Schigymnasium! Wer will das so?

Mark Salvisberg

8.1.2017 - 00:00

Das Schi-Schi mit dem Skifahren: Hier gerät man schnell auf Abwege. 
Bild: iStock

Sind Sie gut ins neue Jahr geglitten? Vielleicht auf Schiern? Wohl eher nicht, wir Schweizer mögen das Original: Ski. Doch so einfach ist das alles nicht.

Sieht dieses Wort nicht schlimm aus? – Schigymnasium! Ein richtiges «Helve-Tier» würde dies kaum so schreiben. Obwohl es notabene korrekt ist. Eid- beziehungsweise Eisgenossen gehen bei Namen gern zurück zur Quelle, in diesem Fall nach Norwegen. In der Schweiz geht ja auch Portemonnaie vor Geldbeutel, und wir sprechen Amazon englisch aus, überdies betonen wir Bonvivant comme il faut. Das Internationale liegt uns.

Doch gehen wir nun Ski fahren oder skifahren? Eis laufen oder eislaufen? Und überhaupt: Haben oder sind wir Ski gefahren?

Getrennt oder zusammen?

Das Pulver, das die Bergbahnen via Kanone auf die Pisten abfeuern, kommt via Ski-Abos wieder herein: Es wird Ski gefahren, was das Zeug hält. Warum denn nicht skigefahren?

Dieses Wort gibt es, wenn man denn so will, höchstens als Nomen: die Skigefahren. Jene sind zahlreich: schlechte Ausrüstung, riskantes Verhalten, mangelnde Fitness, Alkohol. Das Nomen wird natürlich auch zusammengeschrieben: das Skifahren.



Die Tätigkeit Ski fahren schreiben wir getrennt und eislaufen zusammen. Hier stützt man sich am besten auf den Fragetest: Wen fahre ich? Antwort: das Rad, das Auto oder jenen Ski. Aber fahre ich das Eis? – Fehlanzeige.

Das Wörtchen eis ist hier nur Vorsilbe des Verbs eislaufen. Genauso wie bei den Verben standhalten oder kopfstehen ist die Bedeutung als Nomen verblasst, Letzteres wurde zum Präfix degradiert.

Sein oder eben nicht sein

Im Zusammenhang mit laufen oder fahren stellt sich generell die Frage: sein oder haben? Ich bin natürlich Ski gelaufen, das weiss doch jeder Schneemannbauer. Bei genauerem Hinsehen wird’s aber knifflig.

In diesem Rennen hat sie nagelneue Ski gefahren. Er hat ausschliesslich frisch gewachste Ski gefahren. Oder: Er hat seine Ski zu Schrott gefahren. Doch das sind Ausnahmen, in aller Regel heisst es: Ich bin Ski gefahren.

Wenn es darum geht, sich auf, in oder mit einem fahrbaren Untersatz fortzubewegen (Auto, Velo, Ski, öV), gilt das Verb sein, also ich bin mit dem Zug oder mit dem Skateboard gefahren.



Der Duden unterscheidet zwischen über zwanzig (!) Gebrauchsweisen für das Verb fahren. Hören Sie auf Ihr Sprachgefühl: Bin ich ein Kind spazieren gefahren? Eher nicht, ich habe ... Sie ist einen neuen Tesla gefahren?

Nein, sie hat ... Desgleichen, wenn es darum geht, etwas an einen bestimmten Ort zu bringen: Sie hat den Töff in die Tiefgarage gefahren.

Wie beim Skifahren bin auch ich nun etwas von der markierten Piste abgekommen. Im übertragenen Sinne schadet das ja nicht.

Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute
täglich journalistische Texte bei einer grösseren Tageszeitung.

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