Der Präsident und der Sexualstraftäter Trump kämpft verzweifelt gegen einen alten Dämonen — und wird ihn nicht los

Andreas Fischer

22.7.2025

Trump verklagt «Wall Street Journal» wegen Epstein-Bericht und fordert 10 Mrd Dollar

Trump verklagt «Wall Street Journal» wegen Epstein-Bericht und fordert 10 Mrd Dollar

Trump hat am Freitag seine Drohung wahrgemacht und das «Wall Street Journal» sowie dessen Eigentümer wegen eines Berichts in Zusammenhang mit dem Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein verklagt.

19.07.2025

Donald Trump geht nach einem brisamten Bericht im Fall Jeffrey Epstein in die Offensive. Doch der Skandal um den verurteilten Sexualstraftäter ist für den US-Präsidenten noch nicht ausgestanden. Was ist da wirklich los?

Andreas Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Im Wahlkampf hatte Donald Trump eine Freigabe aller Akten zum Tod des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein versprochen. Dann wollte er nichts mehr davon wissen und vergraulte viele Anhänger. 
  • Ausgerechnet ein brisanter Bericht über die Verbindung zwischen Trump und Epstein verschafft dem US-Präsidenten eine Verschnaufpause.
  • Dabei wird Donald Trump den Fall Epstein so schnell nicht loswerden. 

Donald Trump hat sich in seiner Karriere mit vielen angelegt: den Medien, der Justiz, politischen Gegnern. Doch nun trifft er auf eine Macht, die er selbst geschaffen hat: seine treuesten Anhänger. Und nun wird er sie nicht los, die Verschwörer, die er rief: Der Skandal um Jeffrey Epstein berührt den Kern seiner «Maga»-Bewegung.

Seine Anhänger verehren Trump als Kämpfer des kleinen Mannes gegen eine korrupte Elite, die das Land ausbeutet. Dieses Narrativ war so wirkmächtig, dass es Trump zurück ins Weisse Haus brachte. Seine Fans glaubten ihrem Idol alles und folgten ihm nahezu bedingungslos.

Warum ist der Fall Epstein besonders?

  • Der Fall verknüpft schwerste Sexualverbrechen mit den obersten Kreisen der amerikanischen Elite. Finanzier Jeffrey Epstein, ein vielfacher Millionär, soll zwischen 2002 und 2005 minderjährige Mädchen – teils erst 14 Jahre alt – mit Geld angelockt und unter anderem in New York, Florida und auf seiner Privatinsel sexuell missbraucht haben. Unterstützt wurde er dabei von seiner langjährigen Partnerin Ghislaine Maxwell, die später verurteilt wurde.
  • Epstein pflegte enge Kontakte zu Prominenten: Bill Clinton, Bill Gates, Prinz Andrew – aber auch Michael Jackson, Stephen Hawking und David Copperfield tauchten laut Gerichtsakten bei zumindest einer Veranstaltung von ihm auf. Videos zeigen auch Epstein und Trump beim Feiern.

Doch der Fall Epstein offenbarte in den vergangenen Woche bedenkliche Risse zwischen Trump und seinem Gefolge. Der Grund: Im Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, der 2019 tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde, hatte Trump einst versprochen, Licht ins Dunkel zu bringen und die geheimen Ermittlungsakten zu veröffentlichen. Doch davon wollte Trump plötzlich nichts mehr wissen und beschimpfte seine Anhänger sogar als «Schwächlinge».

Sie kannten sich, sie trafen sich: Donald Trump wird den Fall Jeffrey Epstein so schnell nicht loswerden.
Sie kannten sich, sie trafen sich: Donald Trump wird den Fall Jeffrey Epstein so schnell nicht loswerden.
Bild: imago images/UPI Photo

Trump-Anhänger fühlten sich im Stich gelassen

Vom Kampf der einfachen Leute gegen die Eliten war plötzlich nichts mehr übrig. Michael Kruse, Trump-Experte des US-Magazins «Politico» fasste die Stimmung im Trump-Lager wie folgt zusammen: «Die Legionen, die Trump zugeneigt waren, erkannten, dass es vielleicht gar nicht stimmt (was Trump versprochen hat), dass er vielleicht weniger einer von uns und mehr ein Teil von ihnen ist.»

Doch dann veröffentlichte das «Wall Street Journal» (WSJ) in der vorigen Woche einen brisanten Artikel, in dem eine Verbindung zwischen Trump und Epstein hergestellt wird. Die Zeitung berichtete exklusiv über einen Glückwunschbrief an Epstein zu dessen 50. Geburtstag im Jahr 2003, der den Namen Trumps tragen soll. In dem Brief mit schlüpfrigem Inhalt sollen mit einem Marker die Umrisse eines Frauenkörpers mit Brüsten gezeichnet worden sein – die Zeitung beruft sich auf Einblick in Dokumente.

