Dominic Dillier: «Ich würde Gölä ins Gewissen reden»

Bruno Bötschi

28.4.2020 - 06:16

Radiomoderator Dominic Dillier über seine grösste Leidenschaft «Ein Leben ohne Musik wäre unglaublich öde und fast nicht lebenswert.»
Bild: Claudia Herzog

Er ist der Radiomoderator mit der schönsten Stimme der Schweiz. Dominic Dillier verrät seine Lieblingssongs, spricht über ein schreckliches Interview mit Sophie Hunger – und sagt, warum er gegenüber seinen Kindern ein schlechtes Gewissen hat.

Herr Dillier, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle Ihnen in den nächsten 30 Minuten am Telefon möglichst viele Fragen – und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach ‹weiter›.

Okay, ich bin parat.

Ist es in Ordnung, wenn wir in diesem Gespräch das Virus für einmal aussen vor lassen – oder möchten Sie zum Thema ‹Corona-Pandemie› noch etwas Weltbewegendes sagen?

Das Virus beeinflusst unser aller Alltag massiv. Ich nehme deshalb an, dass es auch dieses Interview respektive meine Antworten beeinflussen wird.

Steff La Cheffe oder Sophie Hunger?

Steff La Cheffe, ganz klar. Mit Sophie Hunger hatte ich einmal einen heftigen Disput. Es war mein bisher schlimmstes Radiointerview, aber für sie wahrscheinlich auch.

Patent Ochsner oder Züri West?

Von Haus aus gehöre ich dem Züri-West-Lager an, aber irgendwie liegt mir der Büne Huber mit seiner Art schon auch sehr am Herzen. Und deshalb sage ich: untentschieden.

Knöppel oder Köppel?

Knöppel natürlich. Knöppel ist ein Punk-Konzept, das es so in der Schweiz zuvor noch nicht gegeben hat. Diese Band singt rotzige Songs im Ostschweizer Dialekt, die unglaublich viel Wortwitz haben. Das ist total erfrischend. Roger Köppels Thesen hingegen sind längst bekannt und langweilen mich nur noch.

Rührendstes Schimpfwort aus Ihrer Teenagerzeit?

Zum Autor: Bruno Bötschi

«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er jahrelang die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.

In meinem Heimatkanton Obwalden wird viel mehr geflucht als im Rest der Schweiz. Wir benutzen unter anderem das Wort ‹huere› als nett gemeinte Verniedlichungsform.

War Ihre Jugend derart schrecklich und langweilig, dass Sie schon als Teenager mit Rauchen anfangen mussten?

Wie viele andere Jugendlichen rauchte auch ich während meiner Zeit bei den Wölfen im Wald Nielen. Das hatte jedoch weniger mit Langweile zu tun, sondern eher mit Rebellion.

Stimmt es, dass Sie Ihre langen Haare wegen einer Frau abgeschnitten haben?

Ich habe die Haare abgeschnitten, weil ich vor Urzeiten eine Banklehre gemacht habe. Es wäre nicht gut angekommen, wenn ich am Schalter Kunden mit einer Mähne bedient hätte, die mir bis fast an den Arsch runter reicht.

Demnach wurden Sie gezwungen, Ihre Haare abzuschneiden?

Nein, ich tat es aus freien Stücken. Ich wollte im Berufsleben nicht auch noch rebellieren, nachdem ich als junger Mensch schon sehr oft angeeckt war. Im Nachhinein ist es mir ein Rätsel, warum ich damals eine Banklehre gemacht und sie auch noch abgeschlossen habe.

Dominic Dillier über AC/DC und Leadgitarrist Angus Young (links): «Ich bewundere diese unglaubliche Hartnäckigkeit, immer wieder geile Songs rauszuhauen, die auf dem immer gleichen Blues aufbauen. Und nicht zu vergessen: Die Leadgitarre, die es so kein zweites Mal gibt.»
Bild: Privat

Sie sind eben trotz allem ein braver und angepasster Schweizer …

... wahrscheinlich. Aber wissen Sie was, ich werfe es bis heute meinen Eltern ein bisschen vor, dass sie mir damals nicht gesagt haben, dass eine Banklehre möglicherweise nicht das Richtige für mich ist. So weit ich mich erinnern kann, war ich damals ziemlich verzweifelt, weil ich keine Ahnung hatte, was ich lernen sollte.

