Bad Wörishofen Barfuss durch Kneipps Wasserwelten schreiten

Bernd F. Meier, dpa

22.2.2020

«Wir haben den einzigen Kneipp-zertifizierten Golfplatz», schwärmt die Kurdirektorin Petra Nocker. Die Lehre jenes Mönchs von der Heilkraft des Wassers ist in Bad Wörishofen auf Schritt und Tritt präsent.

Muntermachen ist ein Spezialgebiet von Ines Wurm-Fenkl. Einfach die Arme für zehn bis 20 Sekunden in Wasser eintauchen und mit den nassen Händen den Nacken benetzen, empfiehlt sie. «Danach ist man wieder fit. Das wird auch die Tasse Kaffee des Kneippianers genannt.»

Heilpraktikerin Wurm-Fenkl lehrt an der Sebastian-Kneipp-Akademie in Bad Wörishofen im Unterallgäu. Die Hydrotherapie – die Wasserkunde nach Sebastian Kneipp –, ist ihr Fachgebiet.

Etwa 120 Wasseranwendungen gibt es nach der Kneippschen Lehre. Zunächst von Apothekern und Ärzten als Kurpfuscher bekämpft, gelang Kneipp 1886 der Durchbruch mit dem Buch «Meine Wasserkur», in dem der Priester die gesundheitsfördernde Wirkung der Güsse beschrieb.

Auf blanken Sohlen übers Holz: Barfussgehen soll laut Kneippscher Lehre unter anderem das Immunsystem stärken.
Auf blanken Sohlen übers Holz: Barfussgehen soll laut Kneippscher Lehre unter anderem das Immunsystem stärken.
Bild:  Bernd F. Meier, dpa

Drei Jahre später legte er mit «So sollt ihr leben» ein zweites Standardwerk nach. Darin erläuterte er sein Gesundheitskonzept mit fünf Säulen: Wasser, Kräuter, Ernährung, Bewegung und innere Ordnung.

Kneipp-Museum im Kloster

«Zu dieser Zeit verbreitet sich die Kunde von der Kraft der Kneippschen Anwendungen in Adel und Klerus», erzählt Werner Büchele beim Rundgang durch das Bad Wörishofener Kneipp-Museum.

Die Sammlung ist untergebracht im Kloster der Dominikanerinnen, wo Kneipp von 1855 bis zu seinem Tod 1897 als Beichtvater wirkte. Sie zeigt etwa 2'000 Exponate und Dokumente aus Kneipps Leben und zu seiner Lehre.

Wasserdoktor sei der Priester damals genannt worden, sagt Büchele. Kneipp hielt in der historischen Wandelhalle des Ortes Vorträge zum gesunden Leben und redete dabei von einem erhöhten Podium herab wie von einer Kirchenkanzel.



Immer mehr Menschen kamen und suchten Linderung ihrer Leiden durch die Kneippschen Kuren. Nach seinem Tod ging die Zahl der Kurgäste zunächst zurück, doch längst hatten ortsansässige Ärzte und engagierte Bürger wohl auch den wirtschaftlichen Wert des Kurbetriebes erkannt und erhielten das Erbe Kneipps. 1920 folgte schliesslich die offizielle Ernennung von Wörishofen zum «Bad» durch das Bayerische Innenministerium.

Zentrum der Kneipp-Bewegung

Heute, 100 Jahre später, präsentiert sich Bad Wörishofen als Zentrum der weltweiten Kneipp-Bewegung. Als grünes Schmuckstück gilt der Kurpark mit Rosarium, Duft- und Aromagarten, Heilkräutergarten und einem speziellen Garten der Männergesundheit mit zwölf Heilpflanzen.

Man versucht aber auch, die ursprüngliche Idee in neue Konzepte umzusetzen. «Wir haben den einzigen Kneipp-zertifizierten Golfplatz», erzählt Kurdirektorin Petra Nocker. Golfen, die Platzreife erlangen, Wassertreten und Kneippsche Güsse bekommen: All das lässt sich auf dem 18-Loch-Golfplatz im Nachbarort Rieden kombinieren.

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