Diese «Goofen» können auch mit den Händen singen

5.7.2018 - 09:14, Michael In Albon, Nachhaltigkeitsblog

Der Besuch der Schwiizergoofe stellte das Bundeshaus kurzzeitig auf den Kopf.
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Die verrückte Kinderschar der «Schwiizergoofe» hat anlässlich des Weltkindertages an eine wichtige Fähigkeit erinnert, die uns Erwachsenen oft abhanden kommt — offen auf Menschen zuzugehen, die anders sind.

Sobald sie die grosse Treppe in der Eingangshalle des Bundeshauses betreten hatten, änderte sich alles: Kein Stein blieb auf dem anderen, die Teppiche am Boden mussten mehr einstecken als sonst, weil diese Kinderhorde einerseits dauernd in Bewegung war und andererseits barfuss tanzte.

Die drei steinernen Eidgenossen im Hintergrund wurden uminterpretiert: Sie schwören nicht, sie setzen zu einer La Ola an. Der Besuch der Schwiizergoofe am 1. Juni auf Einladung von Nationalratspräsident Dominique de Buman und Ständerätin Pascale Bruderer hatte eine simple Botschaft: Anders ist gut.


Besonderheiten verwischen auf einen Schlag

Die singenden und springenden Kinder des Schwiizergoofe-Chor wurden mit Kindern des Zürcher Zentrums für Gehör und Sprache ergänzt. Von ihnen können jedoch nicht alle springen, manche sind gehörlos, manche haben Mehrfachbehinderungen. Sieht man sie im Chor, verwischen diese Besonderheiten auf einen Schlag.

Alle haben Spass, lachen und tanzen, egal, ob das Gspänli daneben mit den Händen singt. Bruderer und de Buman hiessen Kinder und Gäste willkommen und machten klar: Eine Gesellschaft nähre sich aus den Unterschieden ihrer Mitglieder. Das gelte für einen Kinderchor, für ein Unternehmen, für das Parlament, für uns alle.

«Botschafter für eine Gesellschaft ohne Grenzen»

Was das Behindertengleichstellungsgesetz und die UNO Behindertenrechtskonvention, die die Schweiz bereits 2013 ratifizierte, schon lange Jahre fordern, haben die Schwiizergoofe an einem Nachmittag erreicht. Der soziale Austausch über die Andersheit ist nicht umständlich oder kompliziert, sondern bereichernd, ungehemmt und problemlos machbar.

Ständerätin Bruderer begrüsste wie selbstverständlich die Gäste in Gebärdensprache. Und die Gäste, die diese Sprache nicht kannten, konnten erahnen, wie es gehörlosen Mitmenschen ergeht, wenn wir Hörenden uns nicht auf sie einlassen. «Es war ein sehr emotionaler Weltkindertag im Bundeshaus im Zeichen gelebter Inklusion. Die Kinder stecken mit ihrer Lebensfreude und Unbekümmertheit alle an. Sie sind fantastische Botschafter für eine Gesellschaft ohne Grenzen», kommentierte Bruderer gerührt.

Die Wirtschaft in der Pflicht

Auch Unternehmen können einen Beitrag leisten. Meine Arbeitskollegen mit Behinderungen attestieren ihrem Arbeitgeber eine hohe Bereitschaft, ihre speziellen Bedürfnisse mit teilweise ganz einfachen Mitteln zu adressieren.

Oder: Im Rahmen der Grundversorgung für die Schweiz bieten wir einen Videotelefonie-Service für hörbehinderte Menschen an. Oder: Wir achten auf Zugänglichkeit unserer Shops für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Freilich tun wir bereits viel.

Und freilich könnten wir mehr tun. Schade ist eigentlich nur, dass unsere Leistungen für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen auch heute immer noch besonders und erwähnenswert sind. «Wills mitenand gäng besser geit», heisst es in einem Lied der Schwiizergoofe.

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Michael In Albon ist Jugendmedienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte bei Swisscom.
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