Jetzt aber raus Wald, Park, Fluss: Warum uns die Natur so gut tut

dpa/kd

7.9.2018

Studien zufolge kann bereits eine kleine Dosis Natur das Level des Stresshormons Cortisol wirkungsvoll senken.
Studien zufolge kann bereits eine kleine Dosis Natur das Level des Stresshormons Cortisol wirkungsvoll senken.
Bild: iStock

Ob Wandern, Schwimmen oder den Vögeln lauschen – wer sich oft an der frischen Luft bewegt, ist entspannter und lebt gesünder. Doch woran liegt es, dass wir in der Natur so viel besser entspannen, als auf dem Sofa?

Die Blätter rascheln unter den Füssen, der Wind streicht leise durch die Baumwipfel, in der Ferne klopft der Specht seinen rhythmischen Takt. Und mittendrin passiert was Erstaunliches: der Stress verfliegt und die Aufregung legt sich – nicht nur gefühlt.

Studien zufolge kann bereits eine kleine Dosis Natur das Level des Stresshormons Cortisol wirkungsvoll senken. Der Faktor Grün scheint dabei eine Rolle zu spielen, ist aber nicht unbedingt notwendig. Es darf auch eine Auszeit am Meer sein oder in den Bergen.

Schon um den Block zu laufen ist besser als nicht um den Block zu laufen, darin sind sich Ärzte und Naturheilkundler einig. Wie lange sich jemand draussen aufhält, sei dabei nicht wichtig. Vielmehr geht es darum, die kleine Frischluftdosis möglichst gut in den Alltag zu integrieren.

Mit allen Sinnen abtauchen

Die Natur hält ein ganzes Spektrum positiver Effekte für den Menschen bereit. Da wäre zum einen die Stille. Längst ist der andauernde Geräuschepegel, der gerade in Städten vorherrscht, als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Schlafstörungen und Depressionen erforscht und bekannt.

Zurück zur Natur: Anfassen, Hören, Sehen, Riechen und Schmecken, auf der Suche nach Ruhe und Erholung besinnen wir uns gerne auf unsere Urinstinkte. 
Zurück zur Natur: Anfassen, Hören, Sehen, Riechen und Schmecken, auf der Suche nach Ruhe und Erholung besinnen wir uns gerne auf unsere Urinstinkte. 
Bild: iStock

Dazu kommen die Düfte des Waldes – die sogenannten Terpene –, pflanzliche Harze und ätherische Öle, die die Stimmung heben und das Immunsystem stärken sollen. Schon ein frisch gemähter Rasen verströmt diesen typischen Geruch, aber auch Blüten oder feuchter Waldboden stimulieren unser Gemüt. Am Meer überwiegen Stoffe wie Sole, Fluor und Jod, die besonders auf die Haut und Atemwege eine beruhigende Wirkung haben.

Immer häufiger taucht auch der Begriff Waldbaden oder Shinrin Yoku auf, eine japanische Tradition, die inzwischen auch in der Schweiz immer mehr Anhänger findet. Dabei schlendern die Teilnehmer durch einen Wald, um ganz bewusst zu pausieren und nichts zu tun. Sie lernen, die Natur mit all ihren Sinnen wahrzunehmen.

Wälder nachhaltig bewirtschaften

Immer mehr Waldbesitzer erkennen den Trend und lassen sich vom Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung PEFC als «Erholungswald» zertifizieren. «Die Wälder müssen nicht nur nachhaltig bewirtschaftet werden, uns ist auch ein nachgewiesenes Konfliktmanagement wichtig», betont der deutsche PEFC-Geschäftsführer Dirk Teegelbekkers. Wer Waldbaden will, soll nicht dem Jogger oder Mountainbiker in die Quere kommen.

Apropos Joggen: Sich in der Natur zu bewegen, verstärkt die positive Wirkung des Trainings. Dabei geht es jedoch um eine massvolle, achtsame Bewegung wie beim Waldbaden, nicht um den nächsten Marathonlauf. 

Vielleicht ist es aber auch ganz einfach die Sehnsucht nach unseren Wurzeln, die uns an der frischen Luft den Alltag vergessen lässt. Wer die Wahl tauscht Lift und Kunstlicht nur zu gerne gegen offene Landschaften mit Bäumen und Wasser. 

Und wenn dieses Idealbild nicht vor der eigenen Haustür wartet? Dann könnte man statt in die Kantine doch einfach mal in den Park gehen, raten die Experten. Jeder nach seinen Vorlieben und vor allem nach seinen Möglichkeiten – Hauptsache raus.

Auf der Internetseite von PEFC Schweiz finden sich Einsteigertipps für das Achtsamkeitstraining im Wald, zusammengefasst von der Entspannungspädagogin und Buchautorin Annette Bernjus.

Zurück zur Startseite