Angriff ohne Nachfolgeplan Dieses Risiko geht Trump mit der Gefangennahme Maduros ein

dpa

3.1.2026 - 20:55

US-Präsident Donald Trump hat auf der Plattform Truth Social ein erstes Bild veröffentlicht, das den gefangengenommenem venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro zeigen soll.
US-Präsident Donald Trump hat auf der Plattform Truth Social ein erstes Bild veröffentlicht, das den gefangengenommenem venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro zeigen soll.
Bild: X/Truth Social

Der US-Präsident und seine Verbündeten nennen den Militäreinsatz in Venezuela einen grossen Erfolg. Doch die Trump-Regierung muss sich auch mit schwierigen Fragen zur Zukunft des südamerikanischen Landes auseinandersetzen.

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DPA, Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • US-Präsident Donald Trump forciert den Machtwechsel in Venezuela – auch mit militärischer Gewalt.
  • Wer nun das Machtvakuum in Venezuela füllen soll, bleibt unklar.
  • Präsident Trump kündigt an, dass sein Land vorerst die Kontrolle in Venezuela übernehmen wolle.

In der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro sehen US-Staatschef Donald Trump und dessen Verbündeten einen gelungenen Militäreinsatz. «Das war tatsächlich eine brillante Operation», sagte Trump der Zeitung «The New York Times», kurz nachdem US-Truppen den venezolanischen Luftraum wieder verlassen hatten. Bei einem Auftritt in der Sendung «Fox & Friends» sagte er, einige US-Soldaten seien bei dem Angriff verletzt worden, aber vermutlich seien keine getötet worden.

Die Trump-Regierung hat Maduro als «unrechtmässigen» Diktator und «Drogenterroristen» bezeichnet. Das Weisse Haus wird sich aber unangenehmen Fragen stellen müssen: Wer wird das Machtvakuum in Venezuela füllen, jetzt da Maduro gestürzt wurde? Wie sorgt man für Stabilität in einem Land, das trotz seines riesigen Ölvorkommens bereits jahrelang unter Hyperinflation, Lebensmittel- und Medikamentenknappheit sowie dem Weggang von Arbeitskräften gelitten hat?

«Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren, ordnungsgemässen und umsichtigen Übergang gewährleisten können», sagte Trump vor Journalisten auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida.

Der bislang autoritär herrschende Präsident Nicolás Maduro wurde nach Angaben von US-Präsident Donald Trump gefasst und ausser Landes gebracht. 
Der bislang autoritär herrschende Präsident Nicolás Maduro wurde nach Angaben von US-Präsident Donald Trump gefasst und ausser Landes gebracht. 
Archivbild: Matias Delacroix/AP/dpa

Welche Lektionen werden zudem Gegner der USA aus der Entscheidung Trumps zur Demonstration amerikanischer Macht ziehen? Der chinesische Präsident Xi Jinping erwägt eine Annektierung der Insel Taiwan, die Peking als Teil seines Staatsgebiets betrachtet. Der russische Staatschef Wladimir Putin hat das Nachbarland Ukraine im Visier und führt dort einen Angriffskrieg.

Angriff sorgt für Unruhe weltweit

Der Sturz Maduros ist sicherlich ein zentrales Ereignis in der Aussenpolitik Trumps in dessen zweiter Amtszeit. Der Republikaner hat nicht damit gezögert, US-Militärmacht zu zeigen, obwohl er versprochen hat, dass die USA unter ihm in keine Kriege geraten würden. Trump hat jetzt zwei Mal in seiner neuen Amtszeit das US-Militär für riskante Operationen gegen Länder verwendet, die er als Feinde sieht – im Juni hatte er US-Angriffe auf iranische Atomanlagen angeordnet. Am Freitag drohte Trump dem Iran mit neuen Angriffen für den Fall, dass dort «friedliche Demonstranten» getötet würden. Dann würden die USA den Demonstranten zu Hilfe kommen, teilte er mit.

Trumps Angriff auf Venezuela am Samstag hat für Unruhe weltweit gesorgt. Unter Trump sind die USA nicht mehr dafür bekannt, sich um eine globale Übereinkunft bei Themen von Krieg und Frieden zu bemühen.

Was passiert jetzt in Venezuela?

Europäische Verbündete der USA hatten Bedenken geäussert, als Trump in den vergangenen Monaten die Präsenz des US-Militärs in der Karibik ausbaute und Dutzende tödliche Angriffe auf mutmassliche Drogenschmuggler anordnete. Viele dieser mutmasslichen Drogenschmuggler seien im Prinzip Teil der Maduro-Regierung, behauptete die Trump-Regierung.

