Mit KI-Satelliten gegen die HitzeElon Musk will die Sonne dimmen – und die Welt hält den Atem an
Martin Abgottspon
10.11.2025
Elon Musks Idee ist gemäss Klimaforschern nicht ganz durchdacht.
ChatGPT @blue News
Eine Flotte von Satelliten soll das Sonnenlicht einschränken und so die Erderwärmung stoppen. Was nach Science-Fiction klingt, ist Elon Musks neuester Vorschlag die Welt zu retten.
«Eine solarbetriebene KI-Satellitenkonstellation könnte die globale Erwärmung verhindern», schreibt Elon Musk Anfang November auf seiner Plattform X. Der Multimilliardär skizziert darin die Idee, die Sonneneinstrahlung gezielt zu reduzieren. Ein Konzept, das unter den Begriff des solaren Geoengineerings fällt. Kleine Veränderungen in der Menge des Sonnenlichts, das die Erde erreicht, könnten laut Musk ausreichen, um den Temperaturanstieg zu stoppen.
Was als technologische Vision präsentiert wird, ist in Wahrheit ein hochkomplexer und ethisch umstrittener Eingriff in das Klimasystem. Geoengineering gilt als eines der letzten Mittel im Kampf gegen die Erderwärmung. Und als eines der gefährlichsten.
Global warming is good. Heat deaths are tiny compared to cold deaths. If the climate should warm up by 1 degree C, obviously this would lead to a much greater reduction in cold deaths than would increase heat deaths, that is, a net benefit to humanity. pic.twitter.com/p1uM5tWdQl
Der Gedanke, das Sonnenlicht künstlich zu schwächen, ist nicht neu. Forscher diskutieren seit Jahrzehnten verschiedene Ansätze, etwa das Ausbringen reflektierender Partikel in der Stratosphäre oder das Aufhellen von Wolken, um mehr Sonnenlicht ins All zurückzulenken. Auch Weltraumspiegel, die das Licht ablenken, gehören zum Repertoire theoretischer Szenarien.
Doch Musks Plan unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt: Er setzt auf eine KI-gesteuerte Flotte von Satelliten, die sich dynamisch an die globalen Klimabedingungen anpassen soll.
Warnungen aus der Wissenschaft
Klimaforscher zeigen sich alarmiert. Erst Ende Oktober warnten internationale Teams vor den potenziell verheerenden Folgen solcher Eingriffe. Selbst minimale Fehler bei der Regulierung der Sonneneinstrahlung könnten Wetterextreme verschärfen, Monsune stören oder regionale Ökosysteme destabilisieren.
Der Harvard-Forscher David W. Keith formuliert die Spannweite der Positionen so: «Eine vernünftige Position wäre zu sagen, es sollte ein globales Moratorium dafür geben, dass solares Geoengineering überhaupt jemals stattfindet. […] Ich halte es jedoch für zunehmend unhaltbar, Klimapolitik zu machen, als ob solares Geoengineering nicht existierte.»
Die Aussage macht das Dilemma sichtbar: Nicht handeln birgt Risiken – Handeln ebenso. Hinzu kommt die Governance-Frage: Wer entscheidet, wann, wo und wie stark «gedimmt» wird? Konflikte zwischen Gewinnern und Verlierern wären programmiert.
Musk ist nicht der erste Tech-Milliardär, der den Klimawandel als technisches Problem begreift. Während Staaten über Emissionsziele und CO₂-Bepreisung verhandeln, setzen Visionäre wie Musk oder Bill Gates auf technologische Kurzschlüsse. Auf Lösungen, die die Symptome lindern, nicht die Ursachen.
Doch Kritiker warnen, dass solche Ideen könnten die dringend notwendige Dekarbonisierung der Wirtschaft verzögern. Wenn die Sonne «ausgeschaltet» werden kann, warum dann noch Emissionen senken? Der Glaube an technische Kontrolle über das Klima könnte zur gefährlichen Selbsttäuschung werden.