Crypto-Affäre: Zahlreiche Bundesräte wussten Bescheid

SDA/tafi

16.2.2020 - 10:59

Über die Zuger Firma Crypto sollen ausländische Geheimdienste Staaten abgehört haben. Zahlreiche (Alt-)Bundesräte sollen darüber Bescheid gewusst haben. (Symbolbild)
KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Schweiz verurteilt heimlich einen russischen Agenten, die Credit Suisse streitet mit Ex-Chef Tidjane Thiam über den Bonus und das BAG will die Armee im Kampf gegen das Coronavirus einsetzen: Das sind die wichtigsten Schlagzeilen der Sonntagspresse.

Crypto-Affäre: Zahlreiche Bundesräte wussten Bescheid

Die Crypto-Affäre erschüttert weiterhin die Schweiz. So sollen zahlreiche Bundesräte über die Spionagetätigkeit der Zuger Firma Crypto AG im Bilde gewesen sein. Wie die Sonntagspresse schreibt, legte FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter dem Bundesrat einige Dokumente vor, die zeigen sollen, dass der ehemalige Justizminister Arnold Koller (CVP) in den 1990er-Jahren bestens über die Abklärungen der Bundespolizei zur Crypto AG informiert gewesen war. Er habe auch über die Kontakte Kaspar Villigers zu einem Verwaltungsrat der Firma Bescheid gewusst.



Zudem sei die «NZZ am Sonntag» im Zuger Dokumentationszentrum auf Briefe von Anfang 1994 gestossen, in denen der Waadtländer Jean-Pascal Delamuraz (FDP) und der Tessiner Flavio Cotti (CVP) auf die Machenschaften der Crypto AG hingewiesen worden waren. Die Schreiben stammen von einem Geschäftsmann, der in Iran mit dem Vertrieb der Crypto AG betraut und 1992 mit dem Schweizer Mitarbeiter Hans Bühler festgenommen worden war. Darüber hinaus sagte der frühere Chefentwickler der Firma, Peter Frutiger, gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass er nach seinem Austritt aus der Firma die Schweizer Behörden über die Machenschaften der Crypto AG aufgeklärt habe.



Laut der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche» waren auch die Zuger FDP-Politiker Georg Stucky sowie der Rolf Schweiger über die Machenschaften unterrichtet. Der vom Bundesrat beauftragte alt Bundesrichter Niklaus Oberholzer erklärte gegenüber der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche», dass er bereits dran sei, Akten zu studieren.



Zudem verstehe er den Auftrag so, dass die Bewertung dieser Fakten dann nicht mehr zu seinen Aufgaben zähle. «Das muss der Bundesrat oder das Parlament tun», sagte er. Der «SonntagsBlick» berichtet ausserdem, dass Parlamentarier wegen der Crypto-Affäre die Aufsicht über den Nachrichtendienst ausbauen wollen. Zudem solle die Schweiz laut einem Experten die wichtigste Infrastruktur wie Telefon, Strom, die Wasserversorgung und die Spitäler besser gegen Abhörmassnahmen schützen.

Coronavirus: BAG wollte Armee einsetzen

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Europa hat das Bundesamt für Gesundheit BAG laut dem «SonntagsBlick» im Hintergrund den Einsatz der Schweizer Armee an Flughäfen vorbereitet. Am Donnerstag seien andere Departemente kurzfristig um eine Stellungnahme für eine solche Massnahme gebeten worden, hiess es. Die Durchführung von Screenings bei Einreisenden aus betroffenen Regionen könne das BAG nicht allein vornehmen und solle daher in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee vorgenommen werden.



Die Zeitung schreibt zudem, dass ein Antragsentwurf für die kommende Bundesratssitzung vorbereitet worden sei, in dem die Schweizer Armee um Unterstützung mit Personal gebeten werde. Das gesamte Vorhaben soll allerdings später vom BAG selbst wieder gestoppt worden sein. Die «NZZ am Sonntag» schreibt zudem, dass Produkte in der Schweiz aufgrund des Coronavirus teurer würden.

Russischer Agent heimlich verurteilt

Die Schweiz hat laut der «SonntagsZeitung» einen Agenten aus Russland ertappt, verhaftet und im Januar ohne öffentlichen Prozess wegen politischem Nachrichtendienst verurteilt. Der Fall war bisher nicht bekannt und bleibe selbst nach der Verurteilung mysteriös.



Der Agent fuhr laut den Angaben im vergangenen Sommer in einem Range Rover durch die Schweiz und hatte eine Drohne sowie sechs Handys im Gepäck. Seine Mission sei gewesen, in Ungnade gefallene russische Dissidenten oder Oligarchen zu verfolgen. Die Bundesanwaltschaft BA habe Stellen im Strafbefehl wegen «überwiegender Geheimhaltungsinteressen» geschwärzt. Selbst die Nationalität des Verurteilten und der Name des Geheimdienstes seien unkenntlich gemacht worden.

Recherchen der Zeitung hätten aber ergeben, dass der Verurteilte ein Russe sei und dass er für den russischen Auslandnachrichtendienst SWR gearbeitet habe. Dem Russen wurde eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten aufgebrummt. Er ist aber bereits wieder auf freiem Fuss, weil ihm die Untersuchungshaft angerechnet wurde. Die Eile bei dem Verfahren deute zudem daraufhin, dass sich die Schweiz dem Fall rasch habe entledigen wollen, hiess es.

SRF spart – ausgerechnet bei Roger Federer

Das Schweizer Fernsehen SRF spart laut der «SonntagsZeitung» bei der Berichterstattung über Tennisstar Roger Federer. Für die Sportredaktion wird im Jahr von teuren Sportereignissen wie die Olympischen Sommerspiele in Japan und der Fussball-EM mit Schweizer Auftritten im fernen Aserbaidschan die Sparschraube angezogen.

