Survival-Experte

Bear Grylls: «Ich habe gut aufgepasst, dass sich Roger Federer nicht verletzt»

Von Gil Bieler

17.4.2020

Ein bisschen Spass muss sein: Das gilt auch beim Survival-Trip von Bear Grylls (r.) mit Roger Federer.
Bild: Getty Images

Er ass schon Bärenkot und brachte Roger Federer an seine Grenzen: Survival-Experte Bear Grylls kennt die Wildnis wie kein Zweiter. Im Interview verrät er, worauf es bei Outdoor-Aktivitäten ankommt. 

Bear Grylls, in der Schweiz scheinen Outdoor-Aktivitäten in den letzten Jahren zu einem Massenphänomen geworden zu sein. In Grossbritannien auch?

Ja, und wir haben einige unglaubliche Abenteuerregionen. Der Snowdonia-Nationalpark ist das Herz des gebirgigen Grossbritanniens: Es raubt mir immer noch den Atem, wenn ich dort mit meinem Motorschirm über die felsigen Gipfel fliege oder mit meiner Familie wandern gehe. Ein echtes Juwel, nur einen Katzensprung vom Meer entfernt. Überhaupt ist ganz Wales magisch, man findet hier alles, was man nur will: Berge, Wälder, Klippen an der Küste, Wasserfälle und tiefe Schluchten. Wir verbringen hier die meiste Zeit des Jahres, und auch als Soldat beim 21 Special Air Service Regiment war ich oft hier. Der Berg Pen y Fan hat sich mir während dieser Zeit ins Herz gemeisselt – im Guten wie im Schlechten.

Wie und wo lebt Bear Grylls überhaupt?

Zur Person: Bear Grylls
Bild: Getty Images

Bear Grylls – eigentlich Edward Michael Grylls – ist einer der bekanntesten Survival-Experten der Welt. Der Brite ist bekannt durch TV-Sendungen wie «Ausgesetzt in der Wildnis» und «Bear Grylls: Stars am Limit» und hat schon über zwanzig Bücher verfasst. Vor seiner TV-Karriere diente Grylls drei Jahre als Soldat der Spezialeinheit SAS 21 der britischen Armee.

Das Beste von 2020

Zum Jahresende bringt «blue News» die Lieblingsstücke des ablaufenden Jahres noch einmal. Dieser Text erschien zum ersten Mal am 17. April 2020.

Meine Frau und ich teilen uns die Zeit zwischen unserem alten Segelkahn auf der Themse in London und unserem Zuhause auf einer Insel vor der Küste von Nordwales auf. Die Insel ist ein sehr spezieller Ort für uns – abgeschieden, fernab des Wahnsinns und eine Art Familien-Zufluchtsort während der Sommermonate. Wir haben drei Jungs zwischen zehn und sechzehn, und sie alle lieben die Berge und das Meer. Unsere Winter verbringen wir gern in der Schweiz, unser Jüngster geht dort in den Bergen auch zur Schule. Unsere Familie ist mit Skifahren und Paragliding grossgeworden, ich liebe das.

Für Ihre Sendung ‹Bear Grylls: Stars am Limit› haben Sie verschiedene Prominente in die Wildnis begleitet. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Jede der Folgen der neuesten Staffel war speziell für mich, aber Cara Delevingne hat mich wirklich überrascht. Sie ist eine Kämpfernatur und brachte diese Einstellung auch mit in die Wildnis. Ihre positive Einstellung und Entschlossenheit haben ihr weitergeholfen, und ihre persönliche Geschichte zu hören, war stark. Sie musste während des Aufwachsens riesige Hürden meistern und beweist uns, dass Durchhaltewillen von innen kommt und dass man mit Mut alle Schwierigkeiten annehmen und immer vorwärtsgehen kann.

Wie war der Dreh mit Roger Federer?

