Opfer meldet sich zu Wort Schwerer Fehler bei Epstein-Akten sorgt für neue Aufruhr

Sven Ziegler

23.12.2025

Die Akten rund um Jeffrey Epstein beschäftigen die Öffentlichkeit weiterhin.
Die Akten rund um Jeffrey Epstein beschäftigen die Öffentlichkeit weiterhin.
Bildmontage Keystone / DPA

Die Kritik an der Veröffentlichung der Epstein-Akten nimmt kein Ende. Nun meldet sich eines der Opfer selbst zu Wort – weil ihr Name in den Dokumenten mehrfach ungeschwärzt auftaucht.

Sven Ziegler

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  • In den veröffentlichten Epstein-Akten wird der Name eines Opfers mehrfach ungeschwärzt genannt.
  • Die Betroffene zeigt sich entsetzt und spricht von einem schweren Vertrauensbruch.
  • Opferanwälte werfen dem US-Justizministerium schludrige Arbeit und mangelnden Opferschutz vor.

Die Kontroverse um die Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten weitet sich aus. Nun steht das US-Justizministerium wegen eines weiteren schweren Fehlers in der Kritik: In den freigegebenen Dokumenten wird der Name eines Opfers des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein mehrfach ungeschwärzt genannt. Darüber berichtet der US-Sender CNN.

Die betroffene Frau meldete sich selbst bei dem Sender, nachdem sie ihren Namen in den Akten entdeckt hatte. Aus Sicherheitsgründen bezeichnet CNN sie nicht mit ihrem echten Namen, sondern mit dem in den USA üblichen Pseudonym «Jane Doe». Sie wurde 2009 Opfer von Epstein und zeigte den Missbrauch im selben Jahr beim FBI an.

Besonders brisant ist der Fall, weil Epstein zu diesem Zeitpunkt bereits einmal verurteilt war. Dennoch durfte er einen grossen Teil seiner Strafe im Freigang verbüssen – eine Phase, in der er sich laut mehreren Aussagen erneut an jungen Frauen verging.

«Mir fehlen die Worte, es bricht mir das Herz»

Nach der Teilveröffentlichung der Akten am Freitag kontaktierte Jane Doe das Justizministerium per E-Mail und forderte, ihren Namen umgehend unkenntlich zu machen. Bis mindestens Montag blieb dieser jedoch weiterhin in den Dokumenten sichtbar.

Gegenüber CNN zeigte sich die Frau tief betroffen. Der Fehler erschüttere ihr Vertrauen in die Behörden nachhaltig. «Ich bin so emotional berührt, weil es nicht nur um mich geht», sagte sie. «Ich mache mir grosse Sorgen um das kleine Mädchen, das gerade das FBI anruft und um Hilfe bittet. Wenn ich das alles jetzt durchmachen muss … mir fehlen die Worte. Es bricht mir das Herz.»

Opferanwälte hatten bereits kurz nach der Veröffentlichung kritisiert, dass das Justizministerium bei der Aufbereitung der Unterlagen wenig Rücksicht auf die Perspektive der Betroffenen genommen habe. Neben unzureichendem Schutz von Identitäten bemängeln sie, dass es für Opfer kaum möglich sei, in der Masse der Dokumente gezielt Informationen zu ihren eigenen Fällen zu finden.

Der nun bekannt gewordene Vorfall wiegt umso schwerer, da ein Grossteil der Akten umfangreich geschwärzt wurde. Kritiker werfen der Regierung vor, auf diese Weise mögliche Hinweise auf prominente Namen zu verschleiern. Umso problematischer erscheint es, dass ausgerechnet die Namen der Opfer nicht konsequent geschützt wurden – obwohl die Behörden dazu gesetzlich verpflichtet wären.

Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte gegenüber CNN, man unternehme «grosse Anstrengungen», um Opfer durch Schwärzungen zu schützen. Man stehe zudem in Kontakt mit Betroffenen und deren Anwälten. Die zuständige Justizministerin Pam Bondi äusserte sich bislang nicht öffentlich zu den neuen Vorwürfen.