Kolumne am Mittag

Warum es Jean-Claude Van Damme einfach gehabt hat

Von Philipp Dahm

12.3.2020

Wer in den 1990ern sozialisiert worden und männlich ist, hatte gewisse Helden. Michael Dudikoff vielleicht, Dolph Ludgren womöglich. Und mit Sicherheit Jean-Claude Van Damme. Nur: Warum eigentlich?

Manchmal ist «Awesomeness» (Grossartigkeit) auch eine Frage des Alters, wie Late-Night-Host Seth Meyers gerade bei Jimmy Fallon deutlich gemacht hat – Meyers war in dessen «Tonight Show» zu Gast.

Meyers erklärt seinem Kollegen dabei ein Format seiner eigenen Sendung, in diesem zeigt er einer 24-jährigen «Late Night»-Autorin Bilder von Ikonen aus früheren Tagen – und sie muss dann meistens raten, wofür diese Menschen wohl berühmt (gewesen) sind.

«Es führt dazu, dass du dich sehr für dein Leben schämst, wenn du eine Karte von Jean-Claude Van Damme zeigst», beginnt Meyers, und Fallon stöhnt schon entgeistert «Oh, nein!». Meyers fährt fort: «Und wenn du dann versuchst, zu erklären, warum er so awesome war, geht dir auf: Vielleicht war er es gar nicht.»

Ab 3.30 Minute sprechen die beiden Late-Night-Hosts über Van Damme.

Fallon muss lachen. «Weisst du, was ich meine?», meint Meyers und imitiert die Frage, die folgt: «Worin war er gut?» Und antwortet selber: «Treten! Treten. Nur so konnte er diesen Typen stoppen. In den 90ern ging’s nur ums Treten. Es waren einfachere Zeiten!»

Dem ist NICHTS hinzuzufügen. Nehmen Sie nur den finalen Kampf im Trash-Klassiker «Bloodsport» – das Nonplusultra. Der personifizierte Bösewicht, Chong Li, trägt am Bein sogar das Stirnband, das er zuvor dem Freund des Helden abgenommen hat, nachdem er ihn im Ring getötet hat.

Er rotzt aus der Nase. Er kämpft mit unfairen Mitteln und blendet den Helden, doch das hält Frank Dux nicht auf, der notabene eigentlich bei der US-Truppe sein müsste. Aber die Jungs, die ihn zurückholen sollten, sitzen nun auch im Publikum – und feuern ihren Kämpfer an.

Made in 1988: Finale Kampfszene aus «Bloodsport». 

Zusammen mit der schönen, blonden Journalistin, die sich kürzlich in ihn verliebt hat. Doch nun muss sie um Frank alias Jean bangen, weil der die Augen verschliesst – doch dabei denkt er an sein Training. An das, was er gelernt hat.

Und dann kämpft Dux Van Damme – blind!!! Blockt Schläge. Weicht aus. Tritt zurück. Alles jubelt. Die Journalistin weint vor Erleichterung. Das ist – nicht zuletzt wegen der Musik – pure «Awesomeness». Wenn man es mit den Augen von damals sieht.

Aber das ist auch der Stoff, aus dem Schundromane sind. Wenn man das liest mit den heutigen Augen.

Zugegeben.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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