Neue Finanzierungsrunde Milliarden-Segen für Musk trotz Sexbilder auf Knopfdruck

Martin Abgottspon

7.1.2026

Elon Musk steht mit xAI aktuell wegen sexualisierter Deepfakes in der Kritik.
Elon Musk steht mit xAI aktuell wegen sexualisierter Deepfakes in der Kritik.
Imago

Während künstliche Intelligenz auf der Plattform X Frauen und Kinder digital entkleidet,sammelt das verantwortliche Unternehmen fleissig neues Kapital. Ein Paradoxon der modernen Tech-Ökonomie.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ungeachtet der Empörung über sexualisierte Deepfakes sammelte xAI erfolgreich 20 Milliarden US-Dollar ein.
  • Das Kapital fliesst primär in den Ausbau von Rechenzentren mit Nvidia-Chips, wodurch der Investor seine eigenen Umsätze sichert.
  • Während die Politik bisher wirkungslos bleibt, generiert die KI auf der Plattform X weiterhin ungehindert Missbrauchsmaterial.

Elon Musks KI-Unternehmen xAI hat inmitten einer massiven Kontroverse um sexualisierte Deepfakes frisches Kapital in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Während der hauseigene Chatbot Grok als Werkzeug für digitalen Missbrauch in der Kritik steht, fliesst das Geld globaler Grossinvestoren ungehindert, um die technische Infrastruktur weiter auszubauen.

Diese massive Diskrepanz zwischen ethischer Verantwortung und ökonomischer Realität wirft ein Schlaglicht auf den aktuellen Goldrausch im Silicon Valley. Investoren scheinen bereit, Reputationsrisiken und gesellschaftliche Schäden auszublenden, solange die technologische Wette auf die Zukunft der künstlichen Intelligenz hohe Renditen verspricht.

Der Milliarden-Kreislauf der Chip-Industrie

Die Finanzierungsrunde, an der sich Schwergewichte wie Nvidia, Cisco sowie das Emirat Katar und diverse Finanzdienstleister beteiligen, dient einem klaren strategischen Ziel: dem Aufbau des «grössten GPU-Clusters der Welt». xAI plant, die eigene Rechenkapazität massiv zu erweitern, insbesondere am Standort Memphis.

Berichten von Bloomberg zufolge ist die Kapitalaufnahme mit Schuldenaufnahmen in Höhe von rund 12,5 Milliarden US-Dollar verknüpft, die spezifisch für den Erwerb von Nvidia-Chips vorgesehen sind. Wenn Nvidia also in xAI investiert, finanziert der Chiphersteller effektiv seinen eigenen Kunden. Solche «Kreislauf-Deals» stabilisieren die Umsätze der Hardware-Produzenten und blähen gleichzeitig die Bewertungen der KI-Startups auf. Die gekauften Chips sollen anschliessend vermietet werden, um die enormen Kapitalkosten zumindest teilweise zu decken.

Nvidia-Chef Jensen Huang investiert mit seinem Unternehmen ebenso in xAI und finanziert sich damit quasi selber.
Nvidia-Chef Jensen Huang investiert mit seinem Unternehmen ebenso in xAI und finanziert sich damit quasi selber.
Keystone

Algorithmus der Enthemmung

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Während die Finanzströme in Richtung Memphis fliessen, spielt sich auf der Benutzeroberfläche von X gleichzeitig ein ganz anderes Szenario ab. Der Chatbot Grok wird von Nutzern aktiv dazu missbraucht, fotorealistische Nacktaufnahmen von Frauen und Minderjährigen zu generieren. Diese sexualisierten Deepfakes entstehen ohne das Einverständnis der Betroffenen und werden auf der Plattform öffentlich verbreitet.

Die Reaktion des Unternehmens folgt einem bekannten Muster der Tech-Krisenkommunikation: Leugnen, Relativieren, Aussitzen. X liess verlauten, es handele sich um «vereinzelte Fälle» und ein «Versagen der Sicherheitsvorkehrungen», das mittlerweile behoben sei. Die Realität auf der Plattform straft diese Behauptung Lügen. Die KI führt entsprechende Befehle weiterhin aus. Die Profile einschlägiger Accounts sind nach wie vor gefüllt mit generiertem Missbrauchsmaterial.

Machtlosigkeit der Regulatoren

Der Fall Grok offenbart dabei die derzeitige Zahnlosigkeit staatlicher Kontrollmechanismen gegenüber den Tech-Giganten. Zwar haben mehrere Staaten und die Europäische Union massive Kritik geäussert und Massnahmen in Aussicht gestellt, doch konkrete Konsequenzen blieben bisher aus. Solange Bussgelder oder Sanktionen geringer ausfallen als der Zufluss an Investorenkapital, fehlt der ökonomische Anreiz für Unternehmen wie xAI, effektive Schutzmechanismen zu implementieren.

Es bleibt abzuwarten, ob die angekündigten Regulierungen der EU schnell genug greifen, um diese Dynamik zu brechen, oder ob das Kapital Fakten schafft, die sich politisch nicht mehr korrigieren lassen. Wenn Investoren Milliarden in ein System pumpen, das aktiv Rechte verletzt, stellt sich nicht mehr die Frage nach der technologischen Machbarkeit, sondern nach der gesellschaftlichen Akzeptanz.