Vom Verlierer zum Titel-Hamsterer – anderswo wäre Klopp längst entlassen worden

Patrick Lämmle

26.6.2020 - 11:08

Jürgen Klopp hat aus Liverpool eine Meistermannschaft geformt.
Bild: Getty

Am 8. Oktober 2015 übernimmt Jürgen Klopp den Trainer-Job bei Liverpool. Fünf Jahre später ist er am Ziel angekommen – der langersehnte Meistertitel ist Tatsache. Es hätte auch ganz anders kommen können.

Als Jürgen Klopp 2015 seinen Job an der Anfield antritt, da steckt Liverpool in der Krise. Nach acht Runden sind die «Reds» im zehnten Rang klassiert. Dies, nachdem man die Vorsaison bereits im enttäuschenden achten Rang beendete, wo man doch Wochen zuvor noch um den Titel spielte (und diesen eigentlich hätte gewinnen müssen). Der Trainer damals hiess Brendan Rodgers, der inzwischen bei Leicester City hervorragende Arbeit leistet. Rodgers traute man aber nicht mehr zu, dass er Liverpool zurück an die Spitze führen kann.

Bahn frei für Jürgen Klopp. Schon bei seiner ersten Pressekonferenz erobert der Deutsche viele Herzen, auch jene der Journalisten. Er sei «The Normal One», in England kannten sie bis dahin nur «The Special One», José Mourinho. Die Abgrenzung von Mourinho, ein erster kluger Schachzug. Denn der Portugiese war in England noch nie ein Sympathieträger.

Drei Finals verloren – und doch durfte Klopp bleiben

Klopp kündigte auch an, dass er «Vollgasfussball» sehen wolle. Das hört man natürlich gerne. Davon war aber in den ersten Monaten wenig zu sehen und so endete die Saison als Tabellenachter alles andere als «special». Im Ligapokal erreichte Klopp den Final, ein erster Titelgewinn an der Anfield blieb ihm aber verwehrt.

In seinem zweiten Jahr, dem ersten, in dem Klopp von Beginn an das Sagen hat, wird Liverpool Tabellenvierter und in der Europa League setzt es die nächste Finalniederlage ab. Erste Zweifel kommen auf, ob Klopp tatsächlich der richtige Mann ist. Doch er darf bleiben und führt die Mannschaft in seiner dritten Saison erneut auf Platz 4. Und in den Champions-League-Final. Dort setzt es die dritte Finalniederlage unter seiner Führung ab.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten wohl viele Vereinsbosse die Handbremse gezogen und den Trainer ausgetauscht. Doch in Liverpool glauben sie weiter an ihren Coach. Dafür gebührt den Entscheidungsträgern ein grosses Lob. Drei titellose Saisons, das überlebt heutzutage kaum ein Trainer eines Spitzenklubs. Auch die Mehrheit der Fans steht weiterhin hinter dem Deutschen, denn die grossen Emotionen (und darum geht es im Fussball ja auch) sind längst zurück an der Anfield.

Nicht nur Klopp 

Im vergangenen Jahr werden sie alle belohnt. Klopp holt zwar nicht den langersehnten Meisterschaftstitel (bester Vizemeister aller Zeiten), doch der inzwischen 53-Jährige führt Liverpool erneut in den Final der Champions League und gewinnt tatsächlich den Henkelpott. Damit löst er ganz nebenbei sein «Versprechen» ein. Denn bei seiner ersten Pressekonferenz sagte er: «Wenn wir in vier Jahren hier zusammensitzen, werden wir einen Titel gewonnen haben. Da bin ich ziemlich sicher.»

Heldenstatus erlangt Klopp aber erst am 25. Juni 2020: Weil ManCity gegen Chelsea verliert, ist endlich Tatsache, was sich schon lange abgezeichnet hat – Liverpool ist Meister. Sieben Runden vor Schluss. Erstmals seit 30 Jahren!

Es ist einerseits Klopps Verdienst, der über die Jahre ein Team geformt hat, das nur schwer zu besiegen ist. Es ist aber auch andererseits der Verdienst der Vereinsbosse, die dem Deutschen die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt haben, damit er seine Wunschtransfers (Galerie weiter oben) tätigen kann und so sein Team peu à peu in neue Sphären hieven konnte. Geduld als Schlüssel zum Erfolg. Es funktioniert tatsächlich.


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