Rekordsommer: Run auf die Schweizer Berge

10.8.2018 - 08:54, Mara Ittig

Von Dichtestress kann man noch nicht reden, aber die Gipfel sind dieser Tage gut besucht: Wanderer auf dem Grossen Mythen oberhalb von Brunni.
Bild: Keystone

Der Hitzesommer und die lang anhaltende Trockenheit treiben die Menschen in Scharen in die Berge. Es erstaunt kaum, dass die Bergbahnen gute Zahlen vermelden.

Die Schweizer sind und bleiben ein Volk von Wandervögeln. Wer sich im Moment in den Bergen aufhält und unserem Nationalsport frönt, kommt aus dem «Grüezi»-Sagen kaum noch heraus. Es tummeln sich eindeutig zahlreiche Menschen in der Höhe. Wer kann, entkommt der Hitze mit einem Sprung ins nicht mehr ganz so kühle Nass oder einem Ausflug in die Berge. Und offenbar können viele.

Das Bundesamt für Statistik (BFS) untermauert diesen Eindruck nun auch offiziell und veröffentlichte zum Wochenbeginn die Zahlen für die Übernachtungen in der Schweiz für die erste Jahreshälfte 2018. Für die Monate Mai und Juni kann die Hotellerie in der Schweiz ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.

Bergregionen: Plus von 4,9 Prozent

In den Bergregionen stieg die Zahl gar um satte 4,9 Prozent. Auch die Vormonate waren erfreulich, der positive Trend scheint anzuhalten: Insgesamt nahmen die Übernachtungen in der Schweiz in der ersten Jahreshälfte um 3,8 Prozent zu, das entspricht einem Plus von 670'000 Logiernächten.

Sandrina Glaser von den Rigi Bahnen bestätigt: «Es ist tatsächlich so, dass sich das schöne und heisse Wetter positiv auf unsere Besucherzahlen auswirkt. Wir haben erfreuliche Monate hinter uns, da sich die Gäste gerne in den höheren Lagen abkühlen.»

Der Berg ruft und alle kommen: Touristen auf der Rigi (Archivbild).
Bild: Keystone

Und auch andernorts ist man zufrieden. Patrizia Bickel von den Jungfrau Bahnen im Berner Oberland meint dazu: «Das hervorragende Wetter lockt jeweils auch zahlreiche Tagesgäste aufs Jungfraujoch.» So kämen vermehrt Gäste zum Wandern oder für weitere Aktivitäten in die Region.  Sie bestätigt zudem, dass diesen Sommer viele Gäste die Höhe suchen, um der Hitze zu entfliehen. 

«Es gibt immer gleich viele Schönwettertage»

Martin Ebneter von der Seilbahn und dem Drehrestaurant Hoher Kasten im appenzellischen Alpstein gibt sich verhalten optimistisch. Man sei dank der langen Schönwetterperiode zwar gut unterwegs, müsse aber erst das Jahresende abwarten, da die Herbstmonate jeweils am umsatzstärksten seien.

Er ergänzt: «Langjährige Wetterstatistiken unserer Seilbahn zeigen, dass es über das ganze Jahr hinweg immer etwa gleich viele Schön- bzw. Schlechtwettertage gibt. Fallen die Schönwettertage auf Ferien und Wochenenden gibts erfreuliche Zahlen, liegen die Schönwettertage anders, dann haben wir weniger gute Jahresergebnisse.»

Die Region Seelisberg im Kanton Uri verzeichnete vorwiegend in den Monaten April  bis Juni sehr gute Besucherzahlen, wie Christoph Näpflin von der Treib-Seelisberg-Bahn auf Anfrage bekannt gibt. Im Juli seien die Zahlen aufgrund der grossen Hitze zwar leicht zurückgegangen, lägen aber immer noch über dem 5-Jahres-Schnitt. Das Gästeaufkommen verteile sich in diesem Jahr allerdings gleichmässiger als in anderen Jahren: «Seit Mitte April bis jetzt war das Wetter sehr stabil und oft lange Tage im Voraus planbar.»

Mehr Schweizer verbringen die Ferien zu Hause

Der heisse Sommer führt offensichtlich auch dazu, dass weniger Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien im Ausland verbringen. Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Sprecherin von Hotelplan, gibt gegenüber der «Sonntags-Zeitung» an, dass die Buchungen für Ferien im Ausland in diesem Jahr rückläufig seien. Das Sommerferiengeschäft mache erstmals nur 30 Prozent des gesamten Umsatzes aus, während dieser Wert in den letzten Jahren stets bei 35 Prozent lag. 

«Hinter den Hecken»: So gärtnert man in den Bergen 

Was die Bergbahnbetreiber und andere Tourismusbetriebe freut, ist manch einem Umweltschützer ein Dorn im Auge. Je mehr Gäste auf dem Berg unterwegs sind, desto grösser ist die Belastung für die Natur. Wie Sie nachhaltig in der Schweiz unterwegs sind, lesen Sie im Nachhaltigkeitsblog.

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