Wirklich wahr, dass Sie während des Kindergartens auf Marschmusik gestanden sind?

Das stimmt. Meine Eltern hatten mir ganz früh eine Trommel geschenkt, zudem war mein Vater Mitglied einer Feldmusik.

Die ‹wirklich gute Musik› sollen Sie später in der Plattensammlung Ihrer Eltern entdeckt haben.

Meine Eltern besassen das ‹Rote› und das ‹Blaue Album› von den Beatles. Ich hörte diese beiden Scheiben bereits in der ersten Klasse rauf und runter, obwohl ich noch kein Englisch verstand. Heute weiss ich: Die Beatles brachten mich definitiv auf den richtigen Weg.

Sie sind Vater von zwei Kindern. Welche Musik entdeckt Ihr Nachwuchs gerade?

Mein Sohn hat einen ähnlichen Geschmack wie ich. Ich habe deswegen fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Es heisst doch immer, man solle seine Kinder nicht mit den eigenen Vorlieben langweilen oder nerven. Aber natürlich rede ich ihm die Musik von Nirvana und Red Hot Chilli Peppers nicht aus, auch wenn ich manchmal denke, er wäre besser, wenn er seinen eigenen Geschmack entwickelte.

Welche Art von Musik hört Ihre Tochter?

Durch sie lernte ich Taylor Swift kennen und schätzen. Und ich lernte, dass es auch für mich im Pop- und Rap-Bereich noch einiges zu entdecken gibt.

Singen Sie unter der Dusche?

Ich singe viel, aber nicht unter der Dusche. Aber dafür oft, wenn ich allein im Büro bin oder im Auto sitze.

Was singen Sie?

Um dem Klischee als Rocksau zu entsprechen, höre ich beim Autofahren gern Musik von System of a Down oder den Foo Fighters und singe dazu laut und energisch mit.

Singen Sie auch zusammen mit Ihrer Familie?

Ja. Ich bin total stolz, dass ich einen Sohn habe, der Gitarre spielt und eine Tochter, die im Chor singt. Wegen des Coronavirus sind wir ja zurzeit alle viel daheim, und so haben wir kürzlich zusammen den Song ‹Dance Monkey› von Tones and I einstudiert.



Haben Ihre Frau und Sie ein gemeinsames Lieblingslied, und woran erinnert es Sie?

Ui, da muss ich kurz in mich gehen. Wir haben ganz viele Bands, die wir beide lieben …

… vielleicht der Song, der lief, als Sie sich kennengelernt haben.

Wir lernten uns nach einem Konzert meiner Band Purple Haze kennen. An diesem Abend habe ich mir meine Haare an einer Kerze verbrannt.

Hat die Frau, die heute Ihre Frau ist, damals das Feuer gelöscht?

Genau – und ich blöffte danach an der Bar, dass meine Band bald wahnsinnig erfolgreich und berühmt sein werde. Aber Sie wollten ja wissen, ob meine Frau und ich ein gemeinsames Liebeslied haben? Heute hören wir oft zusammen Spoon, eine US-amerikanische Indie-Rock-Band. Aber ehrlich gesagt, ein gemeinsames Lieblingslied haben wir nicht.

Einen Tick, für den Sie Ihre Frau über alles lieben?

Ihr Lachen.

‹Liebe ist eine Komposition, bei der die Pausen genauso wichtig sind wie die Musik›, sagte Schauspielerin Senta Berger. Wahr oder nicht?

Wahr.

Wenn das jetzt ein Radio-Interview wäre: Welchen Song würden Sie jetzt einspielen?

‹Quick Escape› von Pearl Jam, ein sehr politischer Song.

Hat Sie Ihr Bauchgefühl schon mal ganz übel getäuscht?

