenleute um den Ständerat

Von Alex Rudolf

7.1.2023

Am 22. Oktober 2023 wählt die Schweiz ihr neues Parlament. Besonders das Rennen um den vakanten St. Galler Sitz im Ständerat dürfte spannend werden, da das Who's-who der Schweizer Politik antritt.

Von Alex Rudolf

7.1.2023

Der Auftakt ins Wahljahr 2023 hat ein Datum und eine Uhrzeit. So begrüsste die SRF-Sendung «Arena» am gestrigen Freitag um 22.30 Uhr die vier Kandidatinnen um die Nachfolge des St. Galler Langzeit-Ständerates Paul Rechsteiner. Dieser tritt nach 36 Jahren im Parlament zurück.

Das Who's-who der St. Galler Politik reisst sich um seinen Sitz in der Kleinen Kammer. Die Nationalrätinnen Esther Friedli (SVP), Barbara Gysi (SP), Susanne Vincenz-Stauffacher und Franziska Ryser (Grüne) schwingen in den kommenden Wochen die Werbetrommel für sich. Weil Rechsteiner – wohl aus strategischen Gründen – bereits vorzeitig aus dem Ständerat zurücktritt, wird bereits am 12. März gewählt.

Wie ein Blick in die Kantone zeigt, versprechen auch andere Ständeratswahlen viel Spannung – sie finden aber alle anlässlich der Gesamterneuerungswahlen am 22. Oktober statt.

Wer gesellt sich zu Burkart?

Nach nur vier Jahren hat Hansjörg Knecht (SVP) aus dem Aargau genug vom Ständerat und hinterlässt einen umkämpften Sitz. Neben Marianne Binder (Mitte) wollen auch Irène Kälin (Grüne), Benjamin Giezendanner (SVP) und Gabriela Suter (SP) – sie alle sitzen derzeit im Nationalrat – um den freien Sitz kämpfen.

Der bisherige Ständerat und FDP-Präsident Thierry Burkart gilt beinahe schon als gesetzt, da er in seiner Funktion als höchster FDPler sehr viel Medienpräsenz erhält und vor vier Jahren mit einem glänzenden Resultat gewählt wurde.

Hans verlässt das Stöckli

Nach 12 Jahren im Ständerat nimm auch der Berner Hans Stöckli (SP) den Hut, während der zweite Berner Ständerat Werner Salzmann (SVP) nochmals antritt. Dieser machte im Rahmen seiner Bundesratskandidatur eine gute Figur, weshalb eine Wiederwahl als wahrscheinlich gilt.

So konzentriert man sich bei den anderen Parteien im Kanton Bern auf den zweiten Sitz, um den laut «Der Bund» Spitzenpersonal kämpft. Gute Chancen hat etwa die Nationalrätin Flavia Wasserfallen von der SP. Viele hofften auf sie als Sommaruga-Nachfolgerin, sie winkte jedoch mit Vermerk auf die Ständeratskandidatur ab.

Die Mitte schickt Lorenz Hess ins Rennen. Er gehörte einst der SVP an, bevor er 2008 in die neu gegründete BDP wechselte. Anfang 2021 ging diese in der Mitte auf. Eine Verwandtschaft zwischen ihm und der FDP-Kandidatin Sandra Hess, die bereits im vergangenen Oktober bestimmt wurde, besteht nicht.

Wen die Grünen ins Rennen schicken, entscheidet die Delegiertenversammlung Ende Januar. Der Vorstand empfiehlt jedoch einstimmig den ehemaligen Regierungsrat Bernhard Pulver, der wohl auch auf den Schild gehoben wird.

Gestern gab GLP-Präsident Jürg Grossen bekannt, dass er für einen Sitz im Stöckli kandidiert. So oder so dürften noch einige Personen dazustossen. 2019 stiegen 15 Personen ins Rennen um die zwei Sitze im Berner Ständerat.

Jositsch wills nochmals wissen

Deutlich weniger Kandidaturen dürfte es im Kanton Schwyz geben. Dennoch wird das Rennen nicht weniger spannend. Alex Kuprecht (SVP) wird im kommenden Herbst nicht mehr kandidieren. Der von der SVP für die Nachfolge nominierte Pirmin Schwander sitzt heute im Nationalrat, doch dürfte er es schwer haben. Denn auch die schweizweit bekannte ehemalige FDP-Präsidentin Petra Gössi will Kuprecht beerben.

Im Kanton Zürich wird Ruedi Noser (FDP) auf eine erneute Kandidatur verzichten, Daniel Jositsch will nochmals antreten. Dass er nicht gewählt wird, ist trotz Querelen rund um die letzte Bundesratswahl unwahrscheinlich.

Nosers Sitz soll die freisinnige Nationalrätin Regine Sauter verteidigen, doch die Konkurrenz ist stark. Die Grünen und Grünliberalen blasen zum Kampf und nominierten den Stadtzürcher Finanzvorsteher Daniel Leupi beziehungsweise die Nationalrätin Tiana Angelina Moser. Noch keine Kandidatur hat die SVP verkündet.

Gar zu einer Doppelvakanz kommt es dieses Jahr im Kanton Waadt, wo Olivier Français (FDP) und Adèle Thorens (Grüne) auf eine Wiederwahl verzichten. Besonders Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard (SP) dürfte gute Chancen haben, einen der beiden zu beerben.

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