Nur Gewinner?2,5 Billionen – wer 2025 mit KI richtig Geld gemacht hat
Martin Abgottspon
28.12.2025
Elon Musk und Larry Page profitieren beide vom KI-Hype.
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Der KI-Boom hat auch geldtechnisch längst Dimensionen erreicht, die kaum mehr vorstellbar sind. Dabei wirft er auch eine alte Frage neu auf. Wer profitiert und wer trägt das Risiko?
Die Vermögen führender Tech-Unternehmer explodieren. Allein Elon Musk kommt 2025 auf rund 645 Milliarden Dollar.
Unternehmen wie Nvidia profitieren massiv, da ihre Hardware zur Grundlage moderner KI-Systeme wird und Börsenbewertungen stark steigen.
Zentralbanken sehen Anzeichen einer KI-Blase, während die wachsende Macht und Vermögenskonzentration neue politische und gesellschaftliche Konflikte auslöst.
Der weltweite Hype um künstliche Intelligenz hat 2025 nicht nur neue Produkte und Geschäftsmodelle hervorgebracht, sondern vor allem auch die Vermögenskonzentration an der Spitze der Tech-Industrie beschleunigt. Während Milliarden in Rechenzentren, Chips und Talente fliessen, wachsen die Privatvermögen einiger weniger in einem Tempo, das selbst für Silicon-Valley-Verhältnisse aussergewöhnlich ist.
Milliarden für Algorithmen und Talente
Die Investitionsdynamik ist beispiellos. Nach Prognosen des Marktforschungsunternehmens Gartner werden die globalen Ausgaben für KI bis Ende 2025 rund 1,5 Billionen Dollar erreichen, 2026 soll erstmals die Zwei-Billionen-Marke überschritten werden. Treiber sind vor allem die Integration von KI in Endgeräte, Unternehmenssoftware und Cloud-Infrastrukturen sowie der massive Ausbau energieintensiver Rechenzentren.
Parallel dazu tobt ein internationaler Wettlauf um hochqualifizierte Fachkräfte. Führende Tech-Konzerne wie Google, Meta oder OpenAI locken KI-Spezialisten mit Gehaltspaketen, die teils im Millionenbereich liegen. Der Arbeitsmarkt für Spitzenforscher folgt damit längst nicht mehr klassischen Massstäben, sondern ähnelt zunehmend dem Transfergeschäft im Profisport.
Die Gewinner an der Spitze
Von dieser Entwicklung profitieren vor allem Gründer und CEOs der grossen US-Technologiekonzerne. Nach Berechnungen von Bloomberg stieg das gemeinsame Vermögen der zehn reichsten Tech-Unternehmer bis Heiligabend 2025 von rund 1,9 auf fast 2,5 Billionen Dollar. Allein dieser Zuwachs übersteigt das Bruttoinlandsprodukt vieler Staaten.
An der Spitze steht erneut Elon Musk. Das Nettovermögen des Tesla- und SpaceX-Chefs wuchs im Jahresvergleich um fast 50 Prozent auf etwa 645 Milliarden Dollar. Bereits im Oktober überschritt Musk als erster Mensch die Schwelle von 500 Milliarden Dollar. Sollte Tesla seine ambitionierten Wachstumsziele erreichen, gilt selbst der Status des ersten Billionärs der Geschichte nicht mehr als ausgeschlossen.
Deutlich dahinter folgen Google-Mitgründer Larry Page mit rund 270 Milliarden Dollar sowie Amazon-Gründer Jeff Bezos mit etwa 255 Milliarden. Der Abstand verdeutlicht, wie stark einzelne Geschäftsmodelle vom KI-Narrativ profitieren und wie sehr die Kapitalmärkte auf zukünftige Erträge setzen.
Jeff Bezos liegt mit seinem Vermögen aktuell wieder deutlich hinter Elon Musk.
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Nvidia und die Macht der Infrastruktur
Ein weiterer Gewinner des Jahres ist Jensen Huang, CEO des Chipkonzerns Nvidia. Sein Vermögen stieg um rund 41,8 Milliarden Dollar auf etwa 159 Milliarden. Nvidia-Prozessoren gelten als Schlüsseltechnologie moderner KI-Systeme, da sie das Training grosser Sprach- und Bildmodelle erst ermöglichen.
Der Börsenwert des Unternehmens erreichte im Oktober zeitweise rund fünf Billionen Dollar. Huang nutzte den Höhenflug, um Nvidia-Aktien im Wert von fast einer Milliarde Dollar zu veräussern. Ein Signal, das von Anlegern aufmerksam registriert wurde.
Nvidia mit CEO Jensen Huang zählt seit dem KI-Boom zu den grössten Gewinnern in der Tech-Branche.
Keystone
Warnungen vor der Überhitzung
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Doch je steiler die Kurven, desto lauter die Warnungen. Die Bank of England sprach im Herbst von der Gefahr einer «plötzlichen Korrektur», sollten sich die Erwartungen an die wirtschaftlichen Effekte von KI nicht erfüllen. Insbesondere die Bewertungen von Technologieunternehmen mit starkem KI-Fokus seien anfällig, falls das Wachstum hinter den Prognosen zurückbleibe.
Kritiker verweisen zudem auf historische Parallelen – von der Dotcom-Blase bis zum Krypto-Hype. Auch damals trieben Zukunftsversprechen die Kurse, bevor die Realität die Märkte einholte. Befürworter entgegnen, KI sei kein kurzfristiger Trend, sondern eine Basistechnologie mit langfristiger Produktivitätswirkung.
Unabhängig von der Frage einer möglichen Blasenbildung verschärft der KI-Boom eine alte gesellschaftliche Debatte: die Konzentration wirtschaftlicher Macht. Wenn technologische Schlüsselressourcen und enorme Vermögen in den Händen weniger Akteure liegen, geraten nicht nur Märkte, sondern auch politische Ordnungen unter Druck.
Forderungen nach wirksameren Vermögenssteuern und stärkerer Regulierung werden lauter, insbesondere in den USA und Europa. Gleichzeitig warnen Unternehmen vor Innovationshemmnissen in einem globalen Wettbewerb, der zunehmend von geopolitischen Interessen geprägt ist.