Mein Bauchgefühl hat mir in den letzten zwei Jahren immer wieder zu merken gegeben, dass es in nächster Zeit richtig klöpfen wird auf der Welt. Ich dachte dann immer, es gibt einen politischen Aufstand oder es passiert in Sachen Klimakatastrophe etwas, aber dass eine Pandemie unsere Gesellschaft lahm legen würde, hätte ich nicht erwartet.

Wenn Sie eine Schlagzeile über sich schreiben dürften: Wie würde die lauten?

Diplomatie ist keine Stärke von mir.

Die geilste Schlagzeile, die Sie je über eine Musikerin, einen Musiker gelesen haben?

‹Benennt eine Magenkrankheit nach mir› war der Titel eines Porträts über Kurt Cobain.

‹Musik ist Droge, Heilkraft, Atmen und Leben›, sagt Schlagzeuger Erich Güntensberger von der Zuger Rockband Humanoids. Was ist Musik für Sie?

Alle Begriffe, die Güntensberger erwähnt hat, und noch viel mehr – also Trost, Energie … und was noch? Heimat!

Macht Musik Sie wütend?

Sehr oft – vor allem, wenn ich Radio höre.

Weil immer der gleiche Scheiss gespielt wird?

Nein, nicht weil immer der gleiche Scheiss gespielt wird, sondern weil viel Scheiss gespielt wird.

Dominic Dillier über seine Kinder: «Ich bin total stolz, dass ich einen Sohn habe, der Gitarre spielt und eine Tochter, die im Chor singt. Wegen des Coronavirus sind wir ja zurzeit alle viel daheim, und so haben wir kürzlich zusammen den Song ‹Dance Monkey› von Tones and I einstudiert.»
Bild: Claudia Herzog

Träumen Sie von Musik?

Ich weiss am Morgen praktisch nie, was ich in der Nacht geträumt habe.

Sie kommen zwar von der harten Rockmusik, behaupten aber immer wieder, Sie hätten ein breites musikalisches Spektrum. Na dann, testen wir dieses Spektrum einmal: Ihr Lieblingslied von Beatrice Egli?

Da muss ich passen, ich kenne keinen Song von Beatrice Egli. Diese Art von Musik interessiert mich überhaupt nicht – ich kenne übrigens auch kein einziges Lied von Helene Fischer.

Das glaube ich Ihnen nicht.

Dem ist aber so.

Der geilste Song, den Dieter Bohlen je komponiert hat?

Wahrscheinlich ‹Cheri Cheri Lady› – und das sagt ja dann schon einiges über die Qualität seiner Musik aus, wenn das sein bester Song ist.

Welchen Abba-Song haben Sie bisher am meisten gehört?

‹Dancing Queen›. Abba ist eine typische schwedische Popband – gut designt, aber nicht mein Ding.

Die Schweizer Rockband Gotthard hat sich für ihr neues Album an den Abba-Song ‹S.O.S.› gewagt.

Ich habe den Song bisher noch nicht angehört. Aber ich denke, ich weiss, was mich ungefähr erwartet. Es wird substanziell nicht viel dazu gekommen sein, nehme ich an. Ein solches Cover ist völlig unnötig.

Weil ‹S.O.S.› ein schlechter Song ist?

Nein, aber es braucht wirklich kein Gotthard-Cover von so einem Abba-Evergreen. Genauso wie es kein Cover-Album von Krokus braucht, wenn ich das jetzt mal so böse sagen darf.



Ihr Therapievorschlag für Gölä?

Ich würde Gölä ins Gewissen reden und ihm sagen, dass es ihm nur so gut geht, weil er zufälligerweise in der Schweiz geboren worden ist und nicht, weil er irgendetwas wahnsinnig Tolles erarbeitet hat. Das müssen wir uns in diesem Land sowieso mehr bewusst werden: Wir Schweizerinnen und Schweizer haben ganz, ganz viel Schwein, dass wir hier geboren worden sind.

Wenn das jetzt ein Radio-Interview wäre: Welchen Song würden Sie jetzt einspielen?

