Das sind unsere grössten Spiele-Enttäuschungen 2019

Fabian Gilgen / Pascal Wengi / Martin Abgottspon

8.11.2019 - 09:19

«Anthem» gehört wohl unumstritten zu den grössten Enttäuschungen in diesem Jahr.
Bild: Electronics Arts

Das Jahr 2019 war aus der Sicht von Gamern nicht immer rosig. Waren es nicht überhypte Spiele, so sorgten negative Schlagzeilen von Gaming-Konzernen für Enttäuschungen. Unsere ganz persönliche Flop 9.

Spieler mögen Listen. Sei es «die besten Rollenspiele», «die reichsten Gaming-Konzerne» oder «die realistischsten Rennspiele». Durch solche Listen kommt man schnell an Informationen, die man sonst mühsam selber recherchieren müsste.

Wir haben nun das Jahr 2019 mal etwas pessimistisch unter die Lupe genommen und eine Liste der grössten Enttäuschungen zusammengetragen. Wer meint, dass wir mit dieser Liste völlig daneben liegen, darf das gern auf Twitter unter Swisscom Gaming noch diskutieren.

«Ghost Recon Breakpoint»

Fabian Gilgen: « ‹Ghost Recon Breakpoint› hätte ein überragendes Spiel werden können, wenn man richtig an seinen Vorgänger Ghost Recon Wildlands› angeknüpft hätte. Stattdessen setzte Ubisoft auf mehr Survival, Realität und Mikrotransaktionen. Ubisoft baute viele neue Features ein, die aber im Spiel alle ein wenig halbherzig rüberkommen. Vor allem das unbelohnende Loot-System ist eine grosse Enttäuschung. Immerhin hat das Unternehmen sich die Kritik jetzt mal zu Herze genommen und deshalb auch einige Top-Titel vom nächsten Jahr verschoben, um mehr Zeit für die Entwicklung zu haben.»

«Ghost Recon Breakpoint»: Eine hübsche Hülle reicht einfach nicht mehr

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«Anthem»

Martin Abgottspon: «Es war wahrscheinlich schon lange kein Spiel mit mehr Pauken und Trompeten angekündigt worden wie ‹Anthem›. Von einer ‹Revolution› der Branche sprachen gewisse Entwickler und das einzige, was die vorfreudigen Spieler von Beginn weg spürten, war Frust. Das Spiel wirkte an allen Ecken und Enden unfertig und fehlerhaft. Die belanglose Story und der knappe Umfang zählten dadurch schon fast zu den Höhepunkten des Spiels. Bioware musste ganz unten durch. Erst später erfuhr man zudem, dass viele Mitarbeiter unter extremem Druck und Anspannung standen. Einige zogen sich immer wieder zurück, um im Stillen zu weinen. Arbeitsbedingungen, wie man sie wirklich niemandem wünscht.

Blizzard und China

Pascal Wengi: «Wir müssen und dürfen hier nicht zu politisch werden und lassen das, was sich aktuell in Hong Kong abspielt, kommentarlos so stehen. Doch egal welche Partei einer Konfrontation man als ‹gut›oder ‹böse› betrachten mag, es sollte nicht an einem Milliarden-Unternehmen wie Blizzard liegen, parteiisch zu werden und politische Zensur zu betreiben. Blizzard war vor einigen Jahren noch einer meiner Lieblings-Publisher. Ihre Arbeit war stets solide und sie hatten mal ein Gespür für ihre Community und handelte stets in deren Interesse. In den letzten beiden Jahren hat das Unternehmen aber immer wieder gezeigt, dass es die eigene Community nur als Geldquelle sieht und für den Profit sofort fallen lässt. Der Shitstorm rund um die Verbannung eines Hearthstone Profis für seine politische Aussage zu Hong Kong war für mich der berühmte Tropfen zu viel. Blizzard, ich mag dich nicht mehr.»



«Fallout 76»

Martin Abgottspon: «Die ‹Fallout›-Serie war für mich früher mit jeder Neuerscheinung das Highlight des Jahres. Das hat sich mit dem Release von ‹Fallout 76› im Vorjahr nicht geändert, doch erstmals wurde ich von der Serie so richtig enttäuscht. Zwar konnte Bethesda das Spiel mit einigen Patches noch etwas zurechtrücken, an frühere Versionen kommt das Spiel aber trotzdem nicht ran. Doch warum führe ich dieses Spiel überhaupt für dieses Jahr auf? Ganz einfach aufgrund der jüngsten Entwicklungen. Seit kurzem gibt es nämlich tatsächlich ein Premium-Abo des Spiels für rund 120 Euro im Jahr. Da bekommt man beispielsweise unbegrenzt Stauplatz für seine Gegenstände oder einen frei platzierbaren Schnellreisepunkt. Dinge also, die völlig selbstverständlich sein sollten und die man nach solch einem katastrophalen Start als Form der Wiedergutmachung betrachten sollte. Stattdessen wird noch ein Geschäftsmodell daraus gebastelt. Schämt euch.

