Komodo-Nationalpark – wo echte Giganten der Tierwelt leben

Philipp Laage, dpa

2.1.2020 - 10:00

Auf der indonesischen Insel Komodo wohnen die grössten Echsen der Welt. Sie sollte angeblich vorübergehend geschlossen werden. Eine Begegnung mit Riesenechsen und Mantariesen. 

Als die Riesenechse aus dem Gebüsch hervorbricht, treiben die Touristen auseinander. Eine Frau huscht verschreckt hinter einen Baum. Niemand hat den Komodowaran kommen sehen, züngelnd und nahezu lautlos läuft er zum Wasserloch.

Die bis zu drei Meter langen Warane sind die grosse Attraktion im Komodo-Nationalpark in Indonesien. Es gab Pläne, die Hauptinsel Komodo für Touristen zu schliessen. Doch das ist vom Tisch.

Die Komodowarane sind aber längst nicht die einzige Sehenswürdigkeit in dem Nationalpark, der neben Komodo selbst noch mehrere andere Inseln umfasst.



Feriengäste erkunden den Park am besten auf einem mehrtägigen Bootsausflug. Wer allein für die Echsen kommt, verpasst etwas: puderweisse Strände, artenreiche Korallenriffe – und echte Giganten unter Wasser. Aber die kommen ganz zum Schluss.

Postkartenkulisse: Selfie-Stop auf Kanawa

Die dreitägigen Bootstouren starten in Labuan Bajo auf Flores, die Schiffe laufen dann bis zu zehn Orte im Nationalpark an. Erster Halt auf dieser Tour: Kanawa Island. Weisser Sand, türkises Wasser. Ein Pfad führt hinauf zur höchsten Stelle des Eilands, für das unvermeidliche Selfie. Von oben sind die Farben des Wassers betörend.

Nachmittags geht es tiefer hinein in den Nationalpark. Die Jungs von der Crew, keiner älter als 20 Jahre bis auf den tätowierten Kapitän, servieren Fisch. Zum Nachtisch gibt es frittierte Bananen.

Der Komodo-Nationalpark liegt etwa eine Flugstunde von Bali entfernt und westlich der Insel Flores.
Bild: dpa-infografik GmbH

Die Crew wirft den Anker aus bei einem unscheinbaren Eiland unweit von Rinca, der zweiten grossen Insel des Parks. Es ist fast dunkel, letztes Abendrot am Horizont – die Stunde der Flughunde. Hunderte Tiere steigen aus den Mangroven in die Höhe und flattern über das Schiff hinweg, um nachts auf Nahrungssuche zu gehen.

Sonnenaufgang auf Padar: Das Motiv der Motive

Wer aus dem Nationalpark spektakuläre Fotos mitbringen möchte, muss am folgenden Morgen vor Sonnenaufgang aufstehen. Ein gutes Dutzend Ausflugsboote legt vor Padar Island an, mindestens 200 Touristen steigen über einen Pfad hinauf zum höchsten Punkt. So überlaufen der Aussichtspunkt ist, so einsam und wild liegt die Inselwelt dar.

Auf Padar zeigt sich, dass die besonders schönen Orte der Erde schnell keine Geheimtipps mehr sind. Einmal entdeckt, gehen die Fotos sofort um die Welt. Die Insel antizyklisch anzusteuern, ist nur bedingt möglich: Jeder will zum Sonnenaufgang da sein.

Kurs auf Komodo. Vor dem Besuch der Warane steht noch der Pink Beach auf dem Programm. Durch Ablagerungen von Korallen hat der Sand eine rötlich-pinke Farbe. Hier gehen die Besucher baden und schnorcheln, sie laufen am Strand entlang, sammeln Muscheln und fotografieren.

Komodo: Besuch auf der Dracheninsel

Die Reisegruppe ist schon gut euphorisiert, bevor es endlich zu den Waranen geht. Überfahrt mit dem Beiboot, Anmeldung im Ranger-Zentrum, eine Stunde dauert der Spaziergang mit Guide. Am Wasserloch hat die Gruppe Glück – und macht dem Waran aus dem Gebüsch ehrfürchtig Platz. Das Exemplar ist aber nicht angriffslustig.

Komodowarane haben 54 verschiedene Bakterien im Maul, eines ist für Beutetiere tödlich. Die Echsen jagen sogar Wildschweine und Hirsche, da hält man als Mensch besser genügend Abstand. Die Tiere werden als «letzte Drachen der Erde» bezeichnet, erinnern aber eher an eine Kreuzung aus Würgeschlange und Krokodil.

Besuch von Komodo weiterhin möglich

Die Pläne, Komodo für ein Jahr zu schliessen, waren laut örtlichen Medienberichten eine Reaktion auf den Diebstahl und Schmuggel von Baby-Waranen. Ausserdem sollte sich die Population auf Komodo erholen. Allerdings überdachte die Regierung die drastische Massnahme schnell.



Nun soll Komodo jüngsten Plänen zufolge zu einer Premium-Destination für reiche Touristen werden. Geplant ist eine Jahresgebühr von 1'000 US-Dollar (rund 900 Franken). Ob diese jedoch 2020 kommt, ist fraglich. Die Einheimischen sind dagegen, da sie um ihre Einnahmen fürchten.

Manta Point: Schnorcheln mit Riesen-Rochen

Der Höhepunkt der dreitägigen Tour aber kommt zum Schluss. Das Boot steuert den Manta Point an. Man befindet sich auf offener See, doch das Wasser ist so klar, dass man auf den Grund schauen kann.

Die erfahrene Crew hält Ausschau. «Da!», ruft einer. In einiger Entfernung sieht man eine grosse Flosse. Kurs nehmen, schnell ins Beiboot, die Schnorchelmasken aufziehen und hinein ins Meer.

Der Kopf geht unter Wasser, und sogleich verschlägt es einem fast den Atem. Ein Mantarochen mit fast drei Meter Spannweite gleitet wenige Meter weiter unter durch das Wasser. Der grösste Vertreter seiner Art ist nicht allein. Mehr Mantas tauchen auf, die Tiere schwimmen manchmal gemütlich auf die Schnorchler zu und drehen erst kurz vorher ab – eine Begegnung, die niemand so schnell vergessen wird.

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