‹Für immer uf di› von Patent Ochsner.

Was genau bewundern Sie an AC/DC?

An AC/DC bewundere ich diese unglaubliche Hartnäckigkeit, immer wieder geile Songs rauszuhauen, die auf dem immer gleichen Blues aufbauen. Dazu kommt eine rhythmische Präzision und eine stoische Ruhe, die einfach unnachahmlich ist. Und nicht zu vergessen: Die Leadgitarre, die es so kein zweites Mal gibt. AC/DC ist nach wie vor etwas vom Grössten, das es gibt, und ich bin glücklich, dass ich diese Band schon als Bub entdeckt habe.

Wären Sie gerne Angus Young?

Ja, das wäre ich. Ich ging schon als Neunjähriger als Angus Young an die Fasnacht. Er war und ist ein Vorbild.

Warum arbeiten Sie für Radio SRF 3?

Ich habe bei dieser Radiostation die Chance zwei von meinen Lieblingsthemen, nämlich die Rockmusik und das Gespräch mit Menschen, in einer gewissen Fundiertheit und Tiefgründigkeit in die Öffentlichkeit zu bringen. Und ich werde dafür auch noch bezahlt.

Ihr Spitzname auf der Redaktion?

Da gab es schon ganz viele und auch ganz hässliche. Dildo war einer der allerersten. Aktuell ist es Dod, also mein internes Kürzel.

Wie viele Musikerinnen und Musiker haben Sie bisher in Ihrem Leben interviewt?

Oh, das sind sehr, sehr, sehr viele. Wollen Sie eine Zahl? Es müssen weit über Tausend sein. In den letzten 20 Jahren habe ich fast jede Woche mindestens eine Schweizer Band interviewt, und dann kommen noch alle internationalen Acts dazu, die ich früher an den Festivals getroffen habe. Heute finden diese Treffen etwas ausgewählter statt, weil ich als Familienvater nicht mehr die Kapazität habe, ständig an Festivals zu gehen oder schnell schnell am Wochenende nach London reisen kann, um dort ein Interview zu machen.

Woran hören die Radiohörerinnen und -hörer, dass Sie nervös sind?

Früher war es die zitternde Stimme, aber das ist schon ganz lange her. Sitze ich heute am Mikrofon, bin ich nicht mehr nervös – ausser vielleicht, wenn eine Koryphäe aus der Wissenschaft oder der Literatur mir gegenüber sitzt.

Wie äussert sich dann diese Nervosität?

Ich sage öfters ‹äh, äh›.

Dominic Dillier über den Musiker Gölä: «Ich würde ihm ins Gewissen reden und ihm sagen, dass es ihm nur so gut geht, weil er zufälligerweise in der Schweiz geboren worden ist und nicht, weil er irgendetwas wahnsinnig Tolles erarbeitet hat.»
Bild: Claudia Herzog

Ich nehme an, einige Ihrer Interviews werden Ihnen unvergessen bleiben …

Das spezielleste Interview, das ich bisher geführt habe, war mit Ian Fraser ‹Lemmy› Kilmister, dem Sänger und Bassisten der Rockband Motörhead. Ich traf ihn kurz vor seinem Tod in einem Hotel in Bern. Er sah damals bereits aus wie seine eigene Wachsfigur. Als ich ins Hotelzimmer reinkam, sagte Lemmy als Erstes zu mir: ‹Have a vodka with me.› Danach tranken wir Wodka zusammen und redeten. Leider habe ich Lemmy nur schlecht verstanden. Er hatte irgendein Problem mit seinem Gebiss. Es war trotzdem ein berührendes und wichtiges Gespräch.

Gibt es noch andere Interviews, die Ihnen unvergessen bleiben?

