Einiges passt nicht zusammen Diese drei Aussagen des Gemeinderats Crans-Montana sind besonders widersprüchlich

Lea Oetiker

6.1.2026

«Der Botschafter kann sagen, was er will»

«Der Botschafter kann sagen, was er will»

Nach dem tödlichen Brand in der Bar Le Constellation mit 40 Todesopfern hat sich die Gemeinde Crans-Montana erstmals öffentlich geäussert.

06.01.2026

Nach dem Brand in der Bar «Le Constellation» hat sich der Gemeinderat von Crans-Montana heute in einer Pressekonferenz geäussert – und steht seither noch mehr in der Kritik als vorher. Drei Aussagen, die Fragen aufwarfen, statt Klärung brachten.

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Am Dienstag haben die Verantwortlichen der Gemeinde Crans-Montana erstmals offiziell Stellung zum Brand genommen.
  • Einige Aussagen zeigen sich jedoch als widersprüchlich.
  • Die komplette Pressekonferenz kannst du hier nachlesen.

Am Dienstagmorgen nahmen die Verantwortlichen der Gemeinde Crans-Montana erstmals Stellung zum verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation». Gemeindepräsident Nicolas Féraud stellte sich nach seiner Erklärung den Fragen der anwesenden Journalisten. Diese vier Punkte stehen im Widerspruch zueinander:

«Wir sind am meisten geschädigt» – aber es gab 40 Tote und über 100 Verletzte 

Nicolas Feraud sieht seine Gemeinde als «am meisten geschädigt»
Nicolas Feraud sieht seine Gemeinde als «am meisten geschädigt»
KEYSTONE

Es ist wohl die am meisten zitierte Aussage der Pressekonferenz von heute: «Wir sind am meisten geschädigt, vor allen anderen», sagte Gemeindepräsident Nicolas Féraud. Ein bemerkenswertes Zitat,  wenn man bedenkt, dass der Gemeinderat eingeladen hatte, weil in Crans-Montana 40 junge Leute gestorben und über 110 zum Teil schwer verletzt worden sind. Die Aussage sorgte denn auch für Irritation im ganzen Land. Die Taten der Gemeinde untermauern die Worte des Gemeindepräsidenten: Sie will als Zivilklägerin gegen das Barbetreiberpaar auftreten. «Wir betrachten uns als Opfer dieses Dramas, wir sind stark geschädigt», sagte Féraud. Zudem wolle man dadurch Zugang zu den Ermittlungsakten erhalten. Ebenfalls eine Aussage, die Fragen aufwirft, aber nicht geklärt werden.

«Unser Sicherheitsbeauftragte hätte die Kontrollen durchführen müssen» – trotzdem keine Entschuldigung von seinen Chefs

Zum ersten Mal bestätigt der Gemeinderat: Seit 2019 wurden in der Bar keine Kontrollen mehr durchgeführt, obwohl das Gesetz eine jährliche Kontrolle vorschreibt. Seit dem ersten Tag befasst sich die Öffentlichkeit mit der Frage, wer denn in Crans-Montana für die Sicherheitskontrollen verantwortlich gewesen wäre. Die Antwort ist klar: Im Wallis liegt diese Verantwortung bei den Gemeinden.

Konkret sei in Crans-Montana das Ressort «Öffentliche Sicherheit» der Gemeinde dafür zuständig, erklärt der Gemeindepräsident an der Pressekonferenz. Er distanziert sich aber sogleich von seinem eigenen Mitarbeiter: «Der Sicherheitsbeauftragte hätte die Kontrollen durchführen müssen.» Warum dies nicht passiert sei, wisse er nicht, und sei Bestandteil der Ermittlungen. Die Frage steht im Raum, inwiefern Vorgesetzte Mitverantwortung für Versäumnisse der eigenen Mitarbeitenden tragen.

Auf einen Rücktritt angesprochen, sagt er, man verlasse ein Schiff nicht, wenn es am Sinken sei. Als ihn eine Journalistin fragt, ob er sich im Namen der Gemeinde bei den Opfern und ihren Familien entschuldigen möchte, verzichtet er explizit darauf. 

«Wir wollen transparent informieren» – aber nicht alle Fragen werden beantwortet

Der Gemeinderat von Crans-Montana hatte zur Pressekonferenz eingeladen, um «Fakten in Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen» zu präsentieren. Diese Fakten wurden dann aber vorsichtig ausgewählt. Man informiert zwar, dass die Gemeinde eine externe Firma aus dem Wallis damit beauftragt habe, sämtliche Betriebe der Gemeinde auf Brandschutzvorschriften zu überprüfen. Als er nach dem Namen der Firma gefragt wird, will er diesen nicht nennen – einen Grund dafür nennt er nicht. 

Zudem räumt der Gemeindepräsident im Verlauf der Pressekonferenz ein, dass er mit dem Sicherheitsbeauftragten, der die Kontrollen hätte durchführen müssen, gesprochen habe. Warum die Bar fünf Jahre lang nicht kontrolliert worden sei, konnte er trotz den Gesprächen nicht sagen.