Darum ist der Franken gerade so stark

Von Anne Funk

11.11.2021

Banknoten und Muenzen, fotografiert in Basel am Dienstag, 12. Januar 2021. Die Volksinitiative
Der Wert des Franken ist aktuell so hoch wie schon lange nicht mehr. 
Bild: KEYSTONE/Georgios Kefalas

Der Franken-Kurs steigt und steigt. Warum, darüber sind sich Experten uneins. Sicher ist: Stören tut es im Moment kaum jemanden.

Von Anne Funk

11.11.2021

Stell dir vor, der Schweizer Franken gewinnt an Wert und keiner kriegt's mit. Das stimmt so zwar nicht ganz, allerdings findet die derzeitige Aufwertung unserer Währung tatsächlich fast unbemerkt, besser gesagt, ganz ohne Aufschrei, statt. Warum das so ist und was das für dich bedeutet – ein Überblick.

Wie hoch ist der Franken gestiegen?

Für einen Euro bekommt man am Mittwoch 1.06 Franken. Dieses Niveau hatte unsere Währung zuletzt im Frühjahr 2020. Damals herrschten allerdings ganz andere Bedingungen: Aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen schwächelnden Wirtschaft herrschte eine Art Weltuntergangsstimmung.

Als sich nach und nach der Markt wieder erholte, endete auch der Höhenflug des Franken, denn die Rolle der Schweizer Währung als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten war nun weniger gefragt.

Seit März 2021 steigt der Wert des Franken aber wieder an, der Aussenwert der Währung steigt. Noch im Frühjahr musste man 1.11 Franken aufwenden, um einen Euro zu bekommen, seither fällt der Preis.

Warum steigt der Franken so stark an?

Die Gründe für den aktuell starken Anstieg sind selbst für Wirtschaftsexpert*innen nicht komplett nachvollziehbar, so der «Tages-Anzeiger». Eine mögliche Ursache könnte die Inflation sein: Während diese im Ausland sehr hoch ist, bewegt sie sich in der Schweiz im Vergleich auf eher niedrigem Niveau.

So verzeichnen die OECD-Länder eine Preissteigerung von 4,6 Prozent, die USA sogar von 5,4 Prozent, die Schweiz dagegen nur 1,2 Prozent. Durch die Inflationsunterschiede sind die Realzinsen im Ausland stärker gesunken als in der Schweiz, was wiederum Anlagen bei uns sehr viel attraktiver macht. Die Folge: Der Franken wird begehrter.



Auch Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz bei der UBS, betont beim SRF, dass es keine offensichtlichen Gründe für die Stärke des Franken gebe. Die Inflation sei dabei durchaus aber eine mögliche Erklärung. Liege beispielsweise der Preisauftrieb in den USA bei fünf Prozent, in der Schweiz dagegen aber nur bei einem Prozent, so werde der Franken im Vergleich zum Dollar schon allein deshalb um vier Prozent teurer. 

Was bedeutet das für unsere Wirtschaft?

Durch den teuren Franken sinken die Preise für importierte Güter. Das bedeutet, dass Schweizer Firmen, die im Ausland Waren, Rohstoffe oder Dienstleistungen beziehen, weniger dafür zahlen müssen.

Anders sieht es bei den Exporten aus: Besonders Firmen, die viel ins Ausland verkaufen, aber wenig oder gar nichts importieren, sind vom starken Franken betroffen, beispielsweise die Elektro- oder Metallindustrie.

«Mit einem Eurokurs von 1.09 Franken konnten die meisten Unternehmen noch einigermassen leben. Die rasche Aufwertung seither ist nicht hilfreich, sie drückt noch weiter auf die ohnehin schon tiefen Margen», erklärt Ivo Zimmermann, Sprecher von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, im «Tages-Anzeiger».



Grosse Sorgen müssen sich Exporteure allerdings derzeit nicht machen. Auch wenn die Schweizer Produkte im Ausland teurer werden, relativiert sich der Unterschied wegen der dort wesentlich höheren Inflation. Probleme bereiten den Firmen aktuell eher die Lieferengpässe als die Währung.

Daniel Kalt sieht die Lage ebenfalls noch entspannt. «Im Moment ist niemand so wirklich nervös. Das würde sich erst ändern, wenn der Euro auf einen Franken fallen würde. Doch davon gehen wir nicht aus», zitiert «Blick» den Ökonomen.

Leiden könnte allerdings der Tourismus in der Schweiz, der aktuell sowieso schon vor vielen Unwägbarkeiten steht: Für ausländische Gäste wird der Aufenthalt bei uns teurer. Ein Problem, wie Markus Berger von Schweiz Tourismus im «Blick» betont. «Das ganze System ist so zerbrechlich, dass alle externen Einflüsse die Erholung bedrohen.» 

Wird mein Einkauf nun teurer oder billiger?

Für Schweizerinnen und Schweizer hat der starke Franken zunächst einmal keine direkten negativen Auswirkungen. Im Gegenteil: «Mit dem starken Franken können wir uns mehr leisten», erklärt Adriel Jost, Chefökonom und Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft WPuls, im «Blick».



Wer im Ausland Ferien machen will oder einkauft, für den wird es günstiger. Schweizer Produkte werden im Ausland zwar teurer, hierzulande müssen wir dagegen relativ gesehen weniger dafür zahlen. Schuld ist die geringere Inflationsrate in der Schweiz. Auch den enormen Anstieg der Energiepreise spüren wir dadurch in der Schweiz weniger als im Ausland.

Was macht die Nationalbank?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat bereits gehandelt. Seit mehr als zehn Jahren ist hier Hauptanliegen, eine Überteuerung des Franken zu verhindern. Das tut sie, indem sie Devisen gegen Franken kauft und so die Aufwertung bremst.

Laut «Tages-Anzeiger» hat die SNB in den letzten zwei Oktoberwochen bereits für rund zwei Milliarden Franken Devisen gekauft. Allerdings ist die Grössenordnung im Vergleich zum Frühjahr 2020 doch sehr gering: Damals wurden allein pro Woche Devisen im Gegenwert von 13 Milliarden Franken erworben.