Nach dem Training – hilft Eiweiss beim Muskelaufbau?

Gregor Tholl, dpa

21.3.2020 - 00:00

Vielen Menschen scheint es nicht mehr zu reichen, Eiweiss mit natürlich proteinreichen Lebensmitteln zu sich zu nehmen.
Source: Getty Images

Zum Frühstück gibt es Eiweissbrot und zwischendurch ein Proteinshake. Ist das wirklich gesund oder verspricht uns die Werbung zu viel?

Vom eiweissreichen Fitness-Riegel bis zum Protein-Pudding: Der Markt für solche Produkte wächst. Was früher nur Bodybuilder für den Muskelaufbau suchten, ist zum Trend in Supermärkten und Discountern geworden.

Es scheint vielen nicht mehr zu reichen, Eiweiss mit natürlich proteinreichen Lebensmitteln zu sich zu nehmen. Der Markt für angereicherte Nahrung wächst. Vor allem spezielle Milchprodukte profitieren. Sie werben gern mit gestählten Frauen und Männern.

Ihren Anfang hatte die Welle Branchenkennern zufolge wie so vieles in der Ernährung in Skandinavien. Vorreiter war demnach die schwedisch-dänische Molkereigenossenschaft Arla («Arla Protein»).

Tägliche Eiweissmenge für viele Männer wichtig

Das Magazin «Vice» lästerte schon vor einigen Jahren: «Hört einfach mal einer Unterhaltung unter Männern um die 20 zu, und ich wette, dass sie spätestens nach ein paar Minuten auf ihre tägliche Eiweissmenge zu sprechen kommen.» Stiftung Warentest und Ernährungswissenschaftler halten natürliche Produkte wie Magerquark für ausreichend.

High-Protein-Produkte liegen im Trend. Vor allem Sportler und Fitnesstreibende setzen auf eine eiweissbetonte Ernährung.
Bild: Sabrina Hentschel, dpa

Ehrmann als eine der grössten Molkereien Deutschlands lancierte vor etwa zwei Jahren seine Produktreihe «High Protein». Dazu gehören inzwischen fünf Puddingsorten, sechs Joghurtsorten und Joghurtdrinks.

Noch in diesem Frühjahr sollen mehr fruchtige Drinks, Kefir und weitere Neuprodukte auf den Markt kommen, wie in Oberschönegg im Allgäu die Produktmanagement-Leiterin Susanne Bagaméry sagt. «‹Ich kann was naschen und muss mich nicht geisseln, es ist aber auch noch funktional, hat weniger Fett und ist kalorienärmer› ist die Aussage vieler Kunden für diese Produkte», sagt Bagaméry. «Viele Frauen essen den Protein-Schokopudding auch als Mahlzeit.»



Als eine Art Lifestyle-Produkt verbinde es Genuss und Gesundheit. Und es sei ausserdem auch ohne Laktose, ohne Zucker und glutenfrei.

High-Protein-Pudding ist gefragt

Ehrmann brachte seinen mit Eiweiss angereicherten Pudding 2017 zunächst in Nordeuropa raus. In Finnland und Schweden habe es viel positives Echo gegeben. 2018 habe man dann bei erstmal nur einigen Supermärkten in Deutschland den Pudding in die Regale gestellt. Auch wenn der High-Protein-Pudding um einiges teurer als der klassische Pudding ist, läuft der Absatz. Mittlerweile verkaufe Ehrmann mit dem Protein-Pudding bereits etwa ein Drittel der Menge seiner Grand-Dessert-Puddings, die deutsche Marktführer laut Bagaméry sind.

Eiweissreiche Kost vermarktet auch die Marke Foodspring, die nach eigenen Angaben inzwischen in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Finnland, Schweden, Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich aktiv ist und 2013 gegründet wurde. «Die Kernzielgruppe von Foodspring umfasst 18- bis 34-jährige Sportler, Fitnessbegeisterte und all jene, die auf eine gesunde Ernährung achten wollen», heisst es vom Unternehmen in Berlin. Bestseller sei das Whey Protein (Molkenprotein).



Immer mehr Menschen entdeckten die Vorzüge einer eiweissbetonten Ernährung bei Muskelaufbau, Körperfettreduktion, sportlichem Erfolg und körperlicher Leistungsfähigkeit. «Die Erkenntnis darüber und der Faktor, dass Eiweiss lange sättigend ist, machen es so beliebt.»

High-Protein-Produkte im Test

Die Stiftung Warentest widmete sich vor Kurzem in ihrer Zeitschrift «test» (Ausgabe 2/2020) dem Thema «High-Protein-Produkte» und checkte 13 von ihnen – darunter Brot, Pudding und Skyr (eine Art fettarmer, eiweissreicher Frischkäse, der als isländisch und In-Produkt gepriesen wird). Angaben wie «hoher Proteingehalt» oder «eiweissreich» dürfen Lebensmittel laut EU-Recht demnach tragen, wenn mindestens 20 Prozent der Energie aus Proteinen stammen.

Die Vorgabe erfüllten alle 13 Produkte – zum Beispiel weil sie eigens mit Milcheiweiss versetzt waren. Einige Produkte waren laut Stiftung aber kalorienreicher als ihr Gegenstück ohne Extra-Eiweiss, in erster Linie das Eiweissbrot, was von besonders fetten Ölsaaten wie Sesam oder Leinsamen komme.

Das Fazit als «Ernährungstipp der Stiftung Warentest» lautete: «Magerquark ist preisgünstiger und liefert ähnlich viel Eiweiss wie proteinangereicherte Milchprodukte. Auch Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sind gute Eiweissquellen.»



Und das deutsche Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) wird noch deutlicher: «Für die meisten gesunden Menschen macht es wenig Sinn, mit Proteinen angereicherte Produkte zu essen, da sie ausreichend mit Eiweiss versorgt sind.

Ausserdem sind Lebensmittel mit zugesetztem Eiweiss nicht automatisch gesünder. Häufig enthalten sie viel Fett oder Zucker und/oder diverse Zusatzstoffe. Deshalb empfiehlt es sich, ganz genau auf der Zutatenliste zu schauen, was in dem Produkt steckt.»

Für Erwachsene im Alter von 19 bis 65 Jahren empfiehlt die Schweizerische Ernährung für Gesellschaft (SGE) 0;8 Gramm Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Ab dem 66. Lebensjahr sollte es ein ganzes Gramm sein. 

Superfood aus der Schweiz

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