Analoges ComebackMit diesem alten Telefon verdient die Frau ein kleines Vermögen
Martin Abgottspon
6.12.2025
Cat Goetze trifft mit der Entwicklung eines alten Telefons einen Nerv.
Bild:instagram @askcatgpt
Mehr als 100'000 Franken Umsatz in 72 Stunden mit einem Telefon, das aussieht, als wäre es direkt den 90er-Jahren entsprungen. Der fulminante Start des Start-ups «Physical Phones» offenbart eine tief sitzende digitale Erschöpfung in der Gesellschaft.
Eine Gründerin erfand ein altmodisches Telefon mit Kabel, das sich per Bluetooth mit dem Smartphone verbindet, um den Stress durch ständige Handy-Nutzung zu reduzieren.
Die Idee wurde zum viralen Hit und erzielte innerhalb von nur drei Tagen mehr als 100'000 Franken Umsatz, da viele Menschen ihre Bildschirmzeit verringern wollen.
Das Produkt steht für einen neuen Trend, bei dem Nutzer zwar die Technologie behalten, aber bewusster und weniger abgelenkt kommunizieren wollen.
Die ständige Verfügbarkeit und die Flut an Benachrichtigungen, die moderne Smartphones mit sich bringen, haben zu einem kollektiven Phänomen der digitalen Überforderung geführt. Mitten in dieser Debatte um überzogene Bildschirmzeiten und die psychischen Folgen ständiger Erreichbarkeit, tritt Cat Goetze nun mit einer denkbar einfachen Lösung hervor. Was als persönliches Experiment gegen den eigenen «Screentime-Problem» begann, entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem veritablen Geschäftsmodell.
Goetze, so berichtet CNBC, konstruierte ein pinkes Festnetztelefon, das per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt wird. Das Gerät ermöglicht das Annehmen von Anrufen, Freisprechfunktionen und sogar die Aktivierung des Sprachassistenten über die Sterntaste. Der zentrale Anreiz: Das Gefühl des altmodischen Telefonierens, inklusive des fast meditativen «Cord-Twirling» – dem unbewussten Drehen und Wickeln des Hörerkabels, einer Verhaltensweise, die mit dem Aufkommen kabelloser Geräte nahezu verschwunden ist.
Dieser nostalgische Mechanismus scheint als Ankerpunkt für eine bewusstere Kommunikation zu fungieren. Er entkoppelt die essenzielle Funktion des Telefonierens von der ablenkenden Oberfläche des Smartphones, das typischerweise in einem Strudel aus sozialen Medien, E-Mails und Newsfeeds endet.
Vom Hobbyprojekt zum viralen Hit
Die Gründerin präsentierte ihr Eigenbau-Gerät im Juli 2025 ihrer Online-Community. Die Resonanz war überwältigend. Innerhalb weniger Stunden explodierte der Bedarf, Hunderte signalisierten Kaufinteresse. Trotz der Erwartung von lediglich 15 bis 20 Bestellungen generierte Goetze mit ihrem spontan eingerichteten Shop für «Physical Phones» innerhalb von nur drei Tagen einen Umsatz von über 100'000 Franken. Bis Ende Oktober stieg dieser Wert auf rund 300'000 bei über 3'000 verkauften Einheiten.
Die Modelle, die preislich zwischen 90 und 110 Dollar liegen, funktionieren als erweiterte Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Sie klingeln bei eingehenden Anrufen und Video-Calls über gängige Apps wie WhatsApp, FaceTime oder Instagram. Die Verbindung zur digitalen Welt bleibt bestehen, jedoch auf einer reduzierten und physisch distanzierten Ebene.
Die psychologische Dimension der Entkopplung
MyTech: der digitale Hotspot für alle Tech-Fans
blue News bietet dir täglich Insights aus der Techwelt: News, Hintergründe, Tipps und Ratschläge für deinen digitalen Alltag sowie Tests und Reviews zu Gadgets, Tools und Games.
Der Erfolg des Produkts ist nicht als blosse Modeerscheinung abzutun. Er spiegelt einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel wider, insbesondere nach der Covid-19-Pandemie, die die Nutzungsdauer digitaler Endgeräte in nahezu allen Bevölkerungsgruppen drastisch erhöhte. Goetze selbst positioniert ihren Erfolg als Teil einer wachsenden Anti-Smart-Bewegung.
Experten sehen darin eine Form der «digitalen Achtsamkeit». Anstatt die Technologie fundamental abzulehnen, wird versucht, sie neu zu domestizieren. Die physische Haptik des Retro-Telefons dient als bewusste Barriere und als Signal an das Gehirn, dass die aktuelle Aktivität wie in diesem Fall das Telefonieren Priorität hat und nicht gleichzeitig durch Tausende anderer App-Benachrichtigungen unterlaufen wird.
10 Tipps für mehr Sicherheit im Netz
Trainer Marcel gibt dir in diesem Video 10 nützliche Tipps wie du noch sicherer im Internet unterwegs sein kannst.