Innerer Schweinehund ade: Mit Röthlins Tipps läuft's sich leichter

Sulamith Ehrensperger

14.8.2019 - 00:00

Marathon-Europameister und Laufcoach Viktor Röthlin ist in seinem Leben schon dreieinhalb Mal um die Erde gerannt. Alles fängt mit einem klaren Ziel an, lautet einer seiner wichtigsten Tipps.
Bild: Röthlin 

Sie schaffen es einfach nicht, sich zum Sport zu motivieren? Keine Panik. Wie das Training leichtfüssiger gelingt, verrät Laufcoach Viktor Röthlin.

Herr Röthlin, müssen Sie sich manchmal auch zum Sport motivieren?

Mittlerweile betreibe ich Sport als Ausgleich – und darum nur, wenn ich Lust dazu habe. In meiner Zeit als Profiläufer, als ich 13 Einheiten pro Woche absolvierte, gab es auch mal schwierige Momente. Beispielsweise wenn es tagelang regnete. Ganz ehrlich, so wirklich keine Lust zum Training hatte ich nie. Laufen ist meine Passion. Ich erachte es als grosses Privileg, einen gesunden Körper zu haben, der es mir erlaubt, loszurennen und ganz nah bei mir selbst zu sein. Aber ich verstehe natürlich, dass dies nicht bei allen so ist.

Wie gelingt es, sich leichtfüssiger zum Training zu bewegen? 

Ich glaube, alles fängt mit einem klaren Ziel an. Dies muss kein Marathon oder sonst ein Wettkampf sein. Vielleicht wollen Sie einfach so fit sein, dass Sie nach dem Treppensteigen nicht schon schweissnass sind. Sobald Sie sich ein klares Ziel gesetzt haben, ist es wichtig, dieses den Freunden zu kommunizieren. So haben Sie den nötigen Druck, schliesslich will niemand seine Nächsten enttäuschen. Dann trainieren Sie vielleicht auch, wenn der innere Schweinehund keine Lust hat.

Viktor Röthlin ist einer der erfolgreichsten Schweizer Marathonläufer. Zu seinen grössten Erfolgen zählt unter anderem der Europameistertitel 2010 in Barcelona. Heute ist der Obwaldner Laufcoach und Initiator von Switzerland Marathon light.
Bild: Röthlin 

Wie schaffe ich es, den inneren Schweinehund zu zähmen?

Lassen Sie ihn erst gar nicht in Ihren Kopf. Täglich werden einem auf dem Silbertablett Gründe serviert, warum heute nicht dein Tag ist. Hier gilt es wach zu sein und diese so tollen Gründe nicht ohne Skepsis ständig anzunehmen.

Welches ist der grösste Motivationskiller?

Das gesetzte Ziel sollte realistisch sein. Aber es ist erlaubt, hin und wieder zu scheitern. Wer all seine Ziele erreicht, muss sich vielleicht fragen, ob diese nicht zu einfach sind. Der grösste Motivationskiller ist aber der zu kurzfristig angestrebte Erfolg. Ich erlebe es häufig, dass sich jemand für einen aktiveren Lebensstil entscheidet und nach relativ kurzer Zeit wieder aufgibt. Da sich ja scheinbar nichts verändert hat. Aber Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Gerade beim Ausdauersport sind Fortschritte erst nach mehreren Trainingsmonaten zu erwarten.

Wer sich ständig motivieren muss, hat vielleicht noch nicht die richtige Sportart gefunden, sagt Röthlin.
Bild: Röthlin 

Wann ist es der Motivation zu viel – oder der Ehrgeiz schlicht zu gross?

Wenn man mit Fieber eigentlich im Bett liegen sollte. Oder wenn man seinen Körper böswillig überfordert und Verletzungen richtiggehend provoziert.

Verraten Sie uns Ihren wichtigsten Tipp, damit das Training mehr Freude bereitet?

Ganz ehrlich, müsste ich mich immer zum Laufen aufraffen, würde ich mir  sofort ein anderes Hobby suchen. Wer sich ständig motivieren muss, hat vielleicht noch nicht die richtige Sportart gefunden. Oder man sollte es vielleicht ganz sein lassen und in seiner Freizeit anderweitig Spass haben. Denn der Sinn des Lebens besteht doch darin, Spass zu haben.

Unser Tipp: Viktor Röthlins Lauf ist der Switzerland Marathon light. Der Halbmarathon um den Sarnersee findet am 1. September statt. Auch kürzere Distanzen und Kinderläufe sind auf dem Programm. Anmeldeschluss ist der 24. August 2019.

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