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Tessin macht alle Baustellen dicht und schliesst Industriebetriebe

Agenturen/dor

22.3.2020

Pressekonferenz am Samstag, 21. März 2020 mit Daniel Koch, dem Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten des BAG, und Christoph Hartmann, dem Leiter des Bundesamt für Zivildienst. 

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Medizinische Fachleute fordern den «totalen Lockdown». Beatmungsplätze in der Schweiz werden knapp. Weltweit gibt es mittlerweile mehr als 300'000 Coronavirus-Fälle. Die aktuelle Entwicklung im Ticker.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Kanton Tessin schliesst alle Baustellen und viele Industriebetriebe.
  • Weit über 100 Gesuche aus dem ganzen Land sind bisher bei der Armee eingegangen.
  • Erste Fälle von Coronavirus im Gazastreifen nachgewiesen.
  • Nicht mit dem Rollator ins Einkaufszentrum: Daniel Koch appelliert dringend an Betagte, sich keinem Risiko auszusetzen.
  • Die Schweiz verzeichnete am Samstag den bisher grössten Anstieg an Infektionen: Nunmehr gibt es 6113 Fälle.

09.50 Uhr: Das Tessin macht Baustellen dicht und schliesst Industriebetriebe

Das Tessin schliesst alle Industriebetriebe für mindestens eine Woche. Jegliche private Handels- und Produktionsaktivitäten müssen eingestellt werden, wenn sie die strengen Hygienevorschriften nicht erfüllen können. Mit einer neuen Verordnung lässt der Kanton auch alle Aktivitäten auf Baustellen sofort einstellen, «ungeachtet der Arbeiten, die notwendig sind, um die Arbeitsplätze sicher zu machen». In der Kompetenz des kantonalen Führungsstabs liegt es allerdings, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen, wenn «eine eindeutige Dringlichkeit oder ein überwiegendes öffentliches Interesse bestehe.»

Im Tessin gab es am Samstag 934 bestätigte Fälle, davon waren 184 Personen hospitalisiert. 40 von diesen Menschen befanden sich in Intensivpflege, die Zahl der Toten erhöhte sich auf 28.

09.17 Uhr: Österreich meldet mehr als 3000 Infizierte

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen hat in Österreich erstmals die 3000er-Marke überschritten. Am Sonntagmorgen vermeldete das Gesundheitsministerium offiziell 3026 Erkrankte. Im 24-Stunden-Vergleich mit Samstag ist dies eine Steigerung von 13,6 Prozent. Neun Todesfälle gab es bisher zu beklagen.

08.35 Uhr: Streit um eine Ausgangssperre in der Schweiz

Mediziner fordern von der Schweizer Regierung eine härtere Gangart um die rasche Ausbreitung des Coronavirus effektiver zu bremsen. Laut «Blick» drängen medizinische Fachleute den Bundesrat zum «totalen Lockdown». Karl Klingler, Leitender Arzt am Lungenzentrum Hirslanden in Zürich, etwa fordere eine «rigorose Ausgangssperre» um Neuinfektionen zu verhindern, so Klingler: «Das funktioniert nur, indem alle dazu gezwungen werden, zu Hause zu bleiben.» Das gelte für alle, nicht nur Senioren. Klingler wagt gegenüber der Zeitung eine Prognose: «Führen wir eine sofortige Ausgangssperre ein, können wir es schaffen, dass die Kurve bis Ende Mai abflacht. «Noch können wir verhindern, dass die Menschen bald auch bei uns zu Hunderten in den Gängen der Spitäler sterben.»

Auch Andreas Cerny, Virologe in der Luganeser Privatklinik Moncucco ist der Meinung, dass die bisherigen Massnahmen des Bundes ungenügend sind. Es müsse eine «rigorose Einschränkung der Bewegungsfreiheit und der sozialen Kontakte» angestrebt werden. Je länger man warte, desto höher der Preis.

