Fitnessboom im Corona-Stillstand – plötzlich treiben alle Sport  

Sulamith Ehrensperger

23.3.2020 - 16:20

Joggen alleine ist derzeit sehr beliebt, und auch erlaubt.
Bild: Getty Images

Zu Hause bleiben – das ist ein Gebot der Stunde in der Corona-Krise. Doch scheint Freizeitsport so beliebt wie nie. Wer kein Fitnessgerät kauft oder Joggen geht, trainiert mit viel Fantasie im Haushalt.

Kraft- und Ausdauerübungen mit dem eigenen Körpergewicht funktionieren auch zu Zeiten des «Lockdown» von Sportstätten. Im Prinzip braucht es dazu nur eine Gymnastikmatte oder eine passende App oder andere virtuelle Trainer.

Die Corona-Krise hat innert kürzester Zeit bei den Sportartikelanbietern zu einer grossen Nachfrage geführt. Und dies trotz geschlossener Läden. Sportfachhändler Ochsner Sport verkauft ein Vielfaches mehr Fitnessgeräte wie Laufbänder oder Hometrainer verglichen mit März letzten Jahres, wie es auf Anfrage heisst. Auch bei Kleinfitnessgeräten hat die Nachfrage extrem zugenommen. «Aber auch bei Tischtennis- und Basketballausrüstung und Scootern verzeichnen wir eine extreme Steigerung», sagt Marketingchef Marco Greco.

Auch beim Onlineshop Galaxus ist die Nachfrage deutlich spürbar: «Wir verkaufen fast fünfmal so viele Fitnessgeräte wie im gleichen Zeitraum letztes Jahr», sagt Alex Hämmerli, Sprecher der Digitec Galaxus AG. Einen besonders grossen Anstieg in der Nachfrage spüre man zurzeit bei Fitnessgeräten wie Kettlebells, Springseilen, Bauchtrainern, Yogamatten und Hanteln.

Extrem-Staubsaugen oder Power-Putzen

Wer keine Fitnessgeräte zur Hand hat, vertraut zurzeit auf seine Phantasie und Selbstmotiviation, wie die unzähligen Posts derzeit in den Social-Media-Kanälen zeigen. Tatsächlich scheint Bewegungsnot erfinderisch zu machen.



Manche verbinden Fitnesstraining mit Haushaltstätigkeiten, etwa Extrem-Staubsaugen, Power-Fensterputzen oder Ausdauer-Hemdenbügeln. Manch einer kreiert eine improvisierte Fitnessstation in den eigenen vier Wänden: etwa Fitnesstrainer und Bergsportler Tonny Valenzuela, er zeigt seine Klettertour durch die Wohnung auf Instagram.

Doch auch sportliche Aktivitäten an der frischen Luft sind in der Corona-Krise sehr beliebt – und mit den nötigen Vorsichtsmassnahmen und Social Distancing auch in Ordnung. Zum Beispiel allein Joggen, Fussballspielen in einer Gruppe aber nicht.

Dass viele ihre sportlichen Aktivitäten in die Natur verlegt haben, merken Sporthändler auch bei einer grossen Nachfrage nach Outdoor-Ausrüstung. Laut Greco habe sich bei Ochsner Sport die Nachfrage in der Sparte Biken und Running signifikant gesteigert. Weil die Läden vorerst geschlossen bleiben, beraten die Mitarbeiter nun die Kunden telefonisch bei der Suche nach der richtigen Ausrüstung.

Viktor Röthlin coacht Schüler virtuell

Auch weniger «schnelle» Sportarten scheinen in Krisenzeiten beliebt: Viele suchen zurzeit Entspannung beim Wandern. «Bei Wanderschuhen sehen wir eine Verdoppelung der Verkäufe im Vergleich zum letzten Jahr», sagt Hämmerli von Galaxus. Das BAG empfiehlt auch hier die Regeln einzuhalten und für die Wanderungen keine ÖVs zu benutzen. Zum Glück beginnen Wanderwege manchmal direkt vor der Haustüre. 

Dass dem Laufsport im Moment grosse Aufmerksamkeit gewidmet wird, merken auch weitere Anbieter im Sportbereich. Aufgrund der aktuellen Situation hat das Team der Schweizer Lauf-App «Running Coach» zusammen mit Marathon-Europameister Viktor Röthlin eine Solidaritäts-Aktion ins Leben gerufen.

«Damit der Sportunterricht trotz Corona-Krise und Schulschliessung stattfinden kann, haben wir ein auf die Schüler und ihr Niveau zugeschnittenes Laufprogramm und Kräftigungsübungen entwickelt», sagt Stefan Lombriser, CEO der Quevita AG.

Für die Sportlehrer gibt es eine spezielle Version, die Rückmeldungen zum Training ihrer Schüler ermöglicht. Bisher hat der App-Coach rund 3'000 Schüler mit der Aktion in Bewegung gebracht. Viktor Röthlin wird also die Schüler während den nächsten Wochen virtuell begleiten.

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