Ich bin ein grosser Tennisfan, daher war es speziell, als ich Roger Federer mitgenommen habe. Ich habe extrem gut aufgepasst, dass er sich nicht verletzt! Auffällig ist, wie positiv und beharrlich Roger alles anpackt, und er ist immer bereit, sich Schwierigkeiten zu stellen. Viele gehen keinerlei Risiken mehr ein, wenn sie einmal erfolgreich geworden sind, und vermeiden es, verletzlich zu werden, aber Roger hat solch eine Champion-Einstellung, dass er weiterhin kalkulierte Risiken eingeht und seinen ‹Gib niemals Auf›-Spirit weiter verfeinert. Ihm wurde sehr kalt auf unserem Trip, er verlor fast das Gefühl in seinen Händen. Ich wusste, das war meine Chance, um das Mini-Tischtennis-Set aus meinem Rucksack zu holen – er hat mich aber trotzdem geschlagen.

Bear Grylls im Pingpong-Duell mit Roger Federer.

Quelle: Youtube

Welche Tipps können Sie geben, um den Willen zu stärken?

Als Erstes muss man sich eine Survivor-Mentalität zulegen. Niemals aufgeben. Hartnäckigkeit, eine eiserne Entschlossenheit, weiterzumachen, auch entgegen aller Wahrscheinlichkeit. Diese Einstellung ist auf Abenteuertrips entscheidend für das Überleben – und letzten Endes kommt es darauf sogar mehr an als auf Wissen oder Fertigkeiten. Die Widerstandsfähigkeit ist ein Muskel, der stärker wird, je öfter man ihn braucht. Dieses Feuer ist in jedem von uns – und es kann alles verändern. Kombiniere das mit Einfallsreichtum und Mut in den entscheidenden Momenten – und du hast die Erfolgsformel für die Wildnis und das Leben.

Was ist Ihr bevorzugtes Gebiet für einen Abstecher in die Wildnis?

Der perfekte Spot ist immer unser kleines Inselrefugium in Nordwales – hier fühle ich mich wirklich am meisten zu Hause. Wir haben keinen Strom- oder Wasseranschluss und müssen uns komplett selbst versorgen, und es ist immer ein ziemliches Abenteuer, hin- und herzukommen, vor allem im Dunkeln oder bei schlechtem Wetter. Aber das Inselleben ist Teil unserer Familie, seit die Jungs klein waren. Wir alle sind hier zufriedener als sonst wo auf der Welt. Abenteuer, Einsamkeit und Familie: drei grossartige Dinge.

Bear Grylls hat für die Schweizer Outdoor-Uhrenmarke Luminox eine eigene Kollektion entwickelt.
Bild: zVg

Sie sind Botschafter für die Schweizer Outdoor-Uhrenmarke Luminox. Wie eng waren Sie in die Entwicklung der ‹Bear Grylls Survival›-Uhren eingebunden?

Ich trage Luminox-Uhren, seit ich denken kann. Es war die Uhr, der ich im Militär vertraute, und auch die Navy Seals nutzen sie seit über zwei Jahrzehnten. Daher fühlte sich der Schritt zu eigenen Bear-Grylls-Uhren logisch an. Ich brauche etwas Zuverlässiges, das mit mir Stürme und Schläge übersteht. Und ich liebe es, dass die Uhren so konstruiert sind, dass sie etwas einstecken können. Sie stecken voller Innovationen. Es war toll, mit dem Luminox-Team zusammenzuarbeiten – sie begeisterte es, verschiedene Innovationen auszuprobieren, und unser Team testete die Uhren dann in der Natur und zerstörte sie zum Teil auch. Ein ziemlicher Spass.

Sie haben schon alle möglichen Tiere gegessen. Was schmeckte am schlimmsten?

Da gibt es eine lange Liste, von gefrorenen Yak-Augenäpfeln in Sibirien über Bärenkot in Transsylvanien, Darmflüssigkeiten von Kamelen in der Sahara, Rattenhirn im südamerikanischen Urwald und meinem eigenen Urin aus einer Schlangenhaut in Mexiko – alles waren Tiefpunkte. Aber es hat ja auch nie jemand behauptet, Überleben schmecke gut oder wäre einfach.

Bear Grylls hat die Fragen schriftlich beantwortet.

Galerie: Wie nachhaltig kann Outdoor-Mode sein?

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