Das Spital Moncucco in Lugano nutzt eine Aussengarage für die Triage am Eingang des Spitals. Die Klinik ist eines von zwei medizinischen Zentren im Kanton Tessin zur Behandlung von Coronavirus-Patienten.
Bild: Keystone/Ti-Press/Alessandro Crinari

Ein Arzt des Spitals Beata Vergine in Mendrisio im besonders vom Coronavirus betroffenen Kanton Tessin warnte laut «Blick» in einer Sprachnachricht auf Whatsapp: «Es ist ein ­Albtraum. Eine Ambulanz nach der anderen. Mi­litärambulanzen. Hubschrauber. Wir bereiten uns auf irrsinnige Schichten vor, wissen nicht, wie wir all ­diese Patienten versorgen sollen.»

Der Bundesrat verzichtet bisher auf eine Ausgangssperre, verschärft aber fast täglich die die Massnahmen, mit denen er die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen versucht. Damit soll vor allem eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden. Am Freitag untersagte die Regierung etwa Treffen von mehr als fünf Personen. Ein Abflachen der Kurve erwartet Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) aber nicht vor nächster Woche – und nur, wenn sich die Schweizer Bevölkerung an die Regeln hält.

Gesundheitsminister Alain Berset erklärte am Freitag: «Wir sind schon fast bei einer Ausgangssperre, aber wir veranstalten keine Spektakelpolitik.» Wichtig sei, dass die Bevölkerung die geltenden Massnahmen umsetze. Und Koch erklärte das Ausbleiben einer Ausgangssperre so: «Wir sind nicht China. Und wir wollen auch nicht ein totalitäres Regime werden.»

08.04 Uhr: Erste Fälle von Coronavirus im Gazastreifen nachgewiesen

Das Coronavirus ist auch im blockierten Gazastreifen angekommen: Bei zwei Palästinensern wurde das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen. Es handele sich um zwei Rückkehrer aus Pakistan, teilte das Gesundheitsministerium in der Nacht zum Sonntag mit.

Eine starke Ausbreitung in dem dicht besiedelten Küstenstreifen, in dem zwei Millionen Menschen unter prekären Umständen leben, gilt als Horrorszenario.

Nach Angaben von Jussef Abu al-Risch, Generaldirektor des Gesundheitsministeriums in Gaza, reisten die Infizierten über Ägypten in das Palästinensergebiet ein. Sie seien in einer Anlage am Rafah-Grenzübergang unter Quarantäne gestellt worden.

Rund zwei Millionen Palästinenser leben unter sehr schlechten Bedingungen in dem Küstenstreifen am Mittelmeer. Die dort herrschende islamistische Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Israel hatte 2007 eine Blockade des Gazastreifens verschärft, die inzwischen von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen die Massnahme mit Sicherheitserwägungen. Im Westjordanland gibt es bisher 53 bekannte Infektionsfälle mit dem Coronavirus.



07.46 Uhr: Verknappung der Beatmungsplätze in der Schweiz schon in wenigen Tagen möglich

Laut einer internen Lagebeurteilung von Schutz und Rettung Zürich, die dem «SonntagsBlick» vorliegt, beschreibt die Dienstabteilung des Sicherheitsdepartements der Stadt Zürich zwei mögliche Szenarien. Beide seien «dramatisch». Szenario eins sei die «wahrscheinlichste Lageentwicklung»: Demnach würden Beatmungsplätze in der ganzen Schweiz schon in wenigen Tagen knapp. In diesem Fall würde es zur «Triagierung» der Behandlungen kommen. Die Ärzte müssten dann aufgrund der knappen Ressourcen entscheiden, wer für gewisse Behandlungen bevorzugt wird – etwa jüngere Menschen mit besseren Heilungschancen. Laut der Lagebeurteilung werden bei diesem wahrscheinlichsten Szenario zudem auch junge Menschen an Covid-19 sterben, schreibt der «SonntagsBlick».

Verbreitet sich das Virus allerdings schneller als heute angenommen, könnte Szenario zwei eintreten, die «ungünstigste Lageentwicklung», zitiert die Zeitung weiter aus der Lagebeurteilung: «Eine grosse Anzahl Erkrankter überlastet das Gesundheitssystem vollständig. Die Versorgung von schwer Erkrankten kann nicht mehr überall sichergestellt werden.» Die Folgen wären gemäss dem Bericht von Schutz und Rettung Zürich katastrophal: «Sehr viele Todesfälle in sämtlichen Altersgruppen der Bevölkerung.»