Zwar ist Maduro wegen der mutmasslich von Unregelmässigkeiten geprägten Präsidentschaftswahlen 2018 und 2024 in Venezuela innerhalb der internationalen Gemeinschaft umstritten. Doch viele Verbündete der USA reagierten mit einer gewissen Unruhe auf die Nachrichten von der Gefangennahme Maduros.

EU-Ratspräsident António Costa teilte mit, dass er «grosse Bedenken» wegen der Lage in Venezuela nach dem Einsatz der USA habe. Der französische Aussenminister Jean-Noël Barrot sagte, der Einsatz verstosse gegen das Völkerrecht.

Auch von Mitgliedern der Demokratischen Partei in den USA gab es Kritik an dem Militäreinsatz. «Dieser Krieg ist illegal, es ist peinlich, dass wir in weniger als einem Jahr vom Polizisten der Welt zum Schikaneur der Welt wurden», teilte der US-Senator Ruben Gallego auf der Plattform X mit. «Es gibt keinen Grund, warum wir Krieg gegen Venezuela führen sollten.»

Auch ein Parteifreund von US-Präsident Donald Trump, der republikanische Senator Mike Lee von Utah, meldete Zweifel an: «Ich bin gespannt darauf zu erfahren, was – falls überhaupt etwas – diese Handlung verfassungsrechtlich rechtfertigen könnte, angesichts des Fehlens einer Kriegserklärung oder einer Genehmigung zum Einsatz militärischer Gewalt.»

Vergleich mit dem Fall der Berliner Mauer

Der Militäreinsatz ist der Höhepunkt einer monatelangen Druckkampagne gegen Maduro. Sie wurde von US-Aussenminister Marco Rubio und anderen Maduro-Gegnern angeführt, die Trump aufforderten, Massnahmen gegen den Venezolaner zu ergreifen. Im Süden von Florida, einem Zentrum der venezolanischen Opposition gegen Maduro im Ausland, wurde der Einsatz vom Samstag als wichtig für die Demokratie gefeiert.

Der republikanische Abgeordnete Carlos Gimenez teilte mit, er habe mit Rubio gesprochen und bedankte sich bei Trump dafür, «den Lauf der Geschichte in unserer Hemisphäre geändert» zu haben. «Unser Land & die Welt sind deshalb sicherer», schrieb er bei X. Er verglich den Sturz Maduros mit dem Fall der Berliner Mauer.

Trump: Maduro bekam Gelegenheit zu freiwilligem Machtverzicht

Trump behauptete, Maduro habe vor kurzem die Chance bekommen, freiwillig die Macht abzugeben, doch habe er das abgelehnt. Kurz nach der Bekanntgabe der Gefangennahme Maduros veröffentlichte das Weisse Haus Videoaufnahmen in den sozialen Medien, die Trump bei einem Auftritt im Oktober zeigten, bei dem er Reportern sagte, Maduro bekomme den Druck der US-Kampagne zu spüren und versuche, ein Abkommen auszuhandeln.

Der ehemalige US-Sondergesandte für den Iran und Venezuela während Trumps erster Amtszeit, Elliot Abrams, sagte, der Republikaner müsse jetzt entscheiden, wie viel Einfluss Washington auf die künftige Regierung in Caracas ausübe. Die venezolanische Opposition um die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado sagt, rechtmässiger Präsident sei der im Exil lebende Politiker Edmundo González.

Die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado will die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia als Nachfolger von Maduro. 
Die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado will die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia als Nachfolger von Maduro. 
Archivbild: eddy vittini/dpa

«Ich denke, die wahre Frage lautet, ob Trump den Sieg ausrufen und damit zufrieden sein wird, dass (die venezolanische Vizepräsidentin) Delcy Rodríguez einige Versprechen macht oder sich an Verhandlungen beteiligt», sagte Abrams. «Oder wird er auf González bestehen.»

Trump sagte am Samstag auf einer Pressekonferenz, die USA würden Venezuela vorerst regieren – so lange, bis ein sicherer Machttransfer stattfinden könne. Dabei sagte er: «Keine Nation auf der Welt könnte schaffen, was Amerika geschafft hat.»

Videos zeigen US-Angriff auf Venezuela

Videos zeigen US-Angriff auf Venezuela

Die USA haben militärische Ziele in Venezuela angegriffen. Aufnahmen aus dem südamerikanischen Land zeigen Explosionen und Rauch.

03.01.2026