Hohe Behandlungskosten Kosten bis 1,6 Mio. Franken – der teure Überlebenskampf der Brandopfer

Von Samuel Walder

8.1.2026

Nach dem Inferno liegen 116 Verletzte Personen in verschiedenen Kliniken. (Archivbild)
Nach dem Inferno liegen 116 Verletzte Personen in verschiedenen Kliniken. (Archivbild)
Bild: Keystone

Über 100 verletzte Menschen forderte die Brandkatastrophe in Crans-Montana. Für viele beginnt ein langer Weg, medizinisch und finanziell. Die Kosten können bis auf 1,6 Millionen Franken steigen – und längst nicht alles ist gedeckt.

Von Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Behandlungskosten für die teils schwer verletzten Opfer des Brandes in Crans-Montana können bis zu 1,6 Millionen Franken betragen.
  • Häufig ziehen sie lebenslange medizinische Folgekosten nach sich.
  • Grundsätzlich übernehmen Unfall- oder Krankenversicherungen die Kosten.
  • Je nach Alter, Beschäftigungsgrad und Versicherungsstatus der Betroffenen muss jeder Fall individuell beurteilt werden.
  • Falls im Strafverfahren eine Schuld festgestellt wird, könnten Versicherungen Regressforderungen stellen.

Nach dem Inferno in Crans-Montana liegen zahlreiche Opfer weiterhin mit schweren Brandverletzungen in den Spitälern. Der Weg zurück kann lange sein, die medizinische Behandlung intensiv und langwierig. Behandlungen, die auch die Versicherungen beschäftigen.

Grundsätzlich ist die Situation klar: «Solche Brandverletzungen, die durch Unfälle verursacht wurden, sind generell von der Unfallversicherung nach UVG (Unfallversicherungsgesetzt) gedeckt.» Die Versicherer übernehmen dabei die unmittelbaren Heilungskosten sowie langfristige Folgebehandlungen wie beispielsweise die Wiederherstellungschirurgie. Das teilt eine Krankenversicherung auf Anfrage von blue News mit. Der Krankenversicherer will aus Pietäts- und Befangenheitsgründen anonym bleiben, weil er selbst Brandopfer aus Crans-Montana zu seinen Kunden zählt.

Doch in Crans-Montana sind auch Minderjährige unter den Verletzten. Man kann davon ausgehen, dass diese noch keinen Arbeitgeber haben und somit an die Krankenkasse gebunden sind. Die Gesetzeslage ist klar: «Berufstätige Personen (mit Beschäftigungsgrad von mindestens acht Stunden pro Woche) sind durch den Arbeitgeber gegen Nichtberufsunfälle versichert. Bei nicht berufstätigen Personen ist die Krankenversicherung gemäss KVG zuständig.»

Jeder Fall muss individuell betrachtet werden

Doch so einfach ist es nicht. Jeder Mensch ist individuell. Auf Anfrage erklärt die Suva: «Grundsätzlich muss jeder Verbrennungsfall individuell betrachtet werden, da Alter, Schweregrad der Verbrennungen sowie die betroffenen Körperteile eine wesentliche Rolle spielen.» Dies mache entsprechend unterschiedliche Behandlungen und Therapien erforderlich, die unter Umständen lebenslang notwendig sein können.

Auch bei den Kosten gibt es grosse Unterschiede. «In der Regel sind die Behandlungskosten im ersten Jahr sehr hoch. Je nach Schweregrad der Verbrennungen können die Kosten der Erstbehandlung für die Akutversorgung zwischen 500’000 und einer Million Franken liegen», heisst es von Seiten Suva. Darauf folge eine stationäre Rehabilitation sowie weitere medizinische und therapeutische Behandlungen (2. Phase – Dauer 4 bis 6 Monate oder mehr).

Bei schweren Verbrennungen ist oft eine dritte Phase notwendig: «Häufig sind Behandlungen über sehr lange Zeiträume hinweg erforderlich, teilweise lebenslang (3. Phase).» Auch hier würden die Kosten je nach Fall und Art der Verbrennungen stark variieren, nicht selten zwischen 20'000 und 80'000 Franken.

650'000 bis 1,6 Millionan Franken Kosten

Analysen der Suva zeigen: Frühere vergleichbare Verletzungen haben Behandlungskosten zwischen 650'000 und 1,6 Millionen Franken verursacht. Doch die Kosten sind nicht abschliessend: «Da weiterhin medizinische Behandlungen notwendig sind, ist dieser Betrag noch nicht endgültig.»

Die Zahlen sind ein Richtwert. Jeder Fall ist individuell, ein Durschnittswert kann deshalb nicht berechnet werden.

Langjährige Kosten könnten anstehen

Die Kranken- und Genesungskosten sind das eine. Je nach Fall können jedoch weitere Kosten anfallen. «Die Arbeitsunfähigkeit infolge eines schweren Unfalls mit Verbrennungen dauert viele Jahre und wird in den meisten Fällen durch eine Invalidenrente abgelöst», so die Suva weiter. Zudem komme in den meisten Fällen im Laufe der Zeit eine Integritätsentschädigung (einmalige Kapitalzahlung der obligatorischen Unfallversicherung) hinzu.

Die effektiven Kosten für Taggelder und Renten hängen von der Einkommenssituation ab. Die Rente werde grundsätzlich lebenslang ausgerichtet. «Die Rentenkapitalwerte unterscheiden sich daher je nach Unfalljahr erheblich», sagt die Suva.

Wer im Fall von Crans-Montana wie viel zahlt, ist noch gänzlich unklar. Die Unfallversicherung und die Krankenversicherung dürften zwar die Kosten übernehmen. Sollte es zu einem Prozess und einer Verurteilung kommen, könnten die Versicherungen jedoch einen Regress einlegen. In diesem Fall müssten die Verursacher des Unglücks für die Kosten der Behandlungen aufkommen.


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