Nach seinem Outing ist Schwinger Curdin Orlik endlich frei

Von Bruno Bötschi

9.3.2021

Mit Curdin Orlik outete sich vor einem Jahr der erste aktive männliche Spitzensportler der Schweiz. Der Schwinger hat seinen «Schritt in die Freiheit» bis heute nicht bereut. Zum Glück.

Von Bruno Bötschi

9.3.2021

«Lieber bin ich frei als ängstlich»: Mit diesen Worten outete sich Schwinger Curdin Orlik, 28, vor einem Jahr im Magazin des «Tages-Anzeiger» als schwul. «Ich bin so, ich kann nichts dafür. So bin ich geboren.»

Orlik brach mit einem der grössten Tabus im Schweizer Spitzensport.

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet ein Sportler aus der eher konservativen Schwingszene geht mutig voran. In der Welt, aus der Orlik kommt, wird Schwulsein eben nicht als das Normalste der Welt betrachtet.

«Lieber bin ich frei als ängstlich»

Zwölf Monate sind seither vergangen. Monate, vor denen Orlik Angst hatte.

In der Zeit, als er dem «Magazin»-Journalisten Christof Gertsch seine Geschichte erzählte, überkamen den Schwinger immer wieder Zweifel. Er schlief schlecht. Er war unkonzentriert im Training. Immer wieder wägte er die Argumente ab, verfasste Pro-und-Kontra-Listen.

Am Ende stand stets dieselbe Antwort auf dem Blatt Papier: «Lieber bin ich frei als ängstlich.»

Je erfolgreicher und populärer Schwinger Orlik in den vergangenen Jahren wurde, desto grösser wurde seine Einsamkeit. Denn die Gesellschaft ist nach wie vor eine äusserst heterosexuelle Angelegenheit. Selbst privilegierte Popstars wie Elton John  und George Michael  brauchten Jahre, um sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen.



Und wie werden die Leute erst auf einen schwulen Schwinger reagieren? Mit welchen Fragen werden sie mich löchern? Schwinger Orlik stellte sich Fragen über Fragen.

Am Ende kam er immer auf dieselbe Antwort: «Lieber bin ich frei als ängstlich.»

«In Freiheit zu leben ist viel wertvoller»

Vor einem Jahr ging Curdin Orlik an die Öffentlichkeit. Er hatte genug von seinem Doppelleben und outete sich: «Ich bin schwul.» Der Schwinger hatte Zweifel, aber tat es trotzdem.

Auf seinem Instagram-Account blickte er dieser Tage auf die letzten zwölf Monate zurück: 

«Heute vor einem Jahr wagte ich einen für mich sehr grossen Schritt. ⁣Den Schritt in meine eigene Freiheit. ⁣Diesen zu bestreiten war schwer, aber definitiv der Richtige. ⁣Ich blicke auf ein sehr bewegtes Jahr zurück.

Es ist schwierig in Worte zu fassen, wie dankbar ich für alles und alle bin, die mich begleitet haben. ⁣Auch mir selbst bin ich dankbar für die Freiheit, die ich mir dadurch geschaffen habe. ⁣⁣Diesen Schritt zu gehen, erfordert viel Mut. Jedoch in Freiheit zu leben ist viel wertvoller!»

Es ist gut, bist du so mutig, Curdin Orlik. Danke.


Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – sie dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.