07.16 Uhr: Deutschland will die europäische Abstimmung bei der Rückholung von Reisenden verbessern

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas hat Probleme bei der Rückholung von Reisenden nach Deutschland eingeräumt und eine bessere europäische Abstimmung zugesagt. Leider könne nicht in allen Fällen innerhalb kürzester Zeit Abhilfe geschaffen werden, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntagsausgaben).

Oft stehe die Regierung bei der Rückholaktion vor grossen Herausforderungen, damit die Menschen in den jeweiligen Ländern überhaupt die Flughäfen erreichen könnten. Auch der inländische Reiseverkehr sei vielerorts zum Erliegen gekommen. Seit Beginn der Woche seien über 100'000 Deutsche nach Hause zurückgekehrt. Viele weitere hätten sich registriert und warteten auf Flugmöglichkeiten.

Zunächst hätten alle EU-Länder versucht, ihre Bürger in Eigenregie zurück nach Hause zu holen. «Jetzt registrieren wir unsere Flüge zusätzlich in einem europäischen System, das steigert die Effizienz», sagte Maas. «Wenn wir Kapazitäten haben, nehmen wir auch Bürger anderer EU-Länder mit. Andersherum können natürlich auch Deutsche auf die Rückholflüge anderer Länder aufspringen. So koordiniert können wir alle Europäerinnen und Europäer viel schneller nach Hause holen.»

07.16 Uhr: Armeechef Süssli: «Weit über 100 Gesuche an die Armee»

Die Armeeangehörigen, die in den Kantonen im Kampf gegen das Coronavirus Assistenzdienst leisten, sind zunehmend gefragt. Weit über 100 Gesuche aus dem ganzen Land sind inzwischen eingegangen.

Armeechef Thomas Süssli nannte diese Zahl in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Zurzeit stünden gegen 200 Armeeangehörige im Einsatz. Bis Ende Woche seien 2000 Armeeangehörige aufgeboten worden. Diese seien vier Tage nach dem Aufgebot – nach einer Auffrischung der Ausbildung – einsatzbereit. Hinzu kämen die Absolventen der Sanitäts- und Spitalrekrutenschulen, die ihre Fachausbildung bald beendeten. «So kommen wir kommende oder nächste Woche auf etwa 3000 Armeeangehörige, die das Personal in den Spitälern entlasten können», sagte Süssli. Auch das Grenzwachtkorps habe ein Unterstützungsgesuch an die Armee gestellt.

Die Armee kündigte vergangene Woche an, zu ihren 100 verfügbaren Beatmungsgeräten weitere 900 hinzuzukaufen. Eine erste Lieferung von 50 Geräten sei am Freitag eingetroffen, sagte Süssli. Über die Zuteilung der Geräte an die Kantone entscheide aber nicht die Armee, sondern der Bundesstab Bevölkerungsschutz.

Süssli besuchte Anfang Woche ein Spitalbataillon im Einsatz. Der Wille der Truppe, zu helfen, sei gross und die Ernsthaftigkeit mit Händen zu greifen, sagte er im Interview. «Zugleich spürt man aber auch den Druck, der auf der Truppe lastet.»

Der Bundesrat hatte Anfang Woche die Mobilisierung von bis zu 8000 Armeeangehörigen bewilligt. Diese unterstützen die zivilen Behörden im Gesundheitsbereich, in der Logistik oder im Transportwesen. Verteidigungsministerin Viola Amherd hatte von der grössten Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg gesprochen. Die Dauer des vom Bundesrat beschlossenen Assistenzdienstes sei offen, sagte Süssli auf die Frage, wie lange WK-Soldaten für den Assistenzdienst eingesetzt werden dürften. Bei Verlängerungen liege die Priorität aber bei den Rekrutenschulen. Deren Angehörige seien in der Regel noch nicht in einer beruflichen Anstellung.

06.45 Uhr: Präsident der Gesellschaft für Intensivmedizin hat sich angesteckt

Thierry Fumeaux, der geschäftsführende Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI), hat sich mit Sars-CoV-2 angesteckt. Er äussert sich zuversichtlich, in ein paar Tagen wieder gesund zu sein. Sein Fall sei nicht ungewöhnlich, sagte Fumeaux im Interview mit der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche». Pflegepersonal und Ärzte auf den Intensivstationen trügen in dieser Pandemie ein Risiko. Fumeaux ist Co-Leiter der Intensivmedizin am Spital Nyon VD.

