Ist Littering in der Schweiz überhaupt ein Problem?

Stefanie Haag

16.10.2019 - 16:30

Sauberkeit gehört zur Schweiz wie die Schoggi und der Käse. Aber haben wir deshalb tatsächlich kein Littering-Problem?
Bild: Keystone

Wiesen voller PET-Flaschen, Plastikverpackungen und sonstiger Müll: Bei einem solchen Bild denken wir eher an Süditalien als an unseren Alltag. Aber sind wir Schweizerinnen und Schweizer wirklich so sauber, wie es unsere Strassen vermuten lassen?

Dass Schweizer Städte im Gegensatz zu ihren europäischen Pendants nur so glänzen, liegt zu einem Grossteil auch an den unermüdlichen städtischen Putzequipen, die teils Tag und Nacht durch die Strassen ziehen und den Müll des Alltags wegräumen.

Gerade weil diese oft schon in den frühen Morgenstunden ihrer Arbeit nachgehen, sehen wir den ganzen Abfall, den wir hinterlassen, oft gar nicht.

Sie wollen ihn sehen? Dann spazieren Sie nächsten Sonntag um 6 Uhr morgens durch die Innenstadt!

Aufgeräumt wird dann, wenn alle anderen schlafen.
Bild: Keystone

5'000 Tonnen Plastik

Aber der Abfall ist dennoch da, und zwar ganz schön viel davon: Laut einer Studie, die das Bundesamt für Umwelt im Sommer veröffentlicht hat, landen in der Schweiz jährlich allein 5'000 Tonnen Plastik am Boden und in der Natur – hinzu kommt aller Abfall, der nicht Plastik ist.



Zum Vergleich: Eine in der Schweiz lebende Person verursacht im Jahr gut 700 kg Abfall. Es wird also jedes Jahr alleine so viel Plastik auf den Boden geworfen, wie über 7'000 Menschen in einem ganzen Jahr an Abfall generell verursachen.

Dabei ist nicht nur Plastik ein Problem. Biologisch abbaubare Materialien wie Holz, Karton oder Lebensmittel werden gerade deshalb viel zu oft nicht richtig entsorgt. Nur weil sich eine Bananenschale irgendwann einmal zersetzt, ist es trotzdem keine Lösung, sie einfach auf den Grünstreifen am Strassenrand zu werfen.

Bis eine Bananenschale sich zersetzt, dauert es bis zu zwei Jahre.
Bild: AdobeStock

Das Plastik in uns

Plastikabfall hat den schlechtesten Ruf, da er sich nie zersetzt. Das stimmt insofern, als er sich nie in Kompost oder Erde verwandeln wird. Das Aussehen verändert sich aber dennoch: Am Anfang ist Plastik noch sichtbar, etwa im Wald finden sich Flaschen, Plastikverpackungen und anderer Restabfall.

Doch dann werden die Gegenstände von der Natur langsam zersetzt und verwandeln sich in kleinste Mikropartikel – das sogenannte Mikroplastik.

Auch Schweizer Gewässer sind belastet durch Plastikmüll. Man schätzt, dass in Schweizer Naturschutzgebieten rund 53 Tonnen Mikroplastik liegen.
Bild: Getty Images

Mikroplastik hat sich inzwischen so weit verbreitet, dass es im Boden, in Gewässern und sogar im menschlichen oder tierischen Körper in beunruhigenden Mengen nachweisbar ist. Wir nehmen das künstliche Material über Lebensmittel, Kosmetika, Textilien, Reinigungsmittel und viele andere Wege in unseren Körper auf.

Was tun gegen Littering und Plastikverschmutzung?

Bei der Frage, wie man dem Problem am besten begegnet, sind sich Experten uneinig. Eine Variante ist ein Littering-Verbot, das bei Verstoss zu einer Busse führt.

Einige Schweizer Kantone setzen bereits auf das Verbot, wie etwa Lausanne, Basel und Bern. Dort bezahlt man zwischen 80 und 150 Franken Bussgeld, wenn man Abfall auf den Boden wirft. Doch funktioniert der Abschreckungseffekt?

Wird das Thema Littering bereits in der Schule thematisiert, hinterlässt das Spuren im Umgang mit Abfall.
Keystone

Kritiker meinen nein, und setzen sich für den Präventionsansatz ein. So hat sich etwa die Interessengemeinschaft saubere Umwelt IGSU zum Ziel gesetzt, die Gesellschaft zu sensibilisieren und die Einstellung der Menschen zu Littering nachhaltig zu ändern.

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Stefanie Haag ist im Team Corporate Responsibility tätig und zuständig für Reporting und Employee Engagement.
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