Das bereits erwähnte Gespräch mit Sophie Hunger, welches total aus dem Ruder gelaufen ist, gehört sicher auch dazu. Hans Küng, der berühmte Theologe, ist mir sogar aus dem Studio davongelaufen. Er wollte nur über sein neuestes Buch reden, ich hätte ihm aber gern auch noch einige andere Fragen gestellt, bis ihm irgendwann der Kragen geplatzt ist. Küng ist es scheinbar gewohnt, dass er sich in Interviews die Fragen gleich selber stellt. Darauf wollte ich jedoch nicht eingehen. Und nie vergessen werde ich, wie der Sänger der Band «Charlatans» während des Gesprächs einnickte, weil er wahrscheinlich auf Heroin war. Es gab noch eine Haufen mehr wilder Gespräche, aber da möchte ich hier nicht ins Detail gehen.

Warum nicht?

Dazu nur so viel: Ich rede von Rock-’n’-Roll-Bands, die in einem absolut desolaten Zustand zur mir ins Studio gekommen sind.



Haben Sie auch schon Interviews abgebrochen?

Nach dem Interview mit Sophie Hunger war mir klar: Ich hätte es abbrechen sollen. Ich wollte mit ihr über ihre Musik reden, sie dagegen wollte mir zeigen, wie doof sie DRS 3 findet. Während des Interviews dachte ich immer wieder: Nein Frau, diese Stunde bringen wir jetzt zu Ende, egal, wie unkooperativ du dich gerade benimmst.

Welche Sängerin, welchen Sänger fanden Sie nach dem Interview noch cooler als vorher?

Skin von Skunk Anansie – mit ihr habe ich schon mehrere sehr berührende Gespräche geführt, unter anderem auch eines am Tag nach dem Tod von David Bowie. Als sie mir erzählte, wie sie Bowie noch einen Monat vorher während eines ihrer Konzerte auf die Bühne geholt hatte, fing sie an zu weinen. Skin ist ein wunderbarer Mensch.

Nimmt bei Ihnen die Faszination für Bands eigentlich ab, sobald sie berühmt sind?

Es ist sicher so, dass Musiker besser sind, solange sie noch nicht weltberühmt sind. Es gibt praktisch keine Band, die im Superstar-Status prickelndere Musik gemacht als in ihrer Gründungszeit. Aber es gibt einige Leute, die es schaffen, ihr Talent zu konservieren und auch später als Superstars noch tolle Musik machen.

An wen denken Sie da als Erstes?

Dave Grohl ist sicher ein Musiker, der trotz Superstar-Standing ein Supertyp gelieben ist und null Starallüren hat. Seine Musik ist eigentlich auch immer gleich gut geblieben, aber trotzdem fand ich ihn früher besser.

Wer ist die lustigste Musikerin oder der lustigste Musiker der Welt?

Helge Schneider.

Wenn das jetzt ein Radio-Interview wäre: Welchen Song würden Sie jetzt einspielen?

‹Vogelhochzeit› von Helge Schneider.

Hat Ihnen ein Sänger nach einem Interview schon mal Prügel angedroht?

Ja, ein Bandmitglied von Green Day. Es war eines meiner allerersten Interviews überhaupt, die ich für Radio DRS 3 gemacht habe. Ich dachte, ich müsse unbedingt ein total kritisches Interview realisieren. Die Musiker von Green Day waren damals bereits Millionäre, und ich fand, das passe überhaupt nicht zu einer Band, die Punkrock macht. Schon nach meiner ersten Frage meinte der Bassist: ‹Watch out, Buddie!› Ich verstand das damals als Prügelandrohung.

Haben Sie selber schon zugeschlagen?

Ja – also ich habe vor allem schon oft auf den Grind bekommen. Ich gebe zu, ich war früher ein ziemlicher Heisssporn.

Mal Angst gehabt, dass sich ein Mensch Ihretwegen ein Leid antut?

Nein.

Sind die Schweizer jetzt eigentlich eher beliebt oder unbeliebt im Ausland?

Unbeliebt natürlich.

Welcher typische Schweizer Minderwertigkeitskomplex geht Ihnen auf den Wecker?

Das wir uns ständig entschuldigen und rechtfertigen.