In Italien gehöre jede zehnte infizierte Person zum Gesundheitspersonal, trotz aller Vorsichtsmassnahmen, sagte Fumeaux. Meist seien es junge und gesunde Menschen, die rasch wieder gesund würden. «Doch für die Schweiz ist das eine Gefahr.» Denn die Spezialisten seien im Kampf gegen Covid-19 unersetzlich.

Fumeaux ist laut eigener Aussage «sehr zuversichtlich», in einigen Tagen wieder gesund zu sein. Er sei seit Dienstag zuhause, habe nur wenige Beschwerden und gehöre zu keiner Risikogruppe.

06.33 Uhr: Weltweit gibt es mittlerweile über 300'000 Coronavirus-Fälle

Trotz des weltweiten Kampfes gegen die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 haben sich nach Angaben von US-Experten inzwischen mehr als 300'000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Fast 13'000 sind daran gestorben.

Das berichteten die Wissenschaftler der Johns Hopkins University in Baltimore im Bundesstaat Maryland. In den USA schnellte die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten binnen nur einer Woche um mehr als das Zehnfache auf mehr als 24'000 Fälle in die Höhe.

Fast ein Viertel der US-Bevölkerung, 80 Millionen von 330 Millionen Einwohnern, sind inzwischen von mehr oder weniger harschen Ausgangssperren betroffen. Solche Einschränkungen gab es in Kalifornien, Illinois, New York, New Jersey und Connecticut.

05.58 Uhr: Südkorea meldet abnehmende Corona-Fallzahlen

Südkorea erlebt weiter einen starken Wechsel von an- und absteigenden Zahlen bei den erfassten Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Am Samstag seien 98 Fälle hinzugekommen, meldeten die Gesundheitsbehörden am Sonntag.

Am Freitag waren 147 Menschen positiv auf den Sars-CoV-2-Erreger getestet worden. Die Gesamtzahl stieg auf knapp 8900. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, wurde mit 104 angegeben.

Zwar hatte sich im März nach dem Höhepunkt Ende Februar mit über 900 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden ein Abwärtstrend eingestellt. Doch Sorge bereitete den Behörden zuletzt eine Zunahme von kleineren Häufungen von Ansteckungen in Kirchengemeinden, Kliniken oder Pflegeheimen sowie von infizierten Personen, die aus dem Ausland eintreffen.

Am Sonntag traten deshalb noch einmal verschärfte Einreisebestimmungen bei Ankünften aus Europa in Kraft. Sämtliche Reisende oder Rückkehrer werden auf das Virus getestet. Selbst wenn der Test negativ ausfällt, müssen sich die Betroffenen in häusliche Quarantäne begeben, soweit sie länger in Südkorea bleiben.

Die Mehrheit der neu gemeldeten Infektionsfälle wurde erneut in der südöstlichen Millionenstadt Daegu und der umliegenden Region festgestellt. Die grösste Häufung im Land gibt es unter Anhängern der christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die in Daegu stark vertreten ist und auch Verbindungen nach China hat.

05.14 Uhr: Zahl der positiven Fälle und Todesfälle in der Schweiz wird in den nächsten Tagen weiter steigen

Nach Angaben von Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) vom Samstag gibt es in der Schweiz über 6100 positive Fälle und 56 Todesfälle. Diese Zahlen würden in den nächsten Tagen weiter steigen. 

Koch richtete bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag noch einmal einen dringenden Appell an ältere Leute. Wenn er Menschen mit dem Rollator an der Sonne spazieren sehe, finde er das in Ordnung. Weniger gut finde er es, wenn er die gleichen Leute im Einkaufszentrum sehe. «Jeder und jede muss versuchen, niemanden anzustecken und nicht angesteckt zu werden», sagte Koch. Das gelte ganz besonders für Risikopersonen. Diese müssten jetzt unterstützt werden, damit sie sich keinem Risiko aussetzten.

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