Goalietrainerin Nadine Angerer hat mit Deutschland 7 WM- und EM-Titel geholt. Als blue Sport sie vor einigen Wochen zum Gespräch traf, war sie überzeugt, dass der Frauen-Nati an der EM der grosse Coup gelingen kann.
Keine Zeit? blue Sport fasst für dich zusammen
- Sie trägt Mütze und ist eine coole Socke! blue Sport trifft Nadine Angerer zum Bar-Gespräch. Sie ist Weltfussballerin, Rampensau, seit über einem Jahr Goalietrainerin der Nati und hat was zu erzählen.
- Die fünffache Europameisterin, zweifache Weltmeisterin und Weltfussballerin ist auch nach dem Rücktritt im Rampenlicht. Es gibt kaum ein TV-Format, für welches sie nicht zu haben ist.
- Derzeit gilt ihr voller Fokus aber der Nati und der EM. Angerer träumt gross. «Wir haben so viel Potenzial. Ich hoffe, dass die EM einen Hype entfacht», sagt sie im Bar-Gespräche von blue Sport im Februar.
Nadine Angerer war schon vieles: Statistin in der deutschen Krimi-Serie «Rosenheim Cops» oder Protagonistin bei der Reality-Show «Goodbye Deutschland» – und nicht zuletzt eine der besten Torhüterinnen der Welt. Zweifache Welt- und fünffache Europameisterin sowie Welttorhüterin sind nur die prominentesten Titel, die sie sich verdient hat. Seit März 2024 trimmt sie an der Seite von Nationaltrainerin Pia Sundhage die Torhüterinnen der Schweizer Frauennationalmannschaft.
Sie scoutete ihre Torhüterinnen, bevor sie zusagte
Schon als sie angefragt wurde, reizte sie der Job – alleine weil die Heim-EM bevorstand und die Schweiz «ein wunderschönes Land» sei. Gleichwohl sagte sie erst zu, nachdem sie die Torhüterinnen der Nati genau unter die Lupe genommen hatte – ohne deren Wissen. Und sie war verblüfft von der Qualität, die ihr Elvira Herzog, Livia Peng oder Nadine Böhi demonstrierten. «Ich dachte: Boah, das ist sehr viel Potenzial», sagt Angerer im Februar zu blue Sport.
Zuvor hatte sie zehn Jahre in den USA bei Portland im Klubfussball verbracht – erst als Spielerin, dann acht Jahre als Torhütertrainerin.
Gerade zu Beginn sei es auch nicht einfach gewesen, den Sprung in den Nati-Fussball zu schaffen. «Ich mag es, etwas aufzubauen. Und das ist im Klubfussball halt einfacher», sagt Angerer. Doch längst ist ihr die Nati ans Herz gewachsen. «Wir sind eine mega Gruppe, und es macht wahnsinnig viel Spass.» Auch wenn man sich halt nur alle paar Wochen sieht.
«Spass und Unterhaltung? Ich kann nicht anders»
So sehr sie die Arbeit geniesst und Team und Land schätzt – eines stört die ehrgeizige Deutsche mit dem eindrücklichen Palmarès. «Die Schweiz macht sich immer kleiner, als sie ist. Das ist mir schnell aufgefallen.»
UEFA Women's EURO
Vom 2. bis 27. Juli findet die Fussballeuropameisterschaft der Frauen in der Schweiz statt. blue Sport begleitet die EM hautnah und bringt dir das Stadion-Feeling direkt nach Hause: Alle Resultate, Live-Spiele, Experten-Analysen, Highlights und Stories rund um Nati!
Die Einstellung zu ändern, die Ambitionen und das Selbstvertrauen zu stärken – auch darin sieht Angerer ihre Aufgaben. Auch wenn sie zwischendurch von Patricia Gsell, ihrer Schweizer Torhütertrainer-Kollegin, gebremst wird. «Wir haben so viel Potenzial, einen super Staff, ich bin sicher, dass wir Europameisterinnen werden können. Auf jeden Fall! Aber die Überzeugung fehlt einfach noch ein bisschen im Team», sagt Angerer. Und: «Ich hoffe, dass die EM einen Hype entfacht und Spuren hinterlässt – für die Mädels heute, aber auch die Generationen danach.»
Doch Angerer will nicht in erster Linie mit Druck und Plackerei helfen, die Spielerinnen für den grossen Coup vorzubereiten – sondern vor allem mit Spass. Schliesslich galt Angerer schon zu ihrer Zeit als Spielerin als, salopp gesagt, «Partysau». Heute sagt sie: «Ich kann gar nicht anders. Ich bin sicher keine diktatorische Trainerin.»