Sonderbehandlung? Benneteau motzt über Federers Privilegien

S10B

13.11.2018

Julien Benneteau (l.) kritisiert Roger Federer.
Bild: Getty

Der Franzose Julien Benneteau findet, Roger Federer geniesse eine Vorzugsbehandlung und wirft dem Schweizer im Zusammenhang mit dem Laver Cup sogar einen Interessenkonflikt vor. Seine Konkurrenten Djokovic und Isner stärken Federer den Rücken.

Der 36-jährige Tennisprofi Julien Benneteau hat dem französischen Radiosender «RMC» ein Interview gegeben, welches in der Szene hohe Wellen schlägt. Zwar lobt er Federer als eine «Legende» und «Ikone» des Sports, aber bei ihm gebe es nach der Gründung des Laver Cups durch seine Agentur «Team 8» zahlreiche Interessenkonflikte: «Er hat das Recht, eine Veranstaltung zu organisieren. Aber es findet mitten in der Saison statt. Es könnte daher den Untergang einiger ATP-Turniere beschleunigen. Und niemand sagt etwas. Man sagt nichts gegen Roger Federer.»



Der Franzose, der auf der Tour vor allem als Doppel-Spezialist glänzte, erklärt: «Als die Davis-Cup-Änderungen beschlossen wurden, hat Federer nicht den späten November-Termin thematisert, der vielen Profis ein Dorn im Auge ist. Als sich die Spieler dann wehrten, stellten die Organisatoren fest, dass sie die Spieler mit diesen Daten nicht bekommen würden. Doch als sie den Termin nach den US Open im September ansetzen wollten, reagierte Federer plötzlich und widersetzte sich Piqué (Anm. d. Red.: der Fussballer von Barcelona steht an der Spitze der Kosmos-Gruppe, welche das neue Davis-Cup-Format finanziert)

Benneteau weiter: «Das finde ich unglaublich schwach von den internationalen Tennisorganisationen. Bei allem Respekt, was Federer für das Tennis leistet. Aber sein Ding ist ein reiner Showkampf. Der Laver Cup hat keine sportliche Legitimität. Es gibt keine sportlichen Auswahlkriterien. Es gibt dort keine ATP-Punkte. Es ist nur eine finanzielle Sache. Nick Kyrgios kassiert 750'000 Dollar Antrittsgage für Spiele, die nicht mal zählen. Also sagen sich die Jungs: ‹Okay, das sind also die Preise für den Laver Cup›.»

Benneteau und Federer trafen insgesamt acht Mal aufeinander. Zweimal gewann der Franzose.
Bild. Getty

«Er hat keine Ahnung, wie das ist»

Benneteau wies auch auf einen weiteren Interessenkonflikt hin:
«Er (Craig Tiley) ist der Direktor der Australian Open. Und der Mann wird gleichzeitig von Roger Federers Agent für den Laver Cup bezahlt, wo er sich um das Marketing und die TV-Rechte kümmert. An den letzten beiden Australian Open spielte Federer 14 Partien, weil er Champion und Finalist war. Wie es der Zufall will, spielte er von den 14 Partien 12 oder 13 davon in den Night Sessions. Dazu waren alle seine Matches auf Rod Laver.»

Benneteau nennt ein Beispiel dazu: «Am gleichen Tag spielten Federer gegen Jan-Lennard Struff sowie Novak Djokovic gegen Gael Monfils. Jeder Turnierdirektor würde doch logischerweise die Partie Djokovic – Monfils auf die Night Session legen, oder? Aber nein. Sie spielten um 14:30 Uhr, bei 40 Grad. Und Federer spielte gegen Struff in der Nacht.»

Auch in Wimbledon und bei den US Open habe Federer eine Vorzugsbehandlung genossen. Die aktuelle Weltnummer 137 erläutert: «Mit allem, was er geleistet hat, ist es normal, dass er eine Spezialbehandlung erhält. Aber bei einigen Turnieren spielen die unterschiedlichen (Platz-)Bedingungen eine grosse Rolle. Er hat keine Ahnung, wie das ist.»

Djokovic und Isner stellen sich hinter Federer

Obwohl Novak Djokovic die Kritik von Benneteau nachvollziehen kann, glaubt der Serbe, dass Federer aufgrund seines Status als die Hauptattraktion im Männertennis eine besondere Behandlung verdient. «Letztlich verdient er die Sonderbehandlung. Er ist sechsfacher Australian-Open-Sieger und der wohl beste Spieler aller Zeiten. Wenn er sie nicht bekommt, wer dann? Die Leute wollen ihn auf dem Center Court spielen sehen. Und sie wollen ihn zur Showtime am Abend in der Rod Laver Arena sehen (...). Julien und Typen wie er profitieren auch vom Tennis, wegen Roger und wegen dem, was er für den Sport getan hat.»

Auch John Isner unterstützt die Argumente von Djokovic und sagt am Rande der World Tour Finals schlicht: «Federer ist das Männer-Tennis». Der Amerikaner fügt hinzu: «Die besten Spieler verkaufen die meisten Tickets. Deshalb sollten sie meiner Meinung nach am meisten verdienen.»

John Isner (l.) und Novak Djokovic gestehen Roger Federer Sonderrechte zu.
Bild: Getty

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