Die Mitarbeiter reisten den Schweizer Sportstars immer weniger hinterher. Erstmals überhaupt werde das prämierte Kommentatoren-Duo Stefan Bürer und Heinz Günthardt vom US-Tennis-Open nicht aus New York berichten – sondern aus Zürich. Dies sorge nicht nur bei Tennisfans für Irritationen, sondern auch intern bei SRF. Im Fall von Günthardt geht SRF sogar noch weiter: Eine Vielzahl der Einsätze des Tennis-Experten würden komplett gestrichen.

Der Abteilungsleiter SRF Sport, Roland Mägerle, erklärte gegenüber der Zeitung in einem Interview, dass SRF grundsätzlich nicht daran spare, was man mache, sondern wie man es mache. Einmal vom Studio aus zu kommentieren, merkten die Zuschauer gar nicht, sagte er.

Ärzte kassierten Belohnung für Implantat-OPs

Eine amerikanische Medtech-Firma hat laut dem «SonntagsBlick» Medizinern in der Schweiz gewisse Rückvergütungen versprochen, falls sie bei Patienten die Produkte des Unternehmens erfolgreich einoperieren. Es geht um die Firma Nevro und die Zeitung beruft sich auf ihr vorliegende Vertragsdokumente. Demnach zahlte das Unternehmen Schweizer Medizinern 10'000 Franken als Belohnung für jedes Nevro-Implantat, dass sie Patienten unter die Haut pflanzen.



Wer Patienten Nevro-Stimulatoren mit Aufwand von rund 800'000 Franken in den Rücken setzt, sei mit 160'000 Franken belohnt worden. Dieses Vorgehen sei aber mittlerweile beendet worden, hiess es. Die Firma erklärte gegenüber dem «SonntagsBlick», dass sie vergangenes Jahr die Richtlinien für Rabatte verschärft habe. Infolgedessen seien einige Verträge in der Schweiz angepasst worden, um den neuen Unternehmensstandards zu entsprechen.

Fleischkonsum sinkt, wird aber teurer

Der Fleischkonsum wandelt sich in der Schweiz laut der «NZZ am Sonntag». Die Zeitung beruft sich auf neue Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen, die sich auf Befragungen stützen und den Einkaufstourismus im grenznahen Ausland einbeziehen. So gingen im Jahr 2019 rund 217'287 Tonnen an Fleisch für den Heimkonsum über den Ladentisch. Seit dem Jahr 2017 sei die für den Heimgebrauch verkaufte Menge allerdings um rund 2,5 Prozent gesunken.



Obwohl mengenmässig zwar weniger gekauft wurde, blieb der Geldbetrag, den die Konsumenten für Fleisch ausgegeben haben, aber nahezu unverändert. Das waren vergangenes Jahr rund 4,9 Milliarden Franken – genauso viel, wie bereits im Jahr 2017. Daraus schliesst die Zeitung, dass Schweizer Konsumenten sich etwas seltener Fleisch gönnen, dafür aber Geld in bessere Qualität investieren – denn die Preise für Lebensmittel hätten sich in jüngster Zeit nicht stark verändert und die Bevölkerungszahl habe sich leicht erhöht.

Sommaruga will Glyphosat-Grenzwert nicht erhöhen

Bundesrätin Simonetta Sommaruga revidiert laut dem «SonntagsBlick» den Plan ihrer Amtsvorgängerin Doris Leuthard zur Erhöhung des Glyphosat-Grenzwertes im Trinkwasser. Ursprünglich habe das Umweltdepartement Uvek eine Erhöhung um das Hundertfache auf 10 Mikrogramm pro Liter vorgesehen. Nun verfolge Sommaruga, den Grenzwert für Glyphosat bei 0,1 Mikrogramm pro Liter zu belassen.



Das Uvek bestätigte gegenüber der Zeitung, dass es insbesondere bei diesem Pestizid keine Erhöhung geben werde. Zu Details der Verordnung wolle sich die Medienstelle des Uvek allerdings nicht äussern, hiess es.

CS streitet mit Thiam über Boni

Bei der Grossbank Credit Suisse (CS) gibt es laut der «SonntagsZeitung» einen Streit über den Bonus von Ex-Konzernchef Tidjane Thiam. Der unlängst zurückgetretene CEO legte vergangenen Donnerstag ein Ergebnis mit einer Gewinnsteigerung von 69 Prozent vor. Allerdings bestand dieses Plus von rund einer Milliarde Franken fast vollständig aus Sondereffekten, wie ein Häuserverkauf und der Aufwertung von Beteiligungen.



Normalerweise werden solche Effekte bei der Bestimmung des Bonus herausgerechnet, genauso wie einmalige Abschreiber oder Bussen. Nicht so in diesem Fall. Im bereinigten Vorsteuer-Gewinn von fünf Milliarden Franken sind die Sondereffekte grösstenteils enthalten. Ohne Aufwertungsgewinn wäre aber das Ziel bei der geforderten Kapitalrendite nicht erreicht worden und die übrigen Kennzahlen wären tiefer ausgefallen als nunmehr ausgewiesen.

Vergangenes Jahr erhielt Thiam einen fixen Lohn von 3,35 Millionen Franken. Sein Bonus, der zu zwei Dritteln auf den genannten Kennzahlen beruht, belief sich allerdings auf 9,5 Millionen Franken. Der Verwaltungsrat sei aber nicht bereit, Thiams Berechnung vorbehaltlos zu akzeptieren. Die CS teilte der Zeitung mit, dass das Kompensationskomitee entscheide, was bei den bereinigten Zahlen inkludiert werde und was nicht.

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