Elfmeter oder nicht? Schiri-Experte Klossner: «Ich verstehe, dass der Aufschrei gross ist»

pat/dpa

6.7.2024

Schiri-Experte Klossner: «Ich verstehe, dass der Aufschrei gross ist»

Schiri-Experte Klossner: «Ich verstehe, dass der Aufschrei gross ist»

blue Sport Schiedsrichter-Experte Stephan Klossner versteht den Ärger der Deutschen über den nicht gegebenen Elfmeter im Viertelfinal gegen Spanien. Ein Fehlentscheid sei es dennoch nicht gewesen.

06.07.2024

Hätte es Elfmeter geben müssen? Nach dem deutschen EM-Aus diskutieren Fans und Experten vor allem über eine Szene. Die Meinungen gehen dabei diametral auseinander. Eine Einordnung von blue Sport Schiedsrichter-Experte Stephan Klossner.

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6.7.2024

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Deutschland verliert den EM-Viertelfinal gegen Spanien mit 1:2 nach Verlängerung.
  • Nach dem Spiel gibt vor allem eine Szene zu Reden: Hätte es nach dem Handspiel von Marc Cucurella Elfmeter für Deutschland geben müssen oder nicht.
  • Die Meinungen gehen weit auseinander. Für blue Sport Schiedsrichter-Experte Stephan Klossner war es kein Fehlentscheid, keinen Elfmeter zu geben. Dennoch versteht er den Ärger der Deutschen.

In der Verlängerung feuert Jamal Musiala einen Schuss ab, den Marc Cucurella im eigenen Strafraum mit der Hand stoppt. Für die einen ein glasklarer Elfmeter, für andere ein korrekter Entscheid, nicht auf Elfmeter zu entscheiden.

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«Der Aufschrei ist natürlich gross, das verstehe ich sehr, sehr gut», sagt blue Sport Schiedsrichter-Experte Stephan Klossner. «Der Schiedsrichter versucht die aktuelle Handsregel so gut es geht zu interpretieren. Er steht gut und entscheidet für sich, dass es eine natürliche Haltung ist. Das sehe ich auch so.» Cucurella versuche auch noch, die Hand zurückzuziehen. «Aber es ist sicher immer noch ein Grenzfall, weil die Hand nicht ganz am Körper ist. Aber für mich ist es in Ordnung, dass man hier nicht auf Handspiel entscheidet und der VAR nicht eingreift.»

Klossner versteht aber, dass man grundsätzlich über die Regel diskutieren kann. «Was Julian Nagelsmann an der Pressekonferenz gesagt hat, dass man die Handspielregel überdenken muss, dass berücksichtigt werden sollte, was mit dem Schuss passiert, das finde ich einen sehr guten und spannenden Ansatz. Weil hier wurde natürlich klar ein Torschuss blockiert.»

Was es auch zu sagen gilt, ist, dass sich Schiedsrichter Anthony Taylor bei der grossen Aufregerszene des Abends an die Handspiel-Vorgaben UEFA hielt, die Schiedsrichterchef Roberto Rosetti vor dem Turnier vorgegeben hat.

Das vergleichbare Beispiel

Rosetti hatte während einer Pressekonferenz kurz vor der EM eine vergleichbare Szene gezeigt. RB Leipzigs Castello Lukeba hatte im Champions-League-Spiel im Oktober 2023 gegen Manchester City den Ball auf ähnliche Art abbekommen: aus kurzer Distanz, an den nach unten hängen Arm, der zudem bei der Ballberührung nachgab. «Das ist niemals ein Elfmeter», sagte Rosetti zu der Szene. Der Spieler versuche, den Kontakt zu vermeiden. Der Arm sei nah am Körper in einer natürlichen Position.

Die Unklarheiten

Taylor äusserte sich am Freitagabend nicht, die UEFA war zu dem Fall angefragt. Offen blieb auch am Samstag, ob Niclas Füllkrug bei der vorausgegangenen Vorlage für Musiala nicht ohnehin im Abseits gewesen wäre. In dem Fall wäre es egal gewesen, ob Cucurellas Handspiel strafbar war, oder eben nicht.

Das sagt der Bundestrainer

Julian Nagelsmann wollte die umstrittene Entscheidung nicht als Grund für das EM-Aus anführen. Die Szene liess den Bundestrainer aber nicht los. «Wenn der Schuss von Jamal aufs Tor geht, gibt es Elfmeter, wenn er auf die Tribüne geht und das sieht man, dann gibt es keinen Elfmeter, das ist relativ simpel. Er geht aufs Tor, wahrscheinlich sogar ins Tor, und es gibt keinen Elfmeter, das kann ich nicht nachvollziehen», sagte Nagelsmann, der sich auch für den Einsatz neuer Technik aussprach: «Es gibt 50 Roboter, die uns Kaffee bringen, dann gibt es auch KI, die berechnet, wo die Flanke runterkommt.»

Das sagen weitere Experten

Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich versuchte, die Debatte beim Streamingdienst MagentaTV zu beruhigen. «Man muss es regeltechnisch analysieren: Was macht der Spieler aus der Sicht des Schiedsrichters? Der Spieler zieht während des Schusses die Hand aus der Schussbahn zurück.» Der Experte sprach von einem «Handspiel-Dilemma». Ex-Nationalspieler Michael Ballack konnte das nicht nachvollziehen: «Das ist eine klare Fehlentscheidung.» Er wisse nicht, ob Taylor und sein Team sich «aus Angst oder Respekt» gegen einen Elfmeter entschieden hätten.

Und in seiner Kolumne für «t-online» verteidigt der ehemalige deutsche Nationalspieler Stefan Effenberg den Unparteiischen und bescheinigt ihm gar die «vielleicht beste Schiedsrichterleistung im ganzen Turnier». Der Entscheid sei richtig gewesen.

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