Kolumne Wenn Kinderfragen weh tun, und: Was ist, wenn einem nichts einfällt?

Von Anja Knabenhans

30.8.2019

Auf gewisse Fragen können sich Eltern vorbereiten, aber eben, nicht auf alle. (Symbolbild)
Auf gewisse Fragen können sich Eltern vorbereiten, aber eben, nicht auf alle. (Symbolbild)
Bild: Getty Images

Wieso, weshalb, warum? Kinder wollten ganz viele wissen. Die Autorin dieser Kolumne wusste, dass das fordernd sein kann. Aber sie hätte nicht gedacht, welche Antworten ihr besonders schwerfallen würden.

Manchmal raste ich aus. Also nur innerlich. Wenn mich der Mann beim Znacht fragt, ob ich lieber Wasser mit oder ohne Kohlensäure will, dann kreische ich in Gedanken los. Das war soeben die drölfmillionste Frage an mich an diesem Tag.

Ich liebe kindliche Neugier. Dieses Alleswissenwollen, bis ins munzigste Detail. Ich gebe mir Mühe beim Antworten, nehme mir Zeit. Freue mich, dass ich dabei auch was lerne. Wer zum Beispiel alles über Kläranlagen wissen möchte: Here I am. Ich habe mich in den letzten Monaten gezwungenermassen schlaugemacht.

Aber irgendwann kann ich nicht mehr. Versuche dann, Antworten zu geben, die keine weiterführenden Fragen provozieren. Scheitere, immer. Habe nach stundenlangen Fragemarathons auch einmal den Abwürgsatz aller Abwürgsätze ausprobiert: «Das ist halt einfach so.» Worauf folgte: «Wieso ist das einfach, wenn es kompliziert ist? Das ist doch unlogisch!» Und der Plausch ging weiter.



Auf gewisse Fragen kann man sich vorbereiten: Auf solche zu Geschlechtsteilen, oder auf die Neugier rund um Menschen mit besonderem Aussehen oder Verhalten.

Früher dachte ich, die grossen Fragen um Leben und Tod seien am schwierigsten zu beantworten. Wir sassen kürzlich auf dem Kiesweg eines Friedhofs und sprachen übers Sterben. Zum Glück nicht aus einem bestimmten Anlass, sondern nur, weil der Vierjährige einmal einen Friedhof sehen wollte. Er fragte, ich antwortete, eine halbe Stunde lang. Es sind Fragen die weh tun. Die aber sein müssen.

Aber es gibt Fragen, die mir mehr zu schaffen machen, als ich gedacht hätte:

Wieso hat jemand auf dem Spielplatz eine Glasflasche zerbrochen?

Weshalb fährt dieses Auto viel zu schnell durch unser Quartier?

Warum werfen Menschen ihren Abfall ins Gebüsch?

Es sind Fragen, die weh tun. Weil sie nicht sein müssten.

Anja Knabenhans ist Mutter von zwei Buben. Sie ist Chefin der Schreibmaschinerie und Chief Content Officer der Eltern-Plattform Any Working Mom.

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