Perth-Legionär Gregory Wüthrich: «Die Krise macht uns gleich»

Florian Künzi

1.4.2020 - 19:26

Teleclub skypt: Der Talk mit Gregory Wüthrich, der in Australien Fussball spielt

Teleclub skypt: Der Talk mit Gregory Wüthrich, der in Australien Fussball spielt

01.04.2020

Seit letztem September lebt Gregory Wüthrich (25) in Australien. Der zweimalige Schweizer Meister mit den Berner Youngs wechselte damals in die A-League zu Perth Glory. Um Fussball dreht sich dieses Gespräch aber nur am Rande. Denn der Sport ruht mittlerweile auch in Australien. Covid-19 sei Dank.


Gregory Wüthrich, der Alltag in Australien ist noch nicht ganz so eingeschränkt wie in der Schweiz und in weiten Teilen der Welt. So haben mehrere Läden und beispielsweise Coiffeur-Salons noch geöffnet. Lebt es sich noch etwas freier in Australien?

Nicht wirklich. Du siehst halt auch von hier aus, was auf der ganzen Welt los ist. Ich versuche mich deshalb, bereits jetzt an die Regeln zu halten, die etwa in der Schweiz gelten. Aber nicht nur ich. Mein Eindruck ist, dass die ganze Bevölkerung sich schon sehr gut daran hält. Der Lockdown wird wohl ohnehin auch hier bald kommen.

Australien wurde zu Beginn dieses Jahres bereits hart gebeutelt. Eben erst konnten die letzten Buschbrände gelöscht werden. Haben die Menschen noch Kraft?

Ich denke schon. Die Leute hier sind immer noch sehr freundlich und positiv gestimmt, auch wenn sie im Moment etwas vorsichtiger sind. Ich erlebe die Australierinnen und Australier als sehr offene Menschen, die schon mit den Buschbränden sehr gut umgingen. Auch jetzt versuchen sie, das Beste aus der Situation zu machen.

Reden wir trotzdem noch kurz über Fussball: In der Schweiz pausiert die Super League bereits seit Ende Februar. Die australische A-League wurde erst am 24. März unterbrochen. War es richtig, noch so lange zu spielen?

Wir hatten zuletzt noch ein Geisterspiel. Für mich hat es sich schon da komisch angefühlt. Die Liga wollte unbedingt die letzten sechs Spiele noch durchbringen. Es gab sogar Pläne, diese alle innert kurzer Zeit in Sydney auszutragen. Das wurde zum Glück aber abgelehnt. Schliesslich ist Sydney noch etwas stärker vom Coronavirus betroffen als zum Beispiel Perth. Es war die richtige Entscheidung, die Liga vorerst zu unterbrechen.

Wüthrich über Situation bei Perth Glory

Wüthrich über Situation bei Perth Glory

01.04.2020

Ihr Club, Perth Glory, zahlt seither keine Löhne mehr!

Freuen kann ich mich darüber natürlich nicht. Der Club hat aber schlicht zu wenig Geld, um seine Angestellten weiter zu bezahlen, das muss ich akzeptieren. Es wird wohl auch andere Teams in Australien treffen. Mal sehen, ob vielleicht die Liga oder der Staat einspringen können. Da sollten wir bald mehr erfahren. Meine Gedanken drehen sich jetzt aber zu allerletzt ums Geld. Wichtig ist, dass die Menschen gesund bleiben.

Wie gestaltet sich Ihr Alltag in diesen schwierigen Zeiten? Stay at home?

Ja, definitiv. Während ein bis zwei Stunden pro Tag versuche ich aber, draussen etwas Sport zu treiben. Ausserdem bin ich oft bei meinem Teamkollegen James Meredith, mit dem ich Karten oder Playstation spiele. Wir machen also Dinge, die momentan viele tun. Ich denke, der Alltag sieht bei den meisten Menschen im Moment sehr ähnlich aus. Die Krise macht uns gleich.

War eine Rückkehr in die Schweiz für Sie kein Thema?

Doch. Im Moment warte ich aber ab. Es gibt Pläne der Liga, vielleicht Ende Mai oder Anfang Juni wieder zu spielen. Der Entscheid dazu fällt am 22. April, so lange bin ich sicher noch hier. Danach muss ich weiterschauen. Es ist fast nicht möglich, langfristig zu planen. Gibt es dann überhaupt Flüge in die Schweiz? Keine Ahnung. Natürlich würde ich sehr gerne meine Familie wieder einmal sehen. Ansonsten geht es mir aber gut in Australien. Ich bin hier direkt am Meer und es ist richtig schön warm – ich kann wirklich nicht klagen.

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