Cap Miné – traumhafte Strände mit trauriger Vergangenheit

Joachim Hauck, dpa

22.2.2020 - 18:00

Langsam verblassen sie, die Spuren der Geschichte von Madagaskars Norden. Wer näher hinsieht, erkennt, dass sich hier einst Schlimmes zugetragen hat. 

Eineinhalb Stunden rumpelt der Jeep über die von Schlaglöchern übersäte Küstenstrasse am Indischen Ozean, dann stoppt er an einem Schlagbaum.

An einem kleinen Tisch hocken ein paar Soldaten, die ihre angejahrten Gewehre an ihr halb verfallenes Wachhäuschen gelehnt haben. Sie spielen fröhlich Karten. Gegen ein kleines Trinkgeld klappen sie die Sperre hoch.

Vor den Besuchern liegt nun, ausgerechnet auf Militärgelände, einer der herrlichsten Küstenabschnitte Madagaskars: Der Strand von Cap Miné, einem Ausläufer des Ramena Beach, der von manchen zu den schönsten Stränden der Welt gezählt wird.

Zivilisten sind hier willkommen. Das Militär bemerkt man kaum. Soldaten bekommen die Gäste aus aller Welt am langen, feinsandigen Strand jedenfalls nur selten zu Gesicht.

Einst Kriegsschauplatz, heute Traumstrand: auch das ist Madagaskar. 
Bild: iStock

Wer einen kleinen Spaziergang macht zum alten Fort von Cap Miné, das heute amtlich Cap Andranomody heisst, der stösst aber auf Spuren einer bewegten Vergangenheit. Befestigungen mit mächtigen Kanonen zeugen von den Schrecken des Krieges.

Wichtiger Hafen im Zweiten Weltkrieg

Der Blick geht fast 80 Jahre zurück. Es ist die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Das von den französischen Kolonialherren besetzte Cap Miné an der Spitze der Bucht von Diego Suarez, das heute Antsiranana heisst, war wegen seines Naturhafens strategisch wichtig.

Die mit Nazi-Deutschland verbündeten Japaner, die in Südostasien grosse Bereiche erobert hatten und im Indischen Ozean dadurch sehr präsent waren, schmiedeten Angriffspläne. Der britische Generalstab bekam Wind davon und entschloss sich zu einem Präventivschlag.



Waffengewalt war unvermeidlich, weil Franzosen und Engländer auf Madagaskar nicht Freunde, sondern Feinde waren – das französische Militär auf der Insel stand zu dem mit Adolf Hitler kollaborierenden Vichy-Regime. Und so prallten die in Europa miteinander verbündeten Armeen im Indischen Ozean heftig und brutal aufeinander.

Die Operation Ironclad

Mit mehr als 50 Kriegsschiffen und massiver Unterstützung aus der Luft starteten die Briten am 5. Mai 1942 die «Operation Ironclad», die Operation Panzerschiff. Der Wucht der Angriffswellen hatten die Verteidiger – obwohl zahlenmässig überlegen – wenig entgegenzusetzen.

Nach zwei Tagen schon streckten sie die Waffen und zogen sich in den Süden der Insel zurück. Im November 1942 kapitulierte die Armee von Vichy-General Armand Léon Annet endgültig.



Hunderte Soldaten liessen ihr Leben, Tausende wurden verletzt. Bestattet sind die Feinde von einst auf dem Soldatenfriedhof von Antsiranana, ihre Gräber werden von Franzosen und Briten gemeinsam gepflegt. In Cap Andronomody ist die Erinnerung an die Schlachten von 1942 weitgehend verblasst. Die Badegäste freuen sich vor allem über den feinen Korallensand und das kristallklare Wasser.

Und auch die jungen Wehrpflichtigen am Schlagbaum haben auf die Frage, was sie denn über die Vergangenheit des Forts wissen, nur ein freundlich-verlegenes Kopfschütteln übrig.

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