Zu viel gelästert und gestohlen Fitnessstudio lässt «nur gesittete Frauen» trainieren

vab

17.6.2024

Ein Fitnesscenter in Südkorea verbietet Frauen mittleren Alters den Zugang. Das löste heftige Debatten aus. (Symbolbild)
Ein Fitnesscenter in Südkorea verbietet Frauen mittleren Alters den Zugang. Das löste heftige Debatten aus. (Symbolbild)
Bild: Keystone/Gaetan Bally

In Südkorea sorgt ein Fitnessstudio mit einem Schild gerade für viel Aufregung. Darauf steht: «Nur elegante und gesittete Frauen erlaubt.» Die Aufschrift löste Debatten um Diskriminierung aus. 

vab

17.6.2024

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein Fitnesscenter in Südkorea entscheidet sich dazu, Frauen mittleren Alters auszuschliessen. 
  • Auf einem Schild verkünden die Betreiber, dass hier «nur elegante und gesittete Frauen erlaubt» sind.
  • Die sogenannten «Ajumma», wie diese Bevölkerungsgruppe in Südkorea auch oft genannt wird, hätten demnach auch Gegenstände aus dem Gym gestohlen. 
  • In den sozialen Medien wird heftig diskutiert und über Diskriminierung gesprochen.

Nein, Frauen mittleren Alters dürfen hier nicht trainieren: Ein Fitnesscenter in Incheon unweit der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gestattet «nur eleganten und gesitteten Frauen» den Zutritt.

Die Rede ist von Frauen ab 40 bis zirka 55, die in Südkorea als «Ajumma» bezeichnet werden. Der Sammelbegriff wird häufig fälschlicherweise als «Tante» übersetzt, wie Autor und Ostasien-Kenner Fabian Kretschmer zu SRF sagt.

Laut Erklärungen der Betreiber des Fitnessstudios soll sich ebendiese Gesellschaftsgruppe unanständig verhalten. Wie BBC berichtet, würden sie die Körper von anderen Trainierenden kommentieren und beurteilen, was für Ärger und Unbehagen sorgt. 

Ausserdem hätten «einige ältere Kundinnen ein oder zwei Stunden in der Umkleidekabine verbracht, um ihre Wäsche zu waschen». Und sie sollen sich am Inventar bedient haben, demnach Gegenstände wie Handtücher, Seife oder Haartrockner eingepackt haben.

Dies erklärte das Gym – dessen Name oder Besitzer nicht bekannt gemacht wurde – laut BBC in einem Fernsehinterview mit der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap.

Social Media diskutiert heiss über das Schild

In Südkorea wird gerade heftig über diese Massnahme des Fitnessstudios diskutiert.

Ein Kommentar auf der Social-Media-Plattform Instiz bringt auf den Punkt, was sich viele zu fragen scheinen: «Wieso wird der Begriff ‹schlechter Kunde› mit dem Begriff ‹Ajumma› gleichgesetzt?»

«Wenn ihr in der Dienstleistungsbranche gearbeitet hättet, wüsstet ihr, dass nicht nur ältere Frauen in diese Kategorie fallen», heisst es weiter. 

«Ajumma» sollen von kostenlosen Dinge besessen sein

Das Fitnessstudio versucht derweil, die Gemüter mit einem Zusatzhinweis zu beruhigen.

Wenn man von «Ajumma» spreche, sei nicht etwa die Rede von Frauen generell, sondern würde diese Gruppe dazu neigen, «kostenlose Sachen zu mögen, unabhängig vom Alter».

Auch würden sie «mit ihrem eigenen Geld geizen, aber nicht mit dem Geld anderer Leute».

Wie BBC schreibt, sagte der Fitnessbetreiber zu «Yonhap»: «Es ist nicht so, dass ich versucht habe, einen Hasskommentar gegen ältere Frauen oder Frauen im Allgemeinen abzugeben. Ich denke, dass die Leute, die sich darüber aufregen, in Wirklichkeit das Problem sind.»

«Ältere Männer sind auch besessen von kostenlosen Dingen»

Laut Fabian Kretschmer sei Diskriminierung in Südkorea ein weit verbreitetes Thema, wie SRF vermerkt. BBC hebt die Problematik bei Frauen hervor:

Sie würden seit Langem darum kämpfen, dass nicht-traditionelle Entscheidungen ihrerseits in einer Gesellschaft mehr Akzeptanz finden. So etwa kurze Haaren oder Singledasein.

Männer würde man für ähnliches Verhalten nur selten verurteilen, so seien viele Frauen überzeugt.

Infolge des Gym-Vorfalls äusserte sich Psychologieprofessorin Park Sang-hee in einem Interview mit dem südkoreanischen TV-Sender JTBC und befand: «Ältere Männer sind auch besessen von kostenlosen Dingen. Unhöfliche Verhaltensweisen sind nicht nur bei älteren Frauen zu beobachten.»


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