Dominic Dillier über Ian Fraser ‹Lemmy› Kilmister (links): «Als ich ins Hotelzimmer reinkam, sagte Lemmy als Erstes zu mir: ‹Have a vodka with me.› Danach tranken wir Wodka zusammen und redeten. Leider habe ich Lemmy nur schlecht verstanden. Er hatte irgendein Problem mit seinem Gebiss. Es war trotzdem ein berührendes und wichtiges Gespräch.»
Bild: zVg

‹The Soundtrack of my Life› heisst Ihre Gesprächsserie. Das ist natürlich die Frage nach: Welche Songs sind eigentlich der Soundtrack Ihres Lebens und warum?

Meine wichtigste musikalische Prägung ist und bleibt der Rock ’n’ Roll. Wenn ich jetzt fünf Lieblingssongs nennen, müssten die 60ies, die 70ies, die 80ies und die 90ies als Epochen vorhanden sein: ‹I am the Walrus› von den Beatles, ‹Let there be Rock› von AC/DC, ‹Kashmir› von Led Zeppelin, ‹F.T. Worth Blues› von Steve Earle und ‹Rearviewmirror› von Pearl Jam.

Was in Ihrem Leben ist vergleichbar mit der Leidenschaft für die Musik?

Die Leidenschaft für Bücher – ich mag US-amerikanische Romanciers wie Philip Roth sehr.

Ein Leben ohne Musik wäre für Sie …

… unglaublich öde und fast nicht lebenswert.

Ihr ausgebufftester psychologischer Trick?

Bei jedem Telefonat als Erstes ganz freundlich zu fragen: ‹Störe ich gerade?›

Welcher Teil Ihres Körpers ist Ihnen bis heute fremd?

Mein Steissbein.

Was halten Sie grundsätzlich von Schönheits-OPs?

Damit habe ich mich noch nicht befasst.

Wo gehen Sie lieber hin: zum Arzt oder zum Coiffeur?

Zum Coiffeur.

Wenn das jetzt ein Radio-Interview wäre: Welchen Song würden Sie jetzt einspielen?

‹I Won't Cut My Hair› von D.A.D.

Was ist Ihre Utopie, was das Zusammenleben von Menschen betrifft?

Dass es soziale Unruhe geben wird. Ich denke, davon sind wir nicht mehr so weit entfernt. Aber das wäre eine Dystopie.

Drogen-Freigabe – ja oder nein?

Nein.

Frauenquote – ja oder nein?

Ja.

Wovor haben Sie Angst?

Vor einer Klimakatastrophe, die zu massivsten Ausschreitungen und sozialen Unruhen führen wird.

Warum genau haben Sie nochmals Angst vor Schauspielerin und Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger?

Och, dieses Interview ist schon ganz lange her. Vor dem ersten Interview mit Melanie Winiger dachte ich, dass sie eine etwas ungehobelte, grobe Person ist und … und darum sagte ich ihr als Erstes im Gespräch, ich hätte ein bisschen Angst vor ihr.

Haben Sie heute nach wie vor Angst vor Frau Winiger?

Nein.



Verschlechtert oder verbessert sich das Zusammenleben von Frauen und Männern gerade?

Verschlechtern, ganz klar – wenn man gezwungen ist, wochenlang so nah zusammenzuleben, verändert sich jede Beziehung. Und meistens nicht zum Guten.

Wann zuletzt den Kopf angestossen?

Immer wieder in unserer Ferienwohnung in den Bergen. Vor allem wenn es viel Schnee hat, bücke ich mich zu wenig – aber ich habe dann zum Glück meistens einen Skihelm an.

Wann zuletzt zu jemandem aufgeschaut?

Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit beeindruckt mich mit seiner ruhigen Art. Weniger gefallen hat mir jedoch das Groupietum, das am Anfang der Corona-Krise um seine Person entstanden ist. So oder so: Er ist definitiv ein guter Krisenmanager.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens?

Eine Familie zu gründen.

Die dümmste Idee?

Mit Rauchen anzufangen und Drogen zu nehmen.

Das haben Sie genommen oder das wäre grundsätzlich eine dumme Idee?

Weiter.

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Wer wie ich Kinder hat, für den ist die Wetterprognose von morgen definitiv etwas Elementares.

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