Hoeness erklärt, warum ihm die heutigen Profis leid tun

pat

17.5.2019

Uli Hoeness während einer Podiumsdiskussion in Bonn.
Bild: Keystone

Am Donnerstag diskutierten Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, Bayern-Präsident Uli Hoeness und Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies auf einer Podiumsdiskussion in Bonn über die gesellschaftliche Rolle des Fussballs.

Man dürfe den Sport nicht mit Religion verwechseln, mahnt Ruhrbischof Overbeck. Verbindungen gebe es aber allemal: «Der Sinn für Solidarität und Hilfe muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen werden», sagt der Geistliche beim Podiumsgespräch der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP) zum Thema «Sozialer Klebstoff? Die Rolle des Fussballs in Deutschland». Dem pflichtet Uli Hoeness bei. Es sei wichtig als Verein auch in der Öffentlichkeit soziales Engagement zu zeigen. «In dem Bereich müssen wir mehr tun», gesteht der Bayern-Präsident. Soziales Engagement wird auch bei Schalke 04 gross geschrieben, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies betont. Der Verein übernehme viel soziale Verantwortung in der Region und nennt als Beispiel die «Kumpelkiste»: «Hier kommt etwas von jemandem, der mehr hat, zu einem, der weniger hat.»



Über die aktuelle Lage beim FC Bayern München will Hoeness derweil nicht sprechen, wie der «General-Anzeiger Bonn» schreibt. «Selbst in München gebe ich zu aktuellen Themen gerade keine Interviews.» Erstmals seit Jahren wird die Meisterschaft erst am letzten Bundesliga-Spieltag entschieden. Da bleibt der Bayern-Boss lieber beim Kernthema und zeigt auf, wie der Fussball Menschen und Völker verbinden kann. Als Beispiel nennt er etwa eine Mannschaft in Israel, die aus aus palästinensischen und israelischen Kindern besteht und so die Integration gefördert wird.

Hoeness: «Ich glaube schon, dass Geld Tore schiesst»

Der Fussball ist aber längst ein Milliardenbusiness, was soll daran sozial sein. Sind Ablösesummen in der Höhe von 80 Millionen Euro für einen Spieler – soviel bezahlt Bayern für Weltmeister Lucas Hernandez von Atlético Madrid – legitim? In den Augen von Overbeck auf keinen Fall. Für ihn sind solche Summen «unsittlich», der Mensch verkomme zur Ware.

Die beiden Herren aus dem Fussball-Business vertreten diesbezüglich – wen überraschst’s – eine andere Meinung. Wo viel Geld umgesetzt und generiert werde, da seien solche Summen vertretbar. Hoeness gibt zwar zu, dass er kein Fan dieser Entwicklung ist: «Ich möchte keinen Spieler für 80 oder 100 Millionen kaufen. Aber wenn du mit Mannchester City, Liverpool oder Barcelona mithalten willst, dann muss man auch mal Dinge machen, die mir nicht gefallen. Wir haben Hernandez geholt, das Gute ist, dass wir das von unserem Festgeldkonto machen können.» Dass der FC Bayern auch 100 Millionen Euro Lohnsteuer bezahle, davon profitiere wiederum der Staat.

Er mache sich viele Gedanken über den wachsenden Kommerz, so Hoeness: «Aber ich habe nicht den Ansatz einer Lösung, wie man ohne Kommerz, Kommerzialisierung und Globalisierung ganz oben mitspielen kann. Ich habe grossen Respekt vor der Arbeit des SC Freiburg, aber klar ist auch, dass die nie die Champions League gewinnen können.» Und weiter: «Ich glaube schon, dass Geld Tore schiesst. Auf jeden Fall in der Breite. Die Engländer kriegen 3 Milliarden vom TV, wir eine Milliarde. Man muss auch sehen, dass die Engländer jetzt in die Infrastruktur investieren. Sie holen Trainer und Manager. »

Hoeness über die guten alten Zeiten

Aufgelockter wird die Diskussion, als der Bayern-Präsident ein paar Anekdoten ausplaudert – und so zum Schluss kommt, dass ihm die Spieler von heute leid tun. «Die jungen Leute sind vollkommen überfordert damit, wie über sie gerichtet wird. Jeder Furz wird registriert. Unsere Zeit der Unbekümmertheit war schön.» Zu seiner Aktivzeit in München sei die ganze Mannschaft aufs Oktoberfest gegangen und habe 12 Stunden gefeiert. «Es ging, bis irgendwann einer hintenrunter gekotzt hat. Was meinen Sie, was da heute los wäre?»

Auch die Goldsteak-Affäre um den scheidenden Bayern-Star Franck Ribéry kommt noch einmal auf den Tisch. Hoeness verteidigt den Franzosen: «Ich habe mir die Geschichte genau angehört, das waren Fake-News. Franck ist da missbraucht worden. Der einzige Fehler war, dass er das Steak nicht an die Wand geklatscht hat. Er hat das Steak nicht mal gegessen. Er hätte es an die Wand klatschen sollen und alles wäre gut gewesen.» Tönnies, der als Sohn eines Metzgers geboren wurde, entschärft die kernige Aussage elegant. Fleisch werde gegessen, nicht an die Wand geklatscht. 

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport