Rassismus-Vorwürfe gegen die «Simpsons» – der arme Apu ...

Fabian Tschamper

20.1.2020 - 12:19

Auch Apu selbst kann es nicht fassen: Sein Sprecher nimmt den Hut.
Matt Groening

Es ist der klassische Fall der Doppelmoral: Ein weisser Mann leiht seine Stimme einem Inder – und plötzlich dreht die Welt durch. Dabei existiert Apu ja schon seit über 30 Jahren.

Armer Apu. Der sympathische Verkäufer aus dem Kwik-E-Mart, seit jeher Teil des «Simpsons»-Universums, muss wohl oder übel seine Sachen packen und das Land verlassen – beziehungsweise die Serie. Dass dies in Zeiten der Trump-Administration geschieht? Die Ironie davon muss ich wohl niemandem erklären.

Seit einiger Zeit mehrt sich die Kritik, dass die Figur des Apu Nahasapeemapetilon ein stereotypes Bild von Indern vermittle. Doch – so scheint zumindest mir –, liegt das Problem woanders. Schuld sind Synchronsprecher Hank Azaria und derjenige, der ihn für die Rolle dieser grandiosen Figur verpflichtet hat.

Denn Sie müssen verstehen: Hank Azaria ist weiss. Jawohl. Ein Weisser spricht in der erfolgreichsten und langlebigsten Zeichentrickserie der Welt einen Inder. Mitsamt Akzent. Doch er tut dies wohlgemerkt seit über 30 Jahren.

Probleme suchen, wo keine sind

Bisher war dies offensichtlich nie ein Problem, doch in den vergangenen Jahren kamen immer wieder hypersensible Teile unserer Gesellschaft zum Vorschein. Wie zum Beispiel damals, als sich der Pflegeprodukthersteller Dove erdreistet hat, aus einer schwarzen Frau eine weisse zu machen. Oder auch Luxuskleidermarke Gucci hat über die Stränge geschlagen mit einem angeblich bösartigen und absichtlich rassistischen Kleidungsstück.

Solche Sachen zu lesen, gibt mir Magengeschwüre.

Ich zumindest sehe in diesen Fällen einfach ein Kleidungsstück oder eine Werbung, in der unterschiedliche Frauen diverser Ethnien eine Hautcrème benutzen. Mithilfe von Twitter oder Instagram verschafft sich aber auch jener eine Stimme, der unbedingt seine 15 Minuten Ruhm haben möchte. Bitte nicht falsch verstehen: Auch wenn viele Anliegen durchaus berechtigt sind, suchen manche auch Probleme, wo keine sind.

Dies ist auch Apu widerfahren. Der geniale Charakter in einer satirischen Serie, deren Konzept auf Stereotypen beruht, soll jetzt getilgt werden aufgrund überrissener Rassismusvorwürfe. Okay.

Was ist denn mit Luigi Risotto?

Dann lassen Sie mich doch noch Öl ins Feuer giessen: Hank Azaria spricht nicht nur Apu, sondern auch den suizidalen Moe aus Holland oder den italienischen Chefkoch Luigi Risotto.

Der Mann heisst Luigi Risotto, Leute. Das ist doch echt das Hinterletzte (Vorsicht, Ironie ...).

Damit hört Azarias Portfolio aber noch nicht auf. Jetzt kommt's dick: Er spricht auch den schwarzen Carl Carlson.

Ist das überhaupt legal?

Es ist nun einmal so: Absolut jedefrau und jedermann kriegt bei den Simpsons sein Fett weg. Ob schwarz, weiss, asiatisch, dumm, klug, dick, dünn, schwul, lesbisch oder hetero – das ist den Machern völlig egal. Denn die Serie beruht auf Stereotypen und funktioniert genau darum seit 30 Jahren phänomenal.

Und dass Apu auch durchaus positive Eigenschaften verkörpert, wird in der Kritik gern ausgeblendet. Keiner in Springfield arbeitet härter als der geschäftige Achtfachvater. 

Irgendjemand hat mal gesagt, Witze müsse man ohne Ausnahme machen, was wäre sonst der Punkt?

Regelmässig gibt es werktags um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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