EA verteidigt Lootboxen

Fabian Gilgen: «Mittlerweile wird EA nebst ihren Spielen auch direkt mit Mikrotransaktionen und Lootboxen in Verbindung gebracht. Letztere sorgten bei ‹Star Wars Battlefront 2› für einen regelrechten Shitstorm und sind auch heute in FIFA-Spielen zur Normalität geworden.



Viele Spieler sind mit dieser Praxis aber nicht einverstanden und sehen es als Glücksspiel an, das vor allem Kinder und Jugendliche dazu verleitet, Geld auszugeben. Auch das britische Parlament steht diesen vermeintlichen Glücksspiel-Mechaniken kritisch gegenüber und hat darum EA zu einer Stellungnahme aufgefordert. Bei einer Anhörung beschrieben die Verantwortlichen die Lootboxen dann lediglich als ‹recht moralisch, spassig und unterhaltsam›. Weiter verglichen sie Lootboxen mit harmlosen Überraschungseiern. Fast schon eine Farce.»

Entwicklung der Gaming-Industrie

Pascal Wengi: «Vielleicht werde ich zu alt oder bin es schon. Ich erinnere mich gerne an eine Zeit, als Games noch fixfertig auf den Markt kamen – früher ging das auch gar nicht anders. Heutzutage ist es leider fast schon Standard, dass Spiele unfertig auf den Markt geworfen werden und man die Fertigstellung dann als ‹Service› bezeichnet. Der zahlende Spieler wird zum Beta-Tester. Inhalte werden Games vor dem Release entnommen, um diese später als DLC nachreichen zu können und den Spieler doppelt zur Kasse zu beten. Die ganze Industrie scheint förmlich besessen davon, möglichst viel Profit aus Ingame-Käufen zu machen und verstümmelt dabei ihre eigenen Werke. Wo es früher Skill, Geduld und eine Komplettlösung benötigte, braucht es heute nur die Kreditkarte um Inhalte ‹freizuspielen›. Mittlerweile müssen wir sogar speziell erwähnen, wenn ein Spiel ohne Mikrotransaktionen oder Ingame-Shop auf den Markt kommt. Dieser Umstand spricht für sich und ist enttäuschend.»

«Harry Potter: Wizards Unite»

Martin Abgottspon: «Ich war mir sicher, dass ‹Harry Potter: Wizards Unite› nach dem Mega-Erfolg von ‹Pokemon Go› durch die Decke gehen wird. Alle Pokemon-Go-Spieler würden umsatteln und zusätzlich kämen nun auch Harry-Potter-Fans auf den Geschmack des AR-Abenteuers. Doch nichts dergleichen. Zwar weist das Spiel einige Neuerungen auf, im Kern bleibt allerdings alles beim Alten. So fehlt dem Spiel ganz einfach etwas die Magie und schreckt neue Spieler durch teils zu komplizierte Features ab. In Sachen AR ist also dringend etwas Neues nötig, um an die alten Erfolge von ‹Pokemon Go› anzuschliessen.»



Nintendo's Selbstverleugnung

Pascal Wengi: «Nintendo war für mich persönlich immer ein spezielles Unternehmen. Egal was Nintendo auf den Markt brachte, war wohlüberlegt und hatte diesen gewissen Charme. Bei den Games legte man über Jahrzehnte vor allem Wert auf den Spielspass und kreative Ansätze. Egal was man von Nintendo kaufte, irgendwann sagte man sich ‹Ja, typisch Nintendo … es funktioniert, macht Spass und entzückt›.



Mit den Mobile Apps ‹Dr. Mario› und ‹Mario Kart› hat Nintendo dieses Jahr aber auch seine andere Seite gezeigt, die eines gewinnorientierten Unternehmens, das Konsumenten mit Apps versucht das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dabei ist vor allem ‹Dr. Mario› eher eine Frechheit als ein gutes Spiel und hat dieselben Mikrotransaktionssysteme wie jede x-beliebige Abzock-App. Das hat mein Bild von Nintendo etwas verändert und mich schwer enttäuscht.»

«The Sinking City»

Fabian Gilgen: «H. P. Lovecraft-Fans wünschen sich schon lange ein gutes Spiel zu den Romanen des Autors. Viele davon setzten ihre Hoffnung auf ‹The Sinking City›. Die Story und die Inszenierung schienen zu Lovecrafts-Romanen zu passen, auch wenn diese häufig etwas halbherzig umgesetzt schienen. Doch das Spiel versteckte sich hinter tief gehenden Detektiv-Mechaniken, die man wohl nur als eingefleischter Fan wirklich zu schätzen weiss.»

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