Acht Tipps gegen Langeweile auf dem Raclettepfännli

dpa

28.12.2019 - 10:00

Jedes Jahr zu Silvester laufen die Racletteöfen auf Hochtouren. Acht Probleme mit dem Partyklassiker – und was dagegen hilft.

Es wäre dann mal wieder Zeit für Raclette. Das ideale Silvestermenü, um sich entspannt zu unterhalten, dabei immer wieder naschen. So vergeht die Zeit bis zum Feuerwerk wie im Flug.

Und wie sieht die Wirklichkeit oft aus? Unmarinierte Fleischwürfel schmecken nach nichts. Perlzwiebeln, Cherrytomaten und Champignonscheiben verbreiten Langeweile im Mund. Und die Schüsselchen mit spannenderen Zutaten stehen grundsätzlich immer am falschen Ende des Tischs.

Gegen 21 Uhr fühlt man sich zum Platzen vollgegessen und sehnt sich auf sein heimisches Sofa. Doch wie vermeidet man Langeweile und Fettnäpfchen um die Raclettepfännchen?

Mehrere Probleme – und Lösungsvorschläge:

1. Die Gäste horten die Zutaten, weil sie Angst haben, es reicht nicht für alle.

«Die Vorratshaltung muss man einplanen», sagt die Stil- und Etikette-Trainerin Susanne Helbach-Grosser. Deshalb gilt es, mehr Teller einzudecken als Leute am Tisch sitzen. Sinn mache auch, mehrere Racletteöfen aufzustellen. So können die Teilnehmer die Zwei-Pfännchen-Taktik anwenden. Vorteil: Während man ein Pfännchen schmaust, brutzelt schon das nächste.



2. «Reichst du bitte mal die Cornichons? Reichst du mir bitte den anderen Käse?» Spätestens nach der dritten Bitte kommt man sich blöd vor und lässt es.

«Ein Extra-Buffet, etwa in der Küche, ist das Mittel gegen den Bettel-Modus», sagt Helbach-Grosser. Dadurch blieben auch alle in Bewegung – ein weiterer Vorteil.

Eine Alternative ist eine «Lazy Suzy». «Das ist eine Drehplatte, auf der viele Schälchen Platz haben. Man kennt sie aus chinesischen Restaurants», erläutert Helbach-Grosser. Ansonsten könne der Gastgeber gleich zu Beginn auch auffordern, dass jeder, der gerade eine Platte oder ein Schälchen in der Hand hält, zugleich rechts und links etwas davon anbietet.

3. Die edlen Fleischfilets schmecken fade.

Marinieren könnte ein Rezept sein. Cornelia Schinharl empfiehlt eine orientalische Marinade. Dafür verrührt die Kochbuchautorin frischen Koriander, Knoblauch, Kreuzkümmel und Paprikapulver mit zwei bis drei Esslöffeln Olivenöl und gibt dazu noch etwas Saft und den Abrieb einer Zitrone. «Darin wird das Fleisch mindestens eine Stunde eingelegt. Die Marinade eignet sich sowohl für Lende, Filet, Pouletbrust als auch Fisch und Garnelen», erklärt Schinharl.

TV- und Sternekoch Björn Freitag würde nur Pouletfilets verwenden und die rund vier mal zwei Zentimeter grossen Streifen über Nacht marinieren – in einer Mischung aus Rapsöl, Chili, Paprika und Limette. «Rindsfilets sind nicht optimal für Raclette. Bei denen kommt es auf den perfekten Garpunkt an, den man besser bei Steaks trifft», erklärt Freitag.

4. Das Fleisch wird ganz schnell dunkel und schmeckt nach Eingebranntem.

Umso länger der Abend dauert und umso mehr Leute an einem Tischgrill brutzeln, desto verkrusteter wird dessen Platte. «Deshalb muss sie immer wieder sauber geschabt werden», erklärt Schinharl.

Zur Krustenbildung tragen Gäste bei, die Käse auf die Grillplatte legen. «Dort verbrennt er. Käse gehört nicht nach oben, sondern in die Pfännchen», klärt die Raclette-Expertin auf.

5. Käse liegt schwer im Magen.

«Unter jeden Käsebelag frisch gehackten Ingwer geben, das nimmt dem Raclette die Schwere», empfiehlt Schinharl. Am besten hat jeder Gast sein eigenes Schälchen mit der gelben Wurzel.

Und Freitags erfrischendes Mittel gegen zu fettigen Käse? «Da hilft ein kräftiger Gurkensalat – mit reichlich Essig dran», sagt der Koch.



6. Jeder Happen schmeckt nur noch nach Käse.

«Man muss dem Käse etwas entgegensetzen», sagt Freitag. Er schwört auf kandierte Zwiebeln. Dazu schneidet er rote Zwiebeln in Streifen und kocht sie mit Essig, Zucker und Salz eine halbe Stunde.

7. Pure Champignonscheiben, ganze Kirschtomaten, Dosenmais und Co. führen nicht gerade zu Geschmacksexplosionen.

«Schon komplette Gerichte komponieren», rät Schinharl. Fertige Portionen für die Pfännchen oder vorbereitete Spiesschen helfen unentschlossenen Gästen ohne Fantasie. Schinharl denkt da an Chili-Speck-Pfännchen, Grünkohl-Apfel-Pfännchen oder herzhafte Hackbällchen, die schon in blanchierten Chinakohl- oder Mangold-Blättern eingerollt sind.

Eine andere Variante sind Lachs-Champignon-Spiesse. Die Würfel werden vorm Aufspiessen in einer Mischung aus Zitrone, Olivenöl, Honig, Chilipulver und Salz mariniert. Sind sie auf der Grillplatte fertig gebraten, wird dazu Ingwerbutter (Butter, feingehackter Ingwer, Zitronenschalenabrieb, Schnittlauch, Salz, Pfeffer) gereicht.

Freitag bevorzugt statt Mais aus der Dose Fingermais, der oben auf den Stein kommt: «Er wird erst gesalzen, wenn er fertig gebraten ist.» Halbierte Kirschtomaten werden in Pfeffer, Salz und Olivenöl mariniert. Brokkoliröschen sollten zuvor blanchiert werden: «Aber kalt abschrecken, das macht eine schöne Farbe», so der TV-Koch.

Mit ein paar simplen Racletteideen lassen sich die appetitlichsten kleinen Schmelztiegel zaubern.
Bild: Gräfe und Unzer 

Sein Favorit fürs Raclette sind Süsskartoffeln: «Sie werden in halbe Zentimeter breite Scheiben geschnitten und kurz gedünstet. Mit Käse überbacken sind sie eine Wucht.» Weitere Kartoffelideen: Die Knollen vorgaren und in Speck einwickeln oder sie mit Tomatensauce mischen.

8. Fertig-Grillsaucen, die alles nach sommerlichem Grillabend schmecken lassen.

Salsa oder selbst gemachtes Chutney bringen individuellen Geschmack. Wie wäre es mit Mangochutney? «Das geht ganz einfach», so Freitag. «Dafür brät man Zwiebeln kurz an, fügt Chili, Mangowürfel und einen Schuss weissen Balsamico-Essig hinzu.»

Bibliografie: Raclette, Cornelia Schinharl, Gräfe und Unzer Verlag, 64 Seiten, rund 17 Fr.

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