Trump dementierte sofort und kündigte eine Klage an, die seine Anwälte einen Tag später einreichten. Der Artikel sei falsch und verleumderisch, Trump verlangt mindestens zehn Milliarden Dollar als Wiedergutmachung.

Brisanter Bericht spielt Trump in die Karten

Das Kurioses an dem brisanten «WSJ»-Artikel ist: Momentan hilft er Trump mehr, als dass er ihm schadet. Hatte die «MAGA»-Front in den vergangenen Wochen erkennbare Lücken gezeigt, schliessen sich die Reihen nun wieder. Man konzentriert sich wieder auf den gemeinsamen Kampf gegen die vermeintlichen «fake news», gegen die bösen Mainstream-Medien, die Trump an den Kragen wollen.

Zuletzt hatten sich einige seiner lautstärksten Unterstützer in der Sache Epstein gegen Trump gewendet: Meinungsmacher wie Steve Bannon etwa oder Mike Johnson, Sprecher des Repräsentantenhauses. In Trump-treuen Medien wurde von ersten Rissen in der MAGA-Basis berichtet, weil sich die Regierung weigerte, Akten aus dem Epstein-Fall veröffentlichen zu lassen. Das war schliesslich eines von Trumps zentralen Wahlversprechen.

Wusste Trump von Epsteins Verhalten?

Für Trump ist die Entwicklung ein Glücksfall. Seine Basis beklagt sich nicht mehr über die zurückgehaltenen Akten, sondern wieder über die bösen Medien. Es geht plötzlich wieder um den Kampf des einfachen Mannes gegen die Eliten. Zudem hat Trump erkannt, dass es besser wäre, zumindest einige Akten freigeben zu lassen, was er am Wochenende dann auch angeordnet hat.

Doch die Frage, wer wann was von Epsteins Verhalten wusste, hält sich weiterhin. Trump den Fall Epstein so schnell wohl nicht loswerden. Dafür gab es in der Vergangenheit zu viele Berührungspunkte zwischen den beiden Männern. Vor allem in den 1990er-Jahren trafen sich Trump und Epstein häufiger, wie «CNN» berichtet. Im Jahr 2002 sagte Trump in einem Interview über Epstein, dieser sei ein «Supertyp».

Was hatte Trump mit Epstein zu tun?

  • Trump und Epstein feierten gemeinsam in den 1990er Jahren, wie Videoaufnahmen zeigen. Laut Protokollen flog Trump mindestens siebenmal in Epsteins Privatjet. In einem Interview von 2002 nannte er Epstein einen «grossartigen Mann» – und sagte über ihn: «Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte.»
  • Die Mischung aus reichen und mächtigen Männern, einer offenbar laschen Strafverfolgung und einem dubiosen Tod bereiteten den idealen Nährboden für Argwohn.
  • 2019 distanzierte sich Trump als Präsident von Epstein und erklärte, nichts vom Missbrauch gewusst zu haben. Epstein bezeichnete Trump laut Journalist Michael Wolff später als seinen ehemals «besten Freund» und erhob schwere, aber unbelegte Vorwürfe.
  • Zumal der Missbrauch Minderjähriger im Zentrum weiterer breitenwirksamer rechter Verschwörungstheorien der jüngeren US-Geschichte steht, darunter das (längst widerlegte) sogenannte «Pizzagate», das behauptete, hochrangige Demokraten betrieben in einer Pizzeria in Washington einen Pädophilenring.

Dass Trumps Name in den Epstein-Akten auftaucht, ist nicht unwahrscheinlich, was nicht automatisch bedeutet, dass Donald Trump etwas Ungesetzliches getan hat. Es gibt Passagierlisten, die belegen, dass Trump in den 1990er-Jahren mit Epstein Privatjet geflogen ist.

Trump ging auf Distanz

Bei Hausdurchsuchungen in Epstein Anwesen wurden handschriftliche Telefonnotizen über Telefonate mit Trump gefunden, ein Dutzend persönliche Telefonnummer von Trump und seiner Familie standen in Epsteins Telefonbuch. Und dann gibt es noch die Aussagen einer Frau, die bereits 1996 (und erneut 2006) bei der Polizei und dem FBI über ein verstörendes Zusammentreffen mit Trump in Epsteins Büro berichtete.

Noch bevor 2006 die ersten Vorwürfe gegen Epstein bekannt wurden, war es allerdings zum Zerwürfnis zwischen den beiden gekommen. Trump hat Epstein sogar aus seinem Club in Mar-a-Lago geworfen und 2019 wiederholt gesagt, er sei «kein Fan» von Epstein.

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