Adrian Huser, Volunteer: «Seit 16 Jahren arbeite ich mit Herzblut mit»

15.6.2018 - 13:56, Marianne Siegenthaler

Beim diesjährigen «Strongmanrun 2018» in Engelberg war Adrian Huser als Hindernisüberwacher tätig.
zVg

Ohne freiwillige Helferinnen und Helfer, so genannte Volunteers, könnten viele Veranstaltungen in der Schweiz nicht stattfinden. IT-Spezialist Adrian Huser aus Winterthur engagiert sich seit 16 Jahren an Sportanlässen und kulturellen Events.

Adrian Huser ist seit Jahren mit viel Herzblut dabei – sei es an Schwingfesten, Beach-Volleyball-Events, Freilichtspielen und anderen Veranstaltungen an den verschiedensten Orten in der Schweiz.

Bluewin: Herr Huser, Sie leisten seit 16 Jahren Freiwilligenarbeit. Wie sind Sie dazu gekommen?

Adrian Huser: Das war ein reiner Zufall. Ein Kollege, der damals als Schiedsrichter an einem grossen Volleyballturnier in Gstaad amtierte, ermunterte mich, als Volunteer teilzunehmen. Für mich war das eine spannende Herausforderung, und so sagte ich zu.

Es ist nicht bei einem einmaligen Einsatz geblieben.

Zu Beginn war ich hauptsächlich an Volleyball-Turnieren mit dabei. Später meldete ich mich für verschiedene andere Veranstaltungen an, die mich interessierten. Es sind rund ein Dutzend Einsätze pro Jahr – manchmal mehr, manchmal auch weniger, wenn ich beruflich sehr ausgelastet war.

Welche Jobs hatten Sie bei diesen Einsätzen?

Ich war unter anderem schon als Platzanweiser, Ticket- und Ausgangskontroller sowie in der Verpflegung tätig. Das Einsatzgebiet kann man sich über die Suchmaske der Internetseite von Swiss Volunteers selber auswählen.

Sie arbeiten nicht nur unentgeltlich, Sie «opfern» dafür auch viel Freizeit oder gar Ferien. Weshalb?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ich bin beruflich viel im Inland wie auch im Ausland unterwegs. Da ist ein solcher Einsatz an irgendeinem schönen Ort in der Schweiz manchmal fast ein bisschen wie Ferien. Spannend finde ich, dass man als Volunteer auch einen Blick hinter die Kulissen werfen kann. Nicht zuletzt lernt man immer neue Leute kennen – nicht  nur andere Freiwillige, sondern auch teils prominente Sportler oder Künstler, die an der Veranstaltung teilnehmen. Mit diesen ergeben sich manchmal sehr interessante Gespräche, denn die meisten sind uns gegenüber locker und geben sich überhaupt nicht unnahbar. Und natürlich lernt man je nach Einsatz immer etwas dazu, also beispielsweise wie man den Verkehr regelt oder Pommes frites zubereitet.

Muss man dafür Kurse besuchen?

Nein. Jeder Volunteer bekommt gleich vor Ort kurz vor dem Start des Events bei einem Briefing seine Aufgabe erklärt.

Dann kann eigentlich jeder Volunteer werden?

Grundsätzlich schon. Wichtigste Voraussetzung ist, dass man bereit ist, vollen Einsatz zu leisten. Die Verteilung der Jobs erfolgt je nach Wunsch und Fähigkeiten. Ich habe bisher praktisch nur gute Erfahrungen mit anderen Volunteers gemacht: Sie alle sind hochmotiviert und die Zusammenarbeit klappt in der Regel sehr gut – wenn der Ablauf richtig  durchgeplant und organisiert ist.

Sie sind IT-Spezialist. Beeinflusst Ihr Beruf in irgendeiner Art und Weise Ihre Einsätze?

Tatsächlich bin ich durch meinen beruflichen Hintergrund sehr prozessorientiert. Deshalb ist es mir auch ein Anliegen, dass eine möglichst perfekte Organisation der Freiwilligenarbeit erfolgt. Jeder soll genau wissen, wann er wo welchen Einsatz zu leisten hat. Da darf es nicht passieren, dass plötzlich einer ganz alleine im Verpflegungszelt steht, das Bier anzapft, den Salat garniert und die Pommes fritiert – wie mir das mal passiert ist.

Geld bekommen sie keins für Ihre Arbeit, bekommen Sie aber wenigsten Wertschätzung?

Den Organisatoren ist in der Regel sehr bewusst, dass Volunteers wichtig sind für einen möglichst reibungslosen Ablauf einer Veranstaltung und entsprechend gross ist die Wertschätzung. Zum grossen Teil dankt uns der Eventorganisator anlässlich der Rangverkündigung oder bei einer Durchsage an die Zuschauer für unseren Einsatz. Zuweilen organisiert er auch ein gemütliches Zusammensein, etwa ein gemeinsames Grillieren. Eher selten erhalten wir eine Spesenentschädigung beispielsweise für die Übernachtung.

Die Organisatoren wissen die Freiwilligen also zu schätzen. Was ist mit dem Publikum?

Das ist ganz unterschiedlich. Als Volunteers tragen wir eine offizielle Bekleidung, die uns als solche erkennbar machen. Trotzdem gibt es immer mal wieder Menschen, die unseren Weisungen nicht oder nur sehr unwillig Folge leisten.

Wie reagieren Sie in solchen Momenten?

Hier ist es wichtig, dass man ganz ruhig bleibt und auch auf allfällige Provokationen nicht eingeht. Erst recht nicht, wenn ein Notfall ansteht.

Haben Sie einen solchen schon mal erlebt?

Im letzten Sommer wurden wir an einem Event in Engelberg von einem schweren Unwetter überrascht. Ich erinnere mich gut, wie der Wasserfall plötzlich anschwoll und sich das Wasser braun färbte. Ein Murgang auf der anderen Talseite erforderte dann eine rasche Evakuierung des Festplatzes. Das liess natürlich niemanden kalt, und wir mussten uns sehr dafür einsetzen, dass dies geordnet vor sich ging und beispielsweise die Busse freie Fahrt hatten, um die Menschen aus dem Tal zu bringen.

Welche Einsätze haben Sie in naher Zukunft auf dem Programm?

Ganz sicher dabei bin ich am Bernisch Kantonalen Schwingfest in Utzensdorf vom 10. bis 12 August. Darauf freue ich mich schon sehr.

Swiss Volunteers

Die nationale Nonprofit-Organisation Swiss Volunteers richtet sich an Personen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, sowie an Veranstalter, die ihre Events nur dank Freiwilligen durchführen können und die das Engagement ihrer ehrenamtlichen Helfer besser planen und honorieren möchten. Swiss Volunteers fördert den sozialen Austausch und verbindet Menschen bei einer sinnvollen Tätigkeit für die Gemeinschaft. Interessierte können sich auf der Homepage ganz einfach ein Profil erstellen und sich unter anderem direkt für die gewählte Veranstaltung anmelden. swissvolunteers.ch

Die Gesprächserie: «Wir sind die Schweiz»

Die Schweiz ist ein Land, in dem man gerne lebt, in dem fast alles funktioniert, manches sogar perfekt. In unserer Gesprächsserie «Wir sind die Schweiz» sprechen wir mit Menschen aus unserem Land über ihre Sicht auf die Heimat. Zuletzt sprachen wir mit Gymi-Schüler Simon KloosEx-Dompteuse Elvira Wegmann,  Autorin Sybil Schreiber, Tänzerin Melanie Alexander und Comic-Zeichner